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Marlene Dumas, Foto David Pinzer

Hans Theo Richter-Preisträgerin Marlene Dumas
will künstlerischen Nachwuchs fördern


PM 2017_11_24 Marlene Dumas gibt Preisgeld weiter.pdf pdf - Datei

Am 23. November 2017 wurde der Hans Theo Richter-Preis für Zeichnung und Graphik der Sächsischen Akademie der Künste an die Künstlerin Marlene Dumas verliehen. Marlene Dumas, deren Altarbild in der Dresdner Annenkirche in diesem Jahr eingeweiht wurde, gilt als eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart und genießt höchste internationale Anerkennung.

"Marlene Dumas Werk ist komplex, und doch so grundsätzlich kommunikativ", erklärte Ulrich Bischoff in seiner Laudatio anlässlich der gestrigen Preisverleihung im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. "Eines der zentralen Felder in ihrem Werk sind Menschenbilder, Portraits, Gesichter von Freunden und Fremden, von öffentlichen, oft weiblichen Personen und von sehr privaten Antlitzen. Ihre zum größten Teil frontal zur Erscheinung herbeigerufenen Gesichter begegnen uns mit großer Präsenz."

Der Mensch steht bei Marlene Dumas im Mittelpunkt, nicht nur als Sujet ihrer Werke. So gab sie in ihrer Dankesrede bekannt, das von der Hildegard und Hans Theo Richter-Stiftung gestiftete Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro an den künstlerischen Nachwuchs weiterzugeben. Das Preisgeld überlässt sie dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das damit jungen Künstlerinnen und Künstlern die Chance geben möchte, sich mit der Sammlung des Kupferstich-Kabinetts auseinanderzusetzen.

Dieses Stipendiatenprogramm wird konzipiert vom Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Nähere Informationen werden zum gegebenen Zeitpunkt vom Kupferstich-Kabinett und von der Sächsischen Akademie der Künste bekanntgegeben.




v.l.n.r. Sebastian Schmidt, Vorstand der Hildegard- und Hans-Theo Richter-Stiftung, Christiane Meinhold-Gerth, zweiter Vorstand der Hildegard- und Hans-Theo Richter-Stiftung, Stephanie Buck, Direktorin des Kupferstich-Kabinettes der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marlene Dumas, Preisträgerin, Ulrich Bischoff, Laudator, Holk Freytag, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, 23.11.2017, Foto David Pinzer

Hans Theo Richter Preis 2017
Aus dem Grußwort des Präsidenten der Sächsischen Akademie der Künste


Preisverleihungen sind Festtage, endlich dürfen wir öffentlich feiern, wofür wir in täglichen Unwägbarkeiten arbeiten. Wenn dazu dann noch der Gegenstand ein Werk ist, das den Betrachter in so hohem Maße fordert wie das Ihre, verehrte Frau Dumas, wenn wir nicht einfach Bildern begegnen, sondern Figuren mit ganz eigenen Biographien, Figuren, die das Gegenüber brauchen, Figuren, die mich, den Betrachter, brauchen - dann dürfen wir uns geborgen fühlen, geborgen in der Kunst.

Was ist Leben?
Ein Schatten, der vorüber streicht! Ein armer Gaukler,
Der seine Stunde lang sich auf der Bühne
Quält und tobt; dann hört man ihn nicht mehr.
Ein Märchen ist es, das ein Thor erzählt,
Voll Wortschwall, und bedeutet nichts.

Frau Dumas, Sie kennen Shakespeare, Sie kennen Macbeth. Und Sie kennen auch Jacques, den Philosophen im Clownspelz aus "Wie es euch gefällt":

Die ganze Welt ist Bühne
Und alle Fraun und Männer blosse Spieler.
Sie treten auf und gehen wieder ab,
Sein Leben lang spielt einer manche Rollen
Durch sieben Akte hin.

Auch Ihre Figuren bewegen sich auf einer Weltbühne - und sie bewegen die Weltbühne gleichermaßen. Und für mich als Theatermann ist es Shakespeares Weltbühne, die sie bevölkern und Shakespeares Figuren kommen immer zur rechten Zeit. Sie zeigen uns den Menschen als Vielfalt, die nicht unter einen Nenner zu bringen ist. Und diese Vielfalt bedeutet Reichtum.

Ihr Werk, verehrte Frau Dumas, reicht so hinein in unsere Welt, zeigt auf, woran es unserer Gesellschaft mangelt, zeigt uns in Schönheit, was andere befürchten. Mit Shakespeare im Gepäck vertraue ich mich Ihnen gerne an und deshalb eben fühle ich mich auch geborgen auf der Bühne Ihrer Bilder.

Wie alle großen Kunstwerke lehnen sie sich an die Wirklichkeit an, testen sie und nicht selten wird die Wirklichkeit an ihnen zerbrechen, weil sie eine größere Wahrheit erahnen lassen, als die Wirklichkeit uns vorgaukelt. Sie sind der "farb´ge Abglanz, an dem wir das Leben haben". Ja, auch Goethes Wahrheits-süchtiger Heinrich Faust hat sich zu Ihren Figuren gesellt.

Verehrte Frau Dumas, im Namen der Sächsischen Akademie der Künste gratuliere ich Ihnen zum Hans Theo Richter Preis 2017 und freue mich, dass Sie heute zu uns gekommen sind.

Holk Freytag
Präsident der Sächsischen Akademie der Künste
Dresden, 23. November 2017



Marlene Dumas erhält den Hans Theo Richter-Preis 2017



PM 2017_09_14 Hans Theo Richter Preis 2017.pdf pdf - Datei

Der Hans Theo Richter-Preis für Zeichnung und Graphik der Sächsischen Akademie der Künste wird in diesem Herbst an die Künstlerin Marlene Dumas verliehen. Marlene Dumas gilt als eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart und genießt höchste internationale Anerkennung.

Die Preisverleihung findet am 23. November 2017 um 19 Uhr im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden statt (auf Einladung). Die Laudatio hält Prof. Dr. Ulrich Bischoff, ehem. Direktor der Gemäldegalerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Der von der Witwe Hans Theo Richters gestiftete Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird in Zusammenarbeit mit der Hildegard und Hans Theo Richter-Stiftung und dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit der diesjährigen Preisverleihung bereits das 11. Mal vergeben. Das zuständige Wahlgremium besteht aus den ordentlichen Mitgliedern der Klasse Bildende Kunst der Sächsischen Akademie der Künste, dem Vorstand der Hildegard und Hans Theo Richter-Stiftung Stiftung und der Direktorin des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Für die Dresdner Annenkirche hat Marlene Dumas in diesem Jahr das neue Altarbild gestaltet. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nehmen das außerordentliche Engagement der Künstlerin in der Stadt zum Anlass für die beiden Ausstellungen "Skulls" im Albertinum und "Marlene Dumas. Hope and Fear" im Kupferstich-Kabinett (jeweils 19. Oktober 2017 – 14. Januar 2018). Die Präsentation im Kupferstich-Kabinett mit drei für das Gesamtwerk der Künstlerin bedeutenden Aquarellserien und einer Auswahl von Druckgrafiken findet parallel zur Ausstellung "Käthe Kollwitz in Dresden" statt.

Prof. Wilfried Krätzschmar, ehem. Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, leitete die Sitzung des Wahlgremiums des Hans Theo Richter-Preises im Frühjahr 2017 und begrüßte die Entscheidung: "Besonders freue ich mich, dass damit die Wahl auf eine Künstlerin gefallen ist, die mit ihrem aktuellen Schaffen ein von Herzen kommendes Engagement für die Stadt Dresden bekundet hat. Ihr Werk zeigt ein Leben voller politischer und gesellschaftlicher Konflikte, aber auch eines voller Schönheit und Vitalität."

Dresden, 14. September 2017