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Nachruf auf Prof. Dr. Dr.-Ing. E.h. Gottfried Kiesow

Die Sächsische Akademie der Künste trauert um ihr Ehrenmitglied Prof. Dr. Dr.-Ing. E.h. Gottfried Kiesow, der am 7. November 2011 in Wiesbaden im Alter von 80 Jahren an einem Krebsleiden verstarb. Die Früchte seines Wirkens sind uns in Ostdeutschland besonders anschaulich vor Augen: es sind die historischen Altstädte und Baudenkmäler, die seit 1990 durch die Hilfe der von Kiesow 1985 gegründeten Deutschen Stiftung Denkmalschutz und noch mehr durch Kiesows eigenes unermüdlichen Werbens auf der politischen Ebene und in der breiten Öffentlichkeit vor dem Verfall gerettet werden konnten. Gottfried Kiesow war studierter Kunsthistoriker, aber mehr ein Mann der Praxis als der theoretischen Wissenschaft.

Sein ganzes Arbeitsleben galt der Denkmalpflege, der Erhaltung, dem Schutz und der Pflege des baugeschichtlichen kulturellen Erbes in Deutschland. Dafür trat er ein, 30 Jahre lang als Landeskonservator und Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, zeitweilig als Vorsitzender der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger der Bundesrepublik, und er tat es mit großer Tatkraft und Wortgewalt. Mit dem Mut der Überzeugung scheute er keine offenen Worte, hielt er sich auch mit Kritik nicht zurück und kämpfte auch dann, wenn es politisch opportuner gewesen wäre, klein beizugeben. Kiesows bedeutendstes Werk wurde die Gründung und der Aufbau der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 1985. Angesichts der immer begrenzten staatlichen Mittel, wollte er Denkmalschutz und Denkmalpflege zu einer Aufgabe machen, die die ganze Gesellschaft angeht. Vorbild war ihm dabei der 90 Jahre früher gegründete National Trust in Großbritannien. Die eigentliche Wirkung der Stiftung begann mit der deutschen Vereinigung.

Als der oft äußerst gefährdete Zustand historischer Altstädte und nicht weniger Baudenkmäler in der untergegangenen DDR sichtbar wurde, gelang es der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eine gewaltige Spendenbereitschaft in der Bevölkerung und auch in der Wirtschaft zu wecken, die manches historische Bauwerk in letzter Minute vor dem Untergang rettete. Und wo immer man heute das kleine Messingschild findet „Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz" steckt symbolisch und oft genug ganz konkret Gottfried Kiesow als Person dahinter. Viele ostdeutsche Altstädte verdanken ihm ihr Überleben. Kiesows Lieblingsstädte wurden Görlitz und Quedlinburg, in die er bis ins hohe Alter immer wieder sehr begehrte Gruppenreisen veranstaltete. Beide Städte – und andere mehr – haben Gottfried Kiesow seinen Einsatz mit der Ehrenbürgerwürde gedankt.

Das eindrucksvollste Zeichen von Gottfried Kiesows Wirken ist der Wiederaufbau der Georgenkirche in Wismar. Die monumentale Hallenkirche, eines der großartigsten Zeugnisse der norddeutschen Backsteingotik, war 1945 durch Bomben schwer beschädigt worden. Während der DDR-Jahre verfiel sie weiter. 1990 brachte ein Orkan große Teile zum Einsturz. Eile war geboten. Gottfried Kiesow ergriff die Initiative, und in einer beispiellosen Spendeninitiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde die Georgenkirche bis 2010 historisch getreu wiederaufgebaut.

Gottfried Kiesow hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz systematisch zu einer breiten Institution der Förderung von Denkmalschutz und Denkmalpflege ausgeweitet. Da sind die Denkmalakademien im Waidhaus in Görlitz, auf Schloss Romrod in Hessen und im Alten Schloss in Frankfurt-Höchst, das Görlitzer Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege, die dreizehn Jugendbauhütten u.a. in Görlitz, Quedlinburg und Soest, an denen Jugendliche die handwerklichen Seiten der Denkmalpflege lernen können, und schließlich die Zusammenarbeit in der denkmalpflegerischen Ausbildung und Fortbildung mit einer Reihe von Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland zu nennen. Dafür hat Kiesow seine Aktivitäten in vielfacher Weise werbend und informierend begleitet, auf der politischen Ebene, in Vorträgen und in schriftlicher Form. So publizierte er in der Zeitschrift „Monumente" der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die höchst verdienstvoll die Anliegen der Stiftung in eine breite Öffentlichkeit getragen hat, viele lehrreiche kunsthistorische Essays über Architekturgeschichte, ihre stilistischen Erscheinungen und über historische Bautechniken, die dann auch als Bücher erschienen. Zuletzt brachte er sein eigenes finanzielles Vermögen in eine Stiftung ein, die die Kenntnisse und Lehre historischer Handwerkstechniken fördern soll. Gottfried Kiesow ist für seine fast übermenschlichen Leistungen und Verdienste vielfach geehrt worden. Zuletzt 2011, schon gezeichnet von schwerer Krankheit, empfing er den Deutschen Nationalpreis.

Die Sächsische Akademie der Künste, die ihn 2002 zum Ehrenmitglied wählte, konnte stolz darauf sein, Gottfried Kiesow in ihren Reihen zu haben. Sie wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Dresden, 17. November 2011

Prof. Dr. Jürgen Paul
für die Sächsische Akademie der Künste




Zur heutigen Bebauung der Wilsdruffer Straße in Dresden
Statement von Mitgliedern der Klasse Baukunst der Sächsischen Akademie der Künste


Die heutige Bebauung der Wilsdruffer Straße entstand nach mehrfach modifizierten Planungen in den Jahren 1958 bis 1968. Zwischen die Pole des Pirnaischen Platzes und des Postplatzes gespannt, durchquert sie den Dresdner Altstadtkern von Osten nach Westen und öffnet sich in ihrem Mittelabschnitt zum südlich von ihr gelegenen Altmarkt. In dieser Figuration, die durch den Bau des Dresdner Kulturpalastes komplettiert wird, erfüllt der Straßenzug heute die Funktion einer von Wohnbauten und Läden flankierten innerstädtischen Verkehrsachse und Einkaufsstraße.
Die zu DDR-Zeit errichteten Bauten der Wilsdruffer Straße entstanden zum größten Teil erst nach der Vollendung der Altmarktgebäude. Sie bezeugen noch heute in seltener Anschaulichkeit und Komplexität, wie seit Mitte der 1950er Jahre im Städtebau und in der Architektur der DDR der Bruch mit dem stalinistischen Dogma einer an den nationalen und klassischen Bautraditionen ausgerichteten historisierenden Baukunst vollzogen wurde: Der damalige Aufbau des Dresdner Stadtzentrums wurde nachhaltig von dem Bestreben geprägt, wieder den Anschluss an das internationale moderne Bauen zu gewinnen. Er ist ein integraler Bestandteil der Geschichte wie der Architekturgeschichte Dresdens und in seinen besten Leistungen erhaltungswürdig. Entscheidend für das Gesamtbild der Wilsdruffer Straße sind die maßstäblich gut aufeinander abgestimmten Wohnbauten des 1954 bis 1962 entstandenen Ostabschnitts. In der Gegenüberstellung der zunächst noch neubarocken Südseitenbebauung mit den in offener Reihung angeordneten Wohnblöcke der Nordseitenbebauung manifestiert sich der allgemeine Wandel in der Baukultur der DDR, im Übergang aus der Ära Stalins zu einer moderaten Moderne, die sich an den besten Beispielen des Wiederaufbaus zerstörter Städte im Westen Europas messen lassen kann. Um entsprechende Vorbilder studieren zu können, besuchte nach der Baukonferenz vom April 1955, in der „Die große Wende im Bauwesen“ verkündet wurde, eine Gruppe maßgeblicher Architekten der DDR, darunter auch der Dresdner Hellmuth Bräuer, in einer Studienreise 1956 französische Städte wie Paris, Le Havre und Marseille. Die hier für die neue Phase des Wiederaufbaus gesammelten Anregungen finden sich auch in der Planung für Dresden.
Bemerkenswert ist zudem, dass in diesen mit Walmdächern, glatt verputzten Oberge-schosswänden und sandsteinernen Fenstereinfassungen ausgeführten Gebäuden an der Wilsdruffer Straße der Bezug zur Dresdner Bautradition letztmalig aufschien. Mancher Kritiker fand damals die Gestaltung der Bauten eher halbherzig, also nicht modern genug: Heute beeindrucken sie, sofern sie noch in ihrer originalen Substanz erhalten geblieben sind, insbesondere durch die formale Qualität der Details und das Bemühen, traditionelle Architekturelemente im Sinne einer modernen Bauästhetik zu interpretieren. Würde das in den 1950er und 1960er Jahren entstandene Bautenensemble der Wilsdruffer Straße durch gestalterische Überformungen oder durch Teilabbrüche weiter reduziert, so ginge ein geschichtlich wie baukünstlerisch gleichermaßen bedeutendes Zeugnis der Dresdner Baukultur der Nachkriegszeit unwiederbringlich verloren.

Dresden, 19. September 2011

Thomas Topfstedt, Werner Durth, Wolfgang Kil und Engelbert Lütke Daldrup
für die Klasse Baukunst der Sächsischen Akademie der Künste




"(Un-?)Bewusste Auflösung"
Nachdenken über gesellschaftliches Bewusstsein angesichts von Bekundungen zur Auflösung eines Orchesters


Was ist passiert, dass jemand kundtut, ein Orchester auflösen zu müssen und damit ein Kulturgut ersten Ranges aus unserer Mitte zu tilgen?
Haben wir Krieg? Aber im Krieg wurden keine Orchester aufgelöst. Glocken wurden eingeschmolzen, weil verbrecherische Typen anordneten, dass deren Material zweckvoller einzusetzen sei; mit messbarem Effekt, den ihr erbauliches Geläut nie hätte bringen können.
Haben wir Hungersnot? Aber in den bitteren Jahren nach Kriegsende wurden auch keine Orchester aufgelöst. Im Gegenteil: der Hunger nach Kunsterleben war von elementarer Unbedingtheit, im Bewusstsein der Bedeutung für ein menschenwürdiges Leben. Ist es die erreichte Sattheit, dass solches Hungergefühl kaum noch wahr oder ernst genommen wird? Haben wir Diktatur, wo verbrecherische Machthaber in einem ideologisch verbrämten System Orgeln zerstören ließen, die dank sogenannter zukunftsweisender Beschlüsse zusammen mit Kirchenbauwerken in die Luft gesprengt wurden?
Nein. Wir haben Demokratie, und alle Gewalt geht vom Volk aus.
Woher also kommt solcher Zwang? Dass jemand, der Verantwortung trägt zur Pflege der Kulturlandschaft, zu solch einem ausweglosen Schritt getrieben werden kann? –
Schlimmer, als eine Glocke einzuschmelzen – wenn man abgebrüht genug ist, diesen Vergleich überhaupt anzustellen. Unvergleichlich schlimmer, als eine Orgel zu zerschmettern – wo es sich doch hier um ein kostbares Instrument aus lauter Menschen handelt.
Ein Anhaltspunkt findet sich im Sprachgebrauch. Da ist immer wieder von Fusion die Rede, was erkennen lässt, dass ein Begriff davon, was ein Orchester wirklich ausmacht, offenbar nicht existiert. Wie wenig Einsicht in das Wesen des so hochkomplexen Kunstgebildes vorhanden ist, teilt sich nahezu demonstrativ in dem leichtfertigen Umgang mit der trügerischen Vokabel der Orchesterfusion mit. Eine Ahnungslosigkeit, die vielleicht bei einem eher durchschnittlichen Anspruch an Lebenskenntnis nicht sofort Anlass zur Sorge sein müsste, in jedem Fall aber in bezug auf politische Entscheidungsfindungen. Für die daran Beteiligten hat nichts außer der restlosen Sachkenntnis zu gelten. (Man stelle sich vergleichbare Dispositionen an Kompetenz im Flugverkehr vor oder auch nur für das schiedsrichterliche Agieren auf dem Fußballfeld ...)
Auch wenn von einem Entscheidungsträger nicht zu erwarten ist, dass er über Sachkompetenz in allen Bereichen verfügt, für die er Verantwortung angenommen hat, so weist doch die Konstruktion unseres demokratischen Gefüges ausreichend Wege, sachkompetente Beratung in die Entscheidungen einfließen zu lassen.
Was ist also davon zu halten, wenn eine Scheinkategorie wie die der Orchesterfusion Eingang in die Denkmodelle konzeptioneller Perspektiven findet? Wo doch jeder sachkundigen Einsicht klar ist, dass man Orchester ebensowenig wie etwa Orgeln "fusionieren" kann?
Es lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass diese Einsicht nicht gelungen oder aber nicht genehm, so oder so jedenfalls der beratende Weg zur Entscheidung ungenutzt geblieben ist.
Insofern ist der nunmehr aufgetauchte Begriff der Auflösung wenigstens ehrlicher als die Fusionsbeschwichtigungen. Was allerdings an der Sache nichts bessert, und auch die Frage des Warum bleibt nach wie vor bestehen, begleitet von Begründungsszenarien, die nichts beantworten.
Zu denen gehört an erster Stelle die Behauptung einer Verbesserung. Sie gibt sich zukunftsweisend, mit Schlagworten wie Mobilität und Rationalisierungseffekt. Bei tiefergehender Prüfung erweisen sich jedoch überall Ungewissheiten, die fragen lassen, warum sie die bestehenden Gewissheiten ablösen sollen. Und selbst wenn die Prüfung der Konzepte positiv ausfiele, bleibt die Frage immer noch übrig, warum man dafür ein Orchester zerschlagen muss.
An zweiter Stelle stehen die Relativierungen. Es wäre alles doch nicht so schlimm gegenüber den ernsten Herausforderungen unserer Zeit, die eben auch zu anderen Prioritäten zwängen. Das darf eigentlich niemand, solange die Kriegs- und Nachkriegsgenerationen noch zuhören können, öffentlich aussprechen! –
Die Gewalten können ja auch nicht überzeugend benannt werden, die angeblich unvermeidbar zum Entsorgen von Kulturgut führen, und das als klug vorausschauenden Akt erscheinen lassen sollen.
Dann gibt es noch die Argumente der Sozialverträglichkeit – ein zynischer und hilfloser Begriff. Wen könnte man "sozialverträglich" dazu verurteilen, seiner Berufung nicht mehr nachzugehen? Und alle Abwägungen führen wieder zu der Frage am Schluss: Wieso muss dafür ein Orchester vernichtet werden? –
Eine maßgebende Kategorie scheint die des Gegenwertes zu sein. Die Denkmuster unseres Gemeinwesens sehen alle Erscheinungen als in Gegenwerten berechenbare Größen, jedes mit jedem aufrechenbar. Logisches Handeln lässt sich direkt aus den Bilanzen ableiten, ein pragmatisches Denken, aus dem die Kategorie der ideellen Größe getilgt ist. Das ist eine Umformung des Bewusstseins, die den Alltag zunehmend durchsetzt. –
Leicht ist es, hier kulturpessimistische Klagen anzustimmen; schwieriger, Auswege zu versuchen, weil dieses Bewusstsein aus dem Wohlstandsbefinden erwächst. Entschlüsse wachsen aus den Böden des Wohlstands, in einem von Sattheit geformten Denken, welches ideellen Schmerz nicht spürt, weil die Rezeptoren dafür verkümmert sind. Das ist Demenz, die den eigenen Zustand kritisch zu registrieren nicht in der Lage ist, weil das fortgeschrittene Stadium den Verlust just durch denselben nicht wahrnimmt.

Dresden, 18. Juli 2011

Prof. Wilfried Krätzschmar
Vizepräsident der Sächsischen Akademie der Künste




Votum der Sächsischen Akademie der Künste für die stringente Entwicklung des Kulturkraftwerks am Standort Wettiner Platz in Dresden

Anlässlich ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung hat sich die Sächsische Akademie der Künste am 26. Juni 2011 im Rahmen einer Exkursion im Areal des Kraftwerks Mitte noch einmal detailliert mit dem Konzept zum Kulturkraftwerk beschäftigt. In einer integrierten Gesprächsrunde mit Vertretern verschiedener kultureller Bereiche und der Wirtschaft hat sich dabei die Überzeugung bestätigt, dass das vorliegende Entwicklungskonzept, mit der Vernetzung von Theaterkultur und Kreativwirtschaft, ein in dieser Gesamtheit nicht hoch genug einzuschätzendes Potential für die Stadt Dresden und darüber hinaus für die Region darstellt. Die zu erwartenden kulturellen und wirtschaftlichen Synergien, die städtebauliche Aufwertung weit über den Standort hinaus, die auf allen Ebenen eintretenden Zugewinne werden einen qualitativen Fortschritt von existentiellem Gewicht im Dasein der Stadt bedeuten. Nicht nur im übertragenen Sinn wird sich das Gesamtprojekt als ein Renditeobjekt erweisen. Wichtig ist jetzt, die Realisierung unverzüglich umzusetzen. Drei Aspekte sind dafür als strategische Kriterien zu berücksichtigen:

1. Die Chancen wirtschaftlicher Entwicklung, das bedeutet zuerst durch Ansiedlung, dürfen nicht durch zögerliches Agieren gefährdet werden. Es sind Wege zu finden, die schnelle Entscheidungen mit späterer Nachhaltigkeit geschickt verbinden lassen.

2. Die Potenzen, die sich aus dem Zusammenspiel der Theater und der Branchen so einmalig entfalten lassen, dürfen nicht durch das etwaige Vorziehen von Teillösungen oder Teilentscheidungen entwertet werden.

3. Alle Beteiligten und Betroffenen sind in einen ständigen gemeinsamen Austausch über das Fortschreiten in Planung und Realisierung einzubinden. Dieser Dialog sollte seitens der Stadtleitung organisiert werden.

Die Sächsische Akademie der Künste ist nachdrücklich bereit, in diesem Dialog mitzuwirken.

Dresden, 13. Juli 2011

Prof. Wilfried Krätzschmar
Vizepräsident der Sächsischen Akademie der Künste




Eine Chance für die „Platte“?
Frank Zimmermann wird mit dem Gottfried Semper Architekturpreis 2011 ausgezeichnet


Das Kuratorium des Gottfried Semper Architekturpreises aus Vertretern der Sächsischen Akademie der Künste, der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und des Energieunternehmens Vattenfall hat heute den Architekten Frank Zimmermann zum Preisträger des Gottfried Semper Architekturpreises 2011 bestimmt.

Mit dem Gottfried Semper Architekturpreis wird eine bundesweit ausgewiesene Architekten-persönlichkeit gewürdigt, deren Werk sich durch besondere Qualitäten nachhaltigen Bauens auszeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Sächsischen Akademie der Künste mit der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) und Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG (Stifter) vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Auch in Zukunft wird Vattenfall, so der Vorstandsvorsitzende der Bergbau- und Stromerzeugungssparte Dr. Hartmuth Zeiß, als Stifter dieses signifikanten Preises auftreten. „Ökologie und Nachhaltigkeit sind Themen der Zeit denen wir als Unternehmen versuchen gerecht zu werden.“

Der diesjährige Preisträger Frank Zimmermann hat sich mit dem spektakulären Rückbau eines 11-geschossigen Hochhauses in Plattenbauweise einen Namen gemacht: Aus den wiederverwendbaren Bauelementen konstruierte er drei- und zweigeschossige Mehrfamilien-Würfelhäuser. Demografischer Wandel, Stadtschrumpfung, Beseitigung von überschüssigen Wohnungen sind das Aufgabenfeld, dem sich der 1959 in Schwerin geborene Architekt seit mehr als einem Jahrzehnt verpflichtet sieht.

Ob bei der Umnutzung einer alten Fabrik zum Behördenzentrum Peitz, bei der Erweiterung einer DDR-Typenschule zu einem Sportgymnasium (Cottbus 2006) oder bei der Verwandlung einer militärischen Fahrzeughalle zur Probebühne des Cottbuser Staatstheaters – der Phantasie für den Erhalt alter Baulichkeiten sind offenkundig keine Grenzen gesetzt.
Sein zentrales Interessen- und Aufgabenfeld fand und findet Zimmermann allerdings im Umgang mit dem industriellen Massenwohnungsbau der DDR, dessen Produkte er einmal als „zu früh bezogene Rohbauten“ bezeichnete, die eigentlich nur eines nobleren Finishs bedurften, um als Wohnwelten auch für heute zu taugen. „Aus Sicht der Sächsischen Akademie der Künste erfüllt der Preisträger die drei Grundpfeiler gelungener Architektur: Ästhetik, Funktion und Wirtschaftlichkeit (Nachhaltigkeit)“, so Professor Carlo Weber, Mitglied des Kuratoriums.

Eine Chance für die „Platte“ also? Durch funktionale Anpassungen, urbane Vervielfältigungen, technische Modernisierungen und ästhetische Aufwertungen will Frank Zimmermann auch dem industriellen Massenwohnungsbau seinen legitimen Platz im Repertoire städtischer Wohnformen zuweisen. Solange Plattenbauten lediglich als „Rückbaureserve“ gelten, geht der Blick für die globale Dimension des Problems verloren. „Denn die globale Dimension ist eine ökologische und soziokulturelle“, so Dietmar Kammerschen, Stiftungsdirektor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, „und auch die Bausubstanz der Moderne ist Ressource!“

Der Gottfried Semper Architekturpreis 2011 wird am 20. Oktober 2011 auf Schloss Wackerbarth in Radebeul verliehen.

Dresden, 27. Juni 2011




Wahl eines neuen Präsidenten und Vizepräsidenten
in der Sächsischen Akademie der Künste


Die Sächsische Akademie der Künste hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 25. Juni 2011 in Dresden den Dirigenten und Musikwissenschaftler Prof. Dr. Peter Gülke als neuen Präsidenten gewählt. Er folgt Prof. Udo Zimmermann, der nach dreijähriger Tätigkeit aus dem Amt scheidet. Neuer Vizepräsident ist der Komponist und langjährige Rektor der Dresdner Musikhochschule Prof. Wilfried Krätzschmar.

Peter Gülke, Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste, war Kapellmeister der Staatsoper Dresden und Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik Dresden bevor er Generalmusikdirektor am Deutschen Nationaltheater Weimar wurde. Er war Generalmusikdirektor der Stadt Wuppertal und lehrte als Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg/Br. Peter Gülke ist Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, Ehrendoktor der Universität Bern und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. 1995 erhielt er den Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtkunst, 1996 den Van-der-Heydt-Preis der Stadt Wuppertal und den Edison-Preis der Schallplattenindustrie, 1998 den Karl-Voßler-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und 2002 das Österreichische Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst. Peter Gülke lebt in Berlin.

Zugleich wurden die Sekretäre der Klassen neu gewählt. Neuer Sekretär der Klasse Baukunst ist der Stadtplaner Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup aus Berlin, Stellvertreter wird der Leipziger Architekt und Stadtplaner Prof. Andreas Wolf.
In der Klasse Bildende Kunst wurden Prof. Dr. Wolfgang Holler, Direktor der Museen der Klassik-Stiftung Weimar, als Sekretär und der Dresdner Maler und Bildhauer Jürgen Schön als Stellvertreter in ihren Amtern bestätigt.
Die Klasse Darstellende Kunst und Film wird von Michael Heinicke, Operndirektor Chemnitz, und von der Regisseurin Annette Jahns geleitet.
Ein Wechsel hat sich in der Klasse Literatur und Sprachpflege vollzogen: Sekretär und Nachfolger von Richard Pietraß wird der Hallenser Romancier und Lyriker Wilhelm Bartsch, Stellvertreterin die sorbische Dichterin Roza Domascyna.
Die Klasse Musik hat den an der Hochschule für Musik in Dresden lehrenden Musikwissenschaftler Prof. Dr. Jörn Peter Hiekel im Amt bestätigt, neuer Stellvertreter wird der Komponist Prof. Manos Tsangaris, ebenfalls an der Hochschule für Musik tätig.

Dresden, 25. Juni 2011




OFFENER BRIEF DER SÄCHSISCHEN AKADEMIE DER KÜNSTE
AN DEN KULTURAUSSCHUSS DES SÄCHSISCHEN LANDTAGES


Die Tendenzen, die sich in den Erörterungen um die Zukunft der Landesbühnen Sachsen abzeichnen, geben Anlass zu schwerwiegenden Bedenken und großer Besorgnis. Dabei resultieren die Befürchtungen nicht aus dem Status quo, denn die Landesbühnen Sachsen sind für ihre spezifischen Aufgaben bestens aufgestellt; sie arbeiten mit kontinuierlich hoher künstlerischer Qualität, mit einer hervorragenden Balance von Anspruch und Akzeptanz, und sie können eine über die Grenzen Deutschlands hinaus beispielhaft vorzeigbare Auslastung vorweisen.

Die Sorgen erwachsen angesichts der Planungsideen, diesen erfolgreichen Status zu verändern, was nichts anderes heißt, als ihn zu zerstören, ihn durch Konzepte zu ersetzen, die ganz offensichtlich die Tragweite der Veränderungen verkennen. Funktionierende Strukturen würden zerschlagen zugunsten von etwas, von dem absehbar unsicher ist, dass es zu nachhaltiger Tragfähigkeit imstande sein wird. Es ist bei genauer Darlegung aller Kriterien nicht zu übersehen, dass die Auswirkungen der erwogenen Einschnitte zu bedeutenden Verlusten führen werden. Diese bestünden sowohl in der allgemeinen Verminderung des kulturellen Angebots als auch in der zwangsläufigen Absenkung des angebotenen Niveaus. Bei der zunehmenden Wichtigkeit des Dialogs mit dem Publikum, genauso wie bei der existentiellen Bedeutung der Kinder- und Jugendarbeit, kann von solchem Nachlassen nicht eindringlich genug abgeraten werden. Hier ist vor gesellschaftlichen Beschädigungen zu warnen, die weder zugelassen noch etwa willentlich herbeigeführt werden dürfen.

Die sächsische Kultur- und Musiklandschaft ist ein Kapital, welches mit größter Sorgfalt gepflegt sein muss. Dieses Kapital durch eindimensionale Sparbestrebungen zu beeinträchtigen, bedeutet einen nicht zu beziffernden Schaden, der überdies auch mit eventuell für später angedachten Reparaturmaßnahmen nicht zu heilen sein wird. Am Beginn von Überlegungen zu Veränderungen müssen statt dessen ganz prinzipiell die Fragen stehen, wie künstlerische Qualität gewahrt und Standards gehalten werden können. Mit der Umsetzung der angedeuteten Vorhaben würden Verschlechterungen generiert, mit denen sich der Freistaat Sachsen als negativer Präzedenzfall in der Kulturlandschaft darstellen würde.

Dass dies nicht eintritt, mahnen wir, von übereilten Entscheidungen abzusehen, alle Kriterien mit der angemessenen Gründlichkeit zu prüfen und dazu den im Freistaat Sachsen vorhandenen Reichtum an Sachverstand im offenen kritischen Austausch einzubeziehen.

Dresden, 7. April 2011

Prof. Udo Zimmermann
Präsident der Sächsischen Akademie der Künste




Nicht umsetzen - aufwerten!

Stellungnahme zu Forderungen einer Umsetzung des Neptunbrunnens auf dem Gelände des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt


Forderungen nach einer Umsetzung des Neptunbrunnens (Dresdner Neueste Nachrichten vom 29.3.2011) werden von der Klasse Baukunst der Sächsischen Akademie der Künste aus architektonischen, städtebaulichen, denkmalpflegerischen und kulturhistorischen Gründen abgelehnt. Entsprechenden Vorschlägen einer Translozierung ist die Klasse Baukunst bereits in der Vergangenheit mit Entschiedenheit entgegengetreten.

Auf Anregung der Klasse Baukunst haben sich Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner wiederholt mit der Friedrichstadt auseinandergesetzt und insbesondere für die Aufwertung des Umfelds des Neptunbrunnens folgende Vorschläge unterbreitet:

- Herstellung der stadträumlichen Bezüge zum Neptunbrunnen, d.h. Öffnung der Anlage, Öffnung der Mauer
- Sperrung der Straße für den Durchgangsverkehr direkt hinter der Anlage und Schaffung einer Grünanlage zum Abschluss des Neptunbrunnenareals, d.h. Bepflanzung der Straße mit hochwachsendem Grün, evtl. Aufschüttung und Schaffung eines anderen Niveaus
- eine Alternative dazu könnte in der Wiederherstellung der historischen Nagelwand hinter dem Brunnen bestehen
- Abriss des gesamten bzw. Entfernung des Mittelsegments des Wirtschaftsgebäudes zwischen Palais und Brunnen, um die historische Sichtachse wieder herzustellen; ein Vorschlag, der bereits auf Hans Erlwein aus dem Jahr 1912 zurückgeht
- Aufwertung der Friedrichstadt im Umfeld des Neptunbrunnens mit Mitteln der Landschaftsarchitektur: Schaffung von Grünvernetzungen, Wegesystemen und grünen Achsen durch Gärten, Hinterhöfe und die derzeitigen Brachen der Friedrichstadt, darin einbezogen ist die Gestaltung und Aufwertung der Brachen im Umfeld des Neptunbrunnens durch Landschaftsarchitektur: Schaffung von Gärten und temporären Parks
- Schaffung von Achsen und Durchgängen zwischen Dresden-Mitte und Dresden-Friedrichstadt (Aufbrechen der Bögen des Bahndamms)
- Schaffung von Informations-Leitsystemen, um vom Zentrum (Postplatz etc.) auf den Neptunbrunnen hinzuweisen

An diesem kulturell wie historisch besonderen Ort bedeutet verantwortliches Handeln, die Kräfte und Initiativen nicht für eine Versetzung der Brunnenanlage, sondern für die Aufwertung des Brunnenumfeldes zu bündeln.

Dresden, 29. März 2011

Prof. Carlo Weber
Sekretär der Klasse Baukunst




Nachruf auf Karl-Heinz Barth (1937 – 2011)

Chemnitz, Anfang der 90er Jahre. Wir, die wir als Planungsgruppe in Chemnitz tätig waren, stießen in dem heterogenen städtebaulichen Umfeld der Stadtmitte auf ein perfekt erhaltenes Bauwerk aus den 30er Jahren: das Stadtbad. Wir mussten das Gebäude auch von innen sehen! Es war ein Erlebnis, zu spüren, mit welcher Sensibilität für die Zeit seiner Erbauung dieses Gebäude, das zu seiner Zeit eines der größten und modernsten Hallenbäder Europas war, saniert und renoviert worden war.

Die Rekonstruktion des Innenausbaus hatte Karl-Heinz Barth als Niederlassungsleiter des VEB Innenprojekt Halle, Außenstelle Karl-Marx-Stadt geplant, sein Kollektiv erhielt dafür den Architekturpreis der Deutschen Demokratischen Republik. Auch beim Umbau des Chemnitzer Opernhauses hat er die Innengestaltung maßgeblich verantwortet. Die Sanierung wurde 1994 mit dem BDA-Preis Sachsen gewürdigt. Zu den Bauten, die unter seiner Mitwirkung das baukulturelle Gesicht seiner Wahlheimatstadt Chemnitz prägen, gehört auch die bundesweit beachtete Renovierung von Van de Veldes berühmter Villa Esche. Von seinen Projekten jenseits der Stadtgrenzen verdient vor allem das Berghotel Schöneck im Vogtland Erwähnung, für deren Innenausstattung Karl-Heinz Barth 1987 den Architekturpreis der DDR erhielt.

Die Berge hatten es dem Architekten Karl-Heinz Barth angetan, vor allem nach der Wende trieb es ihn jedes Jahr auf die höchsten Gipfel der Kontinente, unter anderen den Kilimandscharo, den Mont Blanc und den Ararat.

Ein Berg wurde ihm jetzt zum Schicksal: bei der Besteigung des rund 7.000 Meter hohen Aconcagua in den argentinischen Anden verunglückte Karl-Heinz Barth am 1. Februar 2011 tödlich. Familie, Freunde und Kollegen trauern um den Tod dieses von allen geschätzten Menschen und Architekten.

Am 3. März 1937 in Zwickau geboren, absolvierte Karl-Heinz Barth zuerst eine Ausbildung zum Bau- und Möbeltischler und erlangte 1958 den Meisterbrief. Ab 1961 studierte er Innenarchitektur an der Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm. Es folgten ein Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle-Burg Giebichenstein zum Facharchitekten Bau-Raum und ein Externstudium der Kunstgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo er mit einer Dissertation über Gotthilf Ludwig Möckel 1984 promovierte. Anschließend war Barth als Chefarchitekt bei Innenprojekt Halle, Betriebsteil Karl-Marx-Stadt tätig und nach 1990 als freiberuflicher Architekt (Architekturbüro Arnold + Dr. Barth), dem die Planung des Technologiezentrums (1997) und des Verwaltungsgebäudes der Handwerkskammer Chemnitz (1998) zu verdanken ist.
Im Jahre 1991 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Landesverbands Sachsen des Bundes Deutscher Architekten und der Architektenkammer Sachsen. Barth war bis 1997 Vorstandsmitglied der Architektenkammer Sachsen und von 1993 bis 2002 Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten Sachsen. Zwischen 1995 und 1999 hatte Barth das Amt des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Chemnitzer Stadtrat inne, dem er seit 1990 angehörte.

Im Jahr 2002 wurde Karl-Heinz Barth in die Sächsische Akademie der Künste gewählt, für deren Klasse Baukunst er ein geschätztes und aktives Mitglied war.

Die Akademie trauert um ihr Mitglied Karl-Heinz Barth.

Carlo Weber
für die Klasse Baukunst und die Sächsische Akademie der Künste

Dresden, 14. Februar 2011




Nachruf auf Miklos Hofer (1931-2011)

Aufgereiht an einem 72 Meter hohen schlanken Mast befinden sich im unteren Drittel die Plattformen für die Personal- und Technikräume sowie eine Aussichtsterrasse und himmelwärts die erforderlichen Leiteinrichtungen für die Telekommunikation. Mit diesem einfachen gestalterischen Konzept realisierte der 32jährige Architekt Miklos Hofer im Jahr 1963 den Bau eines Fernsehturmes auf dem Avas-Berg im ungarischem Miskolc. Die Stadt erhielt mit dem Bauwerk ein neues, weithin sichtbares Wahrzeichen und der junge Architekt fand damit erste internationale Aufmerksamkeit. Nun ist er nach langer Krankheit am 10. Januar 2011, wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag, in Budapest gestorben.

1931 in Bozsok geboren, studierte Hofer an der Technischen Universität Budapest. Nach einer sich anschließenden einjährigen Assistentenzeit am Lehrstuhl für Industriebau begann er 1955 seine praktische Tätigkeit als Architekt mit dem Entwurf für eine Schule in Gyöngyös. 1962-63 arbeitete er im Londoner Büro des in Ungarn geborenen Architekten Ernö Goldfinger. In dieser für ihn prägenden Zeit lernte Hofer einen der wichtigsten Vertreter der modernen Architektur in Großbritannien kennen, dessen Architektur auf eine klare Formensprache ausgerichtet war.

Mit diesen Erfahrungen und neuen gestalterischen Zielen konzipierte Hofer nach seiner Rückkehr nach Budapest das Kulturzentrum mit Bibliothek in Szentendre, das er unter Verwendung des ortsüblichen Natursteins geschickt in die dörfliche Struktur integrierte, sowie die Schule für Transport und Kommunikation in Györ (1969-76). Den Bauten außerhalb Budapests folgte 1969 der Entwurf für den Hauptsitz der Wasserwerke in unmittelbarer Nachbarschaft des Ungarischen Parlaments. Zurückhaltend in der Materialität und Farbigkeit respektiert es in angemessener Weise die Besonderheit des Ortes und seines baulichen Bestandes.

1965 gewann Miklos Hofer den internationalen Wettbewerb für das neue Nationaltheater in Budapest. Trotz zermürbender Diskussionen und zeitaufwendiger Variantenbearbeitungen erhielt er nicht den erhofften Planungsauftrag für den Bau des Gebäudes, eine Demütigung, die er den Beteiligten nie verzeihen konnte.

1967 wurde Hofer zum Vertreter Ungarns in die Weltorganisation der Szenographen, Bühnentechniker und Theaterdesigner gewählt, 1992 folgt die Wahl zum Mitglied des ungarischen UNESCO-Komitees. Zahlreiche Ehrungen wie der Miklos-Ybl-Preis, der Preis Pro Ubre Budapest und der Szechenyi-Preis sind Ausdruck der öffentlichen Wertschätzung seiner Leistungen als Architekt.

Die nach dem Studium als Assistent erprobte Lehrtätigkeit konnte er seit 1973 als außerordentlicher und ab 1979 als ordentlicher Professor an der Technischen Universität Budapest, Lehrstuhl für Öffentliche Bauten, bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 fortsetzen.

Am 21. Juni 2003 wurde Miklos Hofer von der Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste zum Korrespondierenden Mitglied der Klasse Baukunst gewählt.
Die Akademie trauert um ihr Mitglied.

Ulf Zimmermann
für die Klasse Baukunst und die Sächsische Akademie der Künste

Dresden, 28. Januar 2011




Akademie für Leipziger Erklärung gegen Änderung des Kulturraumgesetzes

Der Senat der Sächsischen Akademie der Künste hat sich in seiner Sitzung vom 6. Dezember 2010 der "Leipziger Erklärung - Kulturschaffende gegen Änderung des Kulturraumgesetzes" angeschlossen. In der Erklärung heißt es:

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des sächsischen Landtages, wir Sachsen leben in einem Kulturstaat. Mit der Aufnahme der Kultur als Staatsziel in die sächsische Verfassung wurde nach der Friedlichen Revolution von 1989 eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung unseres Landes zu einer demokratischen, fortschrittlichen und leistungsfähigen Region im Herzen Europas gelegt.
Schon 1994 hat sich der Freistaat durch die Inkraftsetzung des Kulturraumgesetzes zu seiner maßgeblichen Beteiligung an der Finanzierung kultureller Einrichtungen in den Kulturräumen unseres Landes bekannt. Damit ist Sachsen nach wie vor ein Vorbild für die gesamte Bundesrepublik.
Im Ergebnis war es möglich, lebendige Kultur auch in strukturschwachen Regionen und finanziell bis an die Leistungsgrenze belasteten Kommunen zu einem tatsächlichen Grundpfeiler des gesellschaftlichen Lebens zu entwickeln.
Dies gilt auch für Leipzig. Der weltweite Ruf unserer Stadt als Kulturstadt fußt auf Qualität und Vielfalt des Angebots, auf Pflege des Erbes und auf Innovation. Daraus entstehen hohe Lebensqualität und Attraktivität – für die Menschen der Region und für unsere Gäste. Mit hochrangigen, weit über die Stadt hinaus ausstrahlenden Theatern, Orchestern, Chören und kulturellen Bildungseinrichtungen, einer umfangreichen Museums- und Festivallandschaft, vielen soziokulturellen Zentren und einer lebendigen, kreativen und qualitativ hochwertigen freien Kulturszene. Dies ist nur möglich, weil Stadt und Freistaat gemeinsam die Kosten tragen.
Seit Jahren liegt Sachsen in den bundesweiten Bildungsvergleichen an der Spitze. Täglich gelebte Kultur in allen Bereichen der Gesellschaft hat unmittelbaren Einfluss auf die Bildungssituation. Täglich gelebte Kultur ermöglicht allen Bürgern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und fördert das demokratische Grundverständnis der Gemeinschaft.
Der vorgesehene, verfassungsrechtlich ungesicherte Eingriff in das Kulturraumgesetz verletzt die Systematik solidarischer Kulturfinanzierung in unserem Land. Um eines kurzfristigen finanziellen Effektes willen wird die positive Entwicklung der letzten 20 Jahre in Frage gestellt. Statt in ganz Sachsen weiterhin auf Kunst und Kultur als gesellschaftliches Bindeglied zu setzen, entzieht der Entwurf flächendeckend den Kulturräumen die dringend notwendigen Mittel.
Die Folgen für das Kulturland Sachsen wären verheerend. Das künstlerische Angebot würde drastisch reduziert. Es drohte die Schließung ganzer Sparten. Für große Teile der Bevölkerung würde der Zugang zu Kultur unmöglich. Die gewachsenen Herausforderungen bei der kulturellen Bildung wären nicht zu erfüllen. Zahlreiche freie Kunst- und Kulturprojekte würden unmöglich.
Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete. Wir, die Vertreter der städtischen Kultureinrichtungen und der freien Kulturszene Leipzigs, appellieren gemeinsam an Sie: Lassen Sie diesen Rückfall nicht zu. Verwehren Sie – unabhängig von aktuellen Fraktionszielen und Parteiinteressen – der vorgeschlagenen Änderung des Kulturraumgesetzes, auch in der angebotenen Kompromissvariante, Ihre Stimme. Nehmen Sie Ihre Verantwortung für Ihre Wähler, für Ihre Wahlkreise wahr. Schützen Sie mit Ihrer Stimme die Kulturräume unseres Landes. Bewahren Sie Sachsen die Möglichkeit, ein Kulturstaat zu bleiben. (Leipzig, den 19. November 2010)



Gedenken an Joachim Herz

Die Sächsische Akademie der Künste trauert um ihr Gründungsmitglied Joachim Herz. Der Altmeister des modernen Musiktheaters starb am 18. Oktober 2010 in Leipzig im Alter von 86 Jahren. Ein Urgestein, aber kein Nestor, der sich anlässlich einer späten Preisvergabe in Dresden als Dinosaurier bezeichnete und verwundert tat, dass man sich seiner überhaupt noch erinnere.

Natürlich erinnert man sich an Joachim Herz: Er starb in der Stadt, die er von 1973 bis 1976 mit Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ beschenkt hatte. Diese richtungweisende Produktion hat bis nach Bayreuth und wohl auch darüber hinaus ausgestrahlt. Ein halbes Jahrhundert, nachdem das Opernhaus in Leipzig von Joachim Herz mit „Die Meistersinger von Nürnberg“ eröffnet worden ist, wohnte er zusammen mit seiner Frau am 9. Oktober 2010 noch der Premiere neuer „Meistersinger“ bei. Vielleicht hat sich da ein Kreis für ihn geschlossen, wurde der Ring eines Lebenswerkes vollendet.

Die Lebensstationen des 1924 in Dresden geborenen Meisters sind hauptsächlich im geografischen Dreieck Dresden-Leipzig-Berlin auszumachen. An der Kreuzschule erwarb er frühestes Rüstzeug, wurde zudem im Klavier- und Klarinettenspiel unterwiesen. Nach dem Abitur musste er – ausgerechnet er, der Feingeist! – sich in eine Uniform stecken lassen. Auf Urlauben von der Front gierte er, solang dies noch möglich war, nach Theaterbesuchen. Der 13. Februar 1945 geriet ihm zu einem unvergesslichen Eindruck, ja, zu einem Fanal. Undenkbar damals, dass ausgerechnet er, Joachim Herz, vierzig Jahre später die Semperoper mit seinen Inszenierungen des „Freischütz“ von Carl Maria von Weber und tags drauf mit dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss eröffnen sollte.
Auf sein Regie-Debüt 1950, die „Bremer Stadtmusikanten“ von Richard Mohaupt im Kleinen Haus, erhielt er eine Anstellung als Regisseur an der Landesoper Radebeul. Prägende Zeiten an der Komischen Oper Berlin folgten ab 1953, gleichzeitig durfte er sich als Dozent und Pädagoge in Dresden erweisen. Die Schule Walter Felsensteins aber war es, die ihm den Blick für das realistische Musiktheater schärfte und Oper stets als ein Erlebnis aus dem Geist der Musik mit zutiefst humanistischem Anspruch wahrnehmen ließ.

Zeugnisse davon legte Joachim Herz nicht nur in Leipzig ab, wo er als Operndirektor von 1959 bis 1976 für fruchtbare Zeiten sorgte und neben Wagner-Produktionen auch Werke von Berg, Borodin, Britten, Mozart, Mussorgski, Prokofjew, Puccini, Schostakowitsch, Strauss, Tschaikowski, Verdi und vielen anderen Komponisten in seiner Lesart herausbrachte, sondern auch als Gast überall auf der Welt. Der Regisseur Joachim Herz war bereits international gefragt und sah sich als kultureller Brückenbauer, als derart Weltoffenheit noch nicht selbstverständlich war. Er inszenierte wiederholt am Teatro Colón in Buenos Aires, in Moskau und Vancouver, in London, Cardiff, Stockholm, Zürich und Wien. Vorlesungen und Gastsemester führten den Künstler quer durch Europa sowie in die USA. Als Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin gestaltete er dieses Haus zu einem veritablen internationalen Schaufenster. Seine Eröffnung der Semperoper, deren Chefregisseur Herz von 1981 bis 1991 gewesen ist, wurde 1985 zum gesamtdeutschen Fernsehereignis.

Wie er nun noch kurz vor seinem 85. Geburtstag beide mit Büchern, Noten, Schallplatten, diversen Aufzeichnungen und gesammelten Gegenständen vollgestopfte Wohnungen in einer einzigen, der in Leipzig, zusammengefasst hat, das grenzt an eine weitere Meisterleistung. Denn ihm, dem Ehrendoktor der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, ihm ist diese Stadt seiner Herkunft zu teuer geworden.

Zuletzt war Joachim Herz, der in Dresden noch Schostakowitschs „Nase“, Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen“ und Janáčeks „Schicksal“ inszeniert hatte, mehr und mehr zum Vortragsreisenden geworden, der als hellwacher Zeitzeuge nicht nur über sein früheres Schaffen referierte, sondern auch kundig pointiert über Musiktheater von heute bilanziert hat. Anfragen, seine Schriften zu sammeln, der Nachwelt zu erhalten und gebündelt herauszugeben, haben seine Kraft bis zuletzt beansprucht.

Seine Stimme wird uns fehlen.

Prof. Udo Zimmermann, Präsident

Dresden, 19. Oktober 2010




Gedenken an Werner Schmidt

Die Sächsische Akademie trauert um ihren Gründungspräsidenten, der am 15. Juli 2010 überraschend verstarb. Werner Schmidt war von 1996 bis 2002 Präsident der Sächsischen Akademie der Künste und stand von 2002 bis 2005 der Klasse Bildende Kunst als Sekretär und Sprecher vor. Über Werner Schmidt schrieb der langjährige Vizepräsident der Akademie, Dr. h.c. Friedrich Dieckmann:

„Werner Schmidt hat dem kulturellen Leben Dresdens, mit einer Ausstrahlung weit über die sächsischen und die deutschen Grenzen hinaus, in wichtigen Ämtern vierzig Jahre lang wesentliche Impulse verliehen, insondere als Hüter, Ordner, Erschließer der Nachlässe zweier bedeutender Dresdner Künstler, deren Wirken ihm von jeher am Herzen lag, Hermann Glöckners und Hans Theo Richters. [...] Hinzu kamen Wilhelm Rudolph und Paul Wilhelm, Ernst Hassebrauk und Werner Wittig, Max Uhlig und Gerda Lepke, Eberhard Göschel und Hubertus Giebe, um nur einige Dresdner zu nennen. Der Blick nach Rußland förderte nach Wladimir Faworski den großartigen Anatol Kaplan zutage, später Weissberg, Kabakow, Bulatow - ein weites, vielgestaltes Feld. 1968 machte die große Ausstellung zur russischen Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts Furore, so wie sechs Jahre später „Zeichnungen in der Kunst der DDR"; die jeweiligen Kataloge avancierten bald zu Standardwerken. 1984 hatte Werner Schmidt die Genugtuung, eine der größten Paul-Klee-Ausstellungen ausrichten zu können. [...]
Als die neugegründete Akademie der Künste ihn an ihre Spitze berief, amtierte Werner Schmidt noch als Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen; 1990 war er in einem Akt revolutionärer Emanzipation von den Mitarbeitern gewählt und nach der Wiedergründung des Freistaats dann in aller Form berufen worden. Es galt, den Riesendampfer dieses Kulturinstituts durch jene Veränderungen der Struktur und der Finanzierung zu steuern, die damals - wer spricht von sanfter Revolution? - ein ganzes Land umwälzten. Die künftige Rückkehr der Sammlungen ins Schloß war in dem Jahrzehnt seiner Gesamtleitung planend vorzubereiten, und umfassende Ausstellungen waren ins Werk zu setzen, ich will hier nur an „Im Licht des Halbmonds" und „Unter einer Krone" erinnern, die eine dieser Großausstellungen den türkisch-okzidentalen, die andere den sächsisch-polnischen Kunstbeziehungen in großem Stil nachgehend, beides auch kulturpolitische Großtaten."
(Den gesamten Text Lesen Sie bitte hier)




Generationswechsel in der Sächsischen Akademie der Künste

Die Sächsische Akademie der Künste hat auf ihrer Mitgliederversammlung in Weimar neue Mitglieder berufen. Die Mitglieder haben mit Datum vom 2.9.2010 die Annahme ihrer Wahl bekanntgegeben.

Neue Mitglieder in der Klasse Baukunst sind der Architekt Stefan Rettich von der konzeptionellen Plattform KARO* in Leipzig, der Architekt Benedikt Schulz vom Leipziger Architekturbüro Schulz & Schulz und der Stadtplaner, Architekt und Hochschulprofessor Ingo Andreas Wolf. Als Korrespondierende Mitglieder wurden der Direktor des Breslauer Architekturmuseums Jerzy Ilkosz und Jan Schindler, Gründungsmitglied des jungen Prager Architekturbüros 4a architekti berufen.
Die Klasse Bildende Kunst hat den Dresdner Maler und Professor an der HfBK Dresden Ralf Kerbach und die Fotografin Gundula Schulze Eldowy aufgenommen.
In die Klasse Darstellende Kunst und Film wurden der Filmemacher Ralf Kukula, der Intendant der Staatsoperette Dresden Wolfgang Schaller und der Intendant des Staatsschauspiels Dresden Wilfried Schulz gewählt.
Neue Mitglieder der Klasse Literatur und Sprachpflege sind der Autor Wilhelm Bartsch aus Halle/Saale, der Romancier und Lyriker Jörg Bernig, der in Gera geborene Lyriker und Essayist Lutz Seiler und der 1974 ausgebürgerte und in Frankfurt/M lebende Dichter Gerald Zschorsch. Zu Korrespondierenden Mitgliedern wurden der an der Cardiff University (GB) lehrende Professor für Germanistik Gerrit-Jan Berendse und der Literaturwissenschaftler und Übersetzer Marek Zybura vom Willy-Brandt-Zentrum der Universität Breslau (Wrocław, Polen) gewählt.
In die Klasse Musik wurden der Dresdner Kreuzkantor Roderich Kreile, die in Dessau geborene Komponistin Annette Schlünz und der Komponist und Lyriker Manos Tsangaris, Professor an der Hochschule für Musik Dresden, aufgenommen. Die Berufung zum Korrespondierenden Mitglied nahm der an der Hochschule für Musik Dresden lehrende Professor für Komposition Mark Andre an.

Damit zählt die Akademie 157 Mitglieder aus dem In- und Ausland. Mit der Wahl leitet die Akademie einen Generationswechsel ein. Wie Akademiepräsident Professor Udo Zimmermann betont, soll dieser Prozess fortgesetzt werden, um junge Künstler und Kunsttheoretiker stärker in die Akademiearbeit zu integrieren. Verbunden mit den Zuwahlen sind eine programmatische Neuausrichtung, die intensive Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen Positionen und ein stärkeres kulturpolitisches Engagement.

Dresden, 6. September 2010




Gedenken an Ludvík Kundera

Die Sächsische Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied Ludvík Kundera. Der Dichter starb am 17. August 2010 in Boskovice, unweit seines Wohnortes Kunstát bei Brno (Mähren) im Alter von 90 Jahren. Noch im März 2010 reiste der Sekretär der Klasse Literatur und Sprachpflege Richard Pietraß nach Kunstát, um dem Dichter, Theaterautor und Übersetzer zu seinem 90. Geburtstag die Glückwünsche der Akademie zu überbringen.

Mit seinem Tod verliert die Akademie einen engagierten Brückenbauer und Vermittler, auf den viele persönliche Begegnungen und Kontakte mit Autoren und Übersetzern des Nachbarlandes zurückgehen. Gern erinnern wir uns an seine Lesung unter dem Titel “Viele Nächte” aus Anlass der Tschechischen Kulturtage im November 2000 in Dresden. Uwe Grüning, der damals die Moderation übernahm, beschreibt Kundera in der zu seinem 90. Geburtstag erschienenen Publikation als eine Persönlichkeit, „dessen Sinn auf öffentliche Wirksamkeit, auf Überschreiten der Genregrenzen, auf Dialog und Widerklang, auf ein Wirken im Kreise Gleichgesinnter gerichtet war“. So regte Kundera unter anderem an, dass die Klasse Literatur und Sprachpflege ihre erste überaus fruchtbare Auslandstagung in Prag 2001 durchführen konnte.

Der am 22. März 1920 in Brünn geborene Dichter war Übersetzer und Nachdichter vieler Mitglieder unserer Akademie, aber auch Übersetzer von Morgenstern, Arp und Trakl, Brecht und Celan. Kundera sah in der Übersetzerarbeit eine politische Aufgabe: "Jede zweite Generation muss große Dichter neu übertragen", so der Preisträger in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Anerkennungspreises des Leipziger Buchpreises zur europäischen Verständigung im Jahr 2002.

Durch die bei Reclam Leipzig 1987 erschienene zweibändige Anthologie "Die Sonnenuhr. Tschechische Lyrik aus 11 Jahrhunderten" war er bereits einer intimen Kennerschaft in Ost und West bekannt. Doch erst die Öffnung nach 1989 ermöglichte es, sein Werk einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Selten haben wir ein Zeit- und Kulturzeugnis so unvoreingenommen, so wissend und zuversichtlich, so ohne Ressentiment gefunden" erinnert sich Uwe Grüning.

Seine Werke und die Erinnerungen seiner Freunde werden uns begleiten und halten in uns das Andenken an Ludvík Kundera lebendig.

Prof. Udo Zimmermann, Präsident

Dresden, 31. August 2010




Offener Brief
Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes



An den Sächsischen Staatsminister des Inneren
Herrn Markus Ulbig

An die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst
Frau Prof. Dr. Dr. Sabine Freifrau von Schorlemer


Sehr geehrter Herr Staatsminister,
sehr geehrte Frau Staatsministerin,

das Gesetz über die Errichtung der Sächsischen Akademie der Künste vom 24. Mai 1994 erteilt in §2 der Akademie die Aufgabe, „die Kunst zu fördern, Vorschläge zu ihrer Förderung zu machen und die Überlieferungen des traditionellen sächsischen Kulturraums zu pflegen.„ Im Sinne dieses Auftrages möchte die Sächsische Akademie der Künste, unter Federführung der Klasse Baukunst, aus tiefer Sorge um die Erhaltung der Kulturlandschaft des Freistaates Sachsen Ihnen ihre Bedenken gegen den Entwurf einer Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes vortragen.

Sicher werden Sie darin übereinstimmen, dass der umfangreiche Schatz an historischen Bau- und Kunstdenkmälern, an historischen Städten, an historisch geprägten Dörfern, an Denkmälern der Industrie- und Technikgeschichte, an archäologischen Stätten zu den bedeutendsten Kulturgütern gehört, die unser Land besitzt. Dieses historische Erbe steht gleichrangig neben den Museen und den Einrichtungen der Theater- und der Musikkultur. Die Einrichtungen der Denkmalpflege, das Landesamt für Denkmalpflege und die Unteren Denkmalbehörden, haben den Auftrag, diese Kulturgüter für die Zukunft und die kommenden Generationen der Bevölkerung zu erhalten, zu pflegen und zu schützen. Die Einrichtungen der Denkmalpflege gehören daher zu den wichtigsten kulturpolitischen Institutionen unserer Gesellschaft. Es würde einen kulturellen Verlust bedeuten, wenn sie geschwächt würden. Dieser Verlust wäre nicht nur ein kultureller, sondern auch ein wirtschaftlicher. Denn gerade denkmalpflegerische Maßnahmen bilden ein wichtiges Betätigungsfeld für das eingesessene Handwerk, das heißt, für den wirtschaftlichen Mittelstand.

Die rechtlichen, politischen und praktischen Rahmenbedingungen für Denkmalschutz und Denkmalpflege definiert das Denkmalschutzgesetz. Die Sächsische Akademie der Künste sieht in dem Entwurf zur Novellierung des Denkmalschutzgesetzes die Gefahr, dass die Handlungsmöglichkeiten der Denkmalpflege erheblich verschlechtert und eingeschränkt werden.

Der Entwurf sieht eine Klassifizierung des gesamten Denkmalbestandes in wenige hochrangige Denkmäler und die Masse der einfachen Denkmäler. Das Landesamt für Denkmalpflege soll nach dem Entwurf nur noch für die hochrangigen Denkmäler zuständig sein. Die Masse der einfachen Denkmäler soll ganz in die Zuständigkeit der unteren Denkmalschutzbehörden fallen. Der städtebauliche Denkmalschutz soll entfallen. Stattdessen soll es den Kommunen und Kreisen freigestellt werden, Gestaltungssatzungen zu erlassen.

Dies würde einen Rückfall hinter die Neudefinition des Denkmalschutzes in den 1970er Jahren bedeuten und damit in eine Zeit, in der die meisten Denkmalschutzgesetze noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammten. Es soll daran erinnert werden, dass die damalige Debatte in der alten Bundesrepublik die von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragene Reaktion auf die grassierende Zerstörung stadtbildprägender und auch historisch und kunstgeschichtlich bedeutsamer Einzeldenkmäler, besonders der aus dem 19. Jahrhundert, sowie wertvoller städtebaulicher Ensembles durch rein profiorientierte, spekulative Bautätigkeit in den Großstädten, Klein- und Mittelstädten sowie Dörfern im damaligen Westdeutschland war. Dies ging einher mit einer gleichzeitigen massiven Zerstörung wertvoller historischer Bausubstanz und ganzer historischer Stadtstrukturen in der damaligen DDR.

Wir raten den Bearbeitern einer Novellierung des sächsischen Denkmalschutzgesetzes dringend, die damalige, in Veröffentlichungen dokumentierte kulturelle und gesellschaftliche Debatte um Denkmalbegriff und Denkmalschutz nachzuvollziehen.

Natürlich gibt es graduelle Unterschiede zwischen herausragenden und weniger bedeutenden Denkmälern. Der Denkmalschutz in Frankreich kennt die „Classements„ der Bau- und Kunstdenkmäler, der aber dort nicht zu Ungunsten der Breite der Objekte geht, Denn der gesamte Denkmalbestand bildet als kulturelles Gut eine Einheit. Ein radikaler Schnitt zwischen herausragenden und weniger bedeutenden Denkmälern wäre ohnehin wissenschaftlich nicht definierbar (ganz abgesehen davon, dass die Erstellung einer Liste der herausragenden Denkmälern innerhalb eines halben Jahres, wie im Gesetzesentwurf vorgesehen, arbeitstechnisch überhaupt nicht zu leisten wäre).

Die moderne Denkmalpflege beruht auf der Gesamterfassung des Bestandes. Und bei der Betreuung dieses Gesamtbestandes handelt sich um eine Aufgabe, die auf wissenschaftlicher Fachkompetenz aufbauen muss. Das ist in jeder kulturellen Institution – ob Museen oder Theater oder Orchester - die selbstverständliche Voraussetzung für die qualifizierte Arbeit. Nur auf der Grundlage dieser Fachkompetenz, die ein wissenschaftliches Hochschulstudium der Kunstgeschichte oder der Architekturgeschichte erworben wird, können qualifizierte Entscheidungen getroffen werden. Der fortgesetzte Personalabbau in den Denkmalämtern hat die Wirksamkeit dieser unverzichtbaren Fachkompetenz schon jetzt erheblich erschwert. Die Unteren Denkmalschutzbehörden verfügen häufig nicht über mit wissenschaftlicher Fachkompetenz ausgestattetem Personal. Die wissenschaftliche Betreuung des Denkmalbestandes ist hier nicht gewährleistet. Entscheidungen auch über „einfache„ Denkmäler dürfen nicht zum reinen Verwaltungsakt der lokalen Behörden werden. Es bestünde sonst die Gefahr, dass – wie in den Jahren vor dem Erlass der Denkmalschutzgesetze in den 1970er und 1980er Jahren – wieder schutzwürdige Objekte unter dem kurzfristigen wirtschaftlichen Druck von Investitionsinteressen beseitigt oder verunstaltet werden.

Überaus bedenklich ist die Absicht des Novellierungsentwurfs, den städtebaulichen Denkmalschutz abzuschaffen und durch Gestaltungssatzungen, die den Gemeinden anheim gestellt werden, zu ersetzen. Hierzu ist zu sagen: Auch städtebauliche Ensembles sind Objekte; sie sind von den Einzeldenkmälern nicht zu trennen. Im Prinzip sind Gestaltungssatzungen zu begrüßen, wenn sie im Einvernehmen und in Zusammenarbeit mit der Fachbehörde festgelegt werden. Wenn sie jedoch den städtebaulichen Ensembleschutz ersetzen, besteht die Gefahr, dass in wertvollen historischen Stadtbildern nur das äußere Erscheinungsbild, nicht aber die physische historische Substanz gesichert ist.

Der Entwurf einer Novellierung des sächsischen Denkmalschutzgesetzes läuft auf eine Entmachtung des Landesamtes für Denkmalpflege und damit auf den Verlust der wissenschaftlich fundierten Betreuung des Denkmalbestandes im Freistaat Sachsen hinaus. Es würde einen Rückfall in längst vergangene Zeiten bedeuten, wäre nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Wenn der vorliegende Novellierungsentwurf Gesetzeskraft erlangte, hätte Sachsen anstelle eines vorbildlichen Denkmalschutzgesetzes eines der anfechtbarsten in der Bundesrepublik Deutschland.

Prof. Udo Zimmermann, Präsident

Dresden, 22. Juli 2010




Offener Brief
Kürzung der Städtebauforderung


An Herrn Dr. Petzer Ramsauer
Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
An die Mitglieder des Bauausschusses
des Deutschen Bundestages


Sehr geehrter Herr Bundesminister,

die Sächsische Akademie der Künste, die Akademie der Künste Berlin und die Bayerische Akademie der Schönen Künste haben mit Bestürzung von der Absicht der Bundesregierung erfahren, die Städtebauförderung im Zuge der Haushaltskonsolidierung massiv zu kürzen. Mit der geplanten Halbierung der Städtebauförderung würde eines der wichtigsten, lokal unmittelbar wirksamen strukturpolitischen Instrumente drastisch geschwächt und der Baukultur in unserem Lande großer Schaden zugefügt.

Die Programme „Städtebaulicher Denkmalschutz" und „Stadtumbau", „Soziale Stadt" und „Aktive Ortszentren" sowie „Kleine Zentren" kommen vor allem den Klein- und Mittelstädten zu Gute, bewahren unser baukulturelles Erbe und stärken die ausgewogene Struktur unseres Landes.
Der Bedarf im Städtebau ist unübersehbar: Die seit der deutschen Einheit lange Zeit auf die neuen Länder konzentrierte öffentliche Förderung hat inzwischen zu großem Nachholbedarf in den Städten und Gemeinden Nord-, West- und Süddeutschlands geführt. Trotz aller Leistungen der bisherigen Förderung in den östlichen Städten und Gemeinden ist dort der Investitionsbedarf in die Erneuerung des baulichen Erbes noch immer beträchtlich.

Wir appellieren an Sie, im Gesetzgebungsverfahren zum Bundeshaushalt 2011 die kulturelle Bedeutung der Städtebauförderung zu bedenken und auf die Halbierung der Förderung zu verzichten.

Im Namen der Akademien der Künste in Berlin, Dresden und München mit freundlichen Grüßen

Prof. Udo Zimmermann

Dresden, 15. Juli 2010





Nachruf Günter Behnisch

Der Architekt Günter Behnisch, geboren am 12. Juni 1922 in Lockwitz bei Dresden, gestorben am 12. Juli 2010 in Stuttgart, prägte durch seine Bauten, Publikationen und seine Lehre maßgeblich die Baukultur der Bundesrepublik.

Der Kriegsgefangenschaft in England folgte das Studium in Stuttgart und eine Reihe von Wettbewerbserfolgen, die ihm als Pionier im Bereich des Schul- und Hochschulbaus schon früh internationale Anerkennung sicherten. Erster Höhepunkt seines Lebenswerks war die Gestaltung der Zeltlandschaft für die Olympischen Spiele 1972 in München, die das Motto der Heiteren Spiele als gebaute Wirklichkeit präsentierte und weltweit Aufmerksamkeit weckte für die Selbstdarstellung Deutschlands als junge Demokratie.

Seit 1967, dem Jahr seines Siegs im Wettbewerb um die Planung des Olympiageländes, bis zur Emeritierung 1987 Professor an der Architekturfakultät der Technischen Hochschule Darmstadt, war er den Studierenden ein unbequemer Lehrer, der mehr Fragen stellte als Antworten gab, Widerspruch und Eigenständigkeit provozierte: Vorbild und Herausforderung.

Mit den Planungen für die künftigen Bundesbauten in Bonn wurde ihm die Frage nach angemessener Darstellung des demokratisch verfassten Staates zu einem zentralen Thema seiner Arbeit. Diese Frage führte mit dem Neubau des Plenarsaals für den Bundestag in Bonn zu einem wieder international beachteten Ergebnis, das durch die Entscheidung für die Hauptstadt Berlin jedoch an Bedeutung verlor. Umso wichtiger war es ihm, neben vielen anderen Projekten, die seinen Rang im Kreis der bedeutendsten Architekten Deutschlands bestätigten, mit dem Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin ein Zeichen für die Öffentlichkeit und Zugänglichkeit, für das zugleich irritierende und orientierende Potenzial der Kunst und Kultur im vereinigten Deutschland zu setzen.

Seit seiner Berufung in die neu gegründete Sächsische Akademie der Künste in Dresden 1996 beteiligte er sich mit hohem persönlichen Engagement als Sekretär der Klasse Baukunst am Aufbau dieser Künstlervereinigung und gab ihr durch zahlreiche Initiativen Profil.

Mit Günter Behnisch verlieren wir einen ebenso radikal künstlerisch ambitionierten wie politisch engagierten Architekten, der seine Entwürfe stets auch als Bekenntnis zur Demokratie sowie zu der damit erhofften Freiheit jedes einzelnen Menschen im Gestalten und im Bewohnen seiner Umwelt verstand.

Dresden, 12. Juli 2010





Offener Brief
Erhalt der deutschen Theaterlandschaft


An die Präsidentin
des Deutschen Städtetages
Frau Dr. h.c. Petra Roth
Oberbürgermeisterin der Stadt
Frankfurt/Main

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

die Akademien der Künste nehmen mit großer Sorge zur Kenntnis, dass in vielen Städten der Bundesrepublik die Bereitschaft zur Demontage der Theaterlandschaft wächst.

So soll in Wuppertal einer der schönsten Theaterneubauten der Zeit nach 1945 geschlossen werden, ein Haus in dem Pina Bausch einige ihrer besten Tanztheater-Visionen geschaffen hat. In Oberhausen steht das Theater trotz beachtlicher überregionaler Resonanz vor dem finanziellen Ruin. Dortmund stößt an seine existenziellen Grenzen, Moers und Hagen stehen zur Disposition. Wilhelmshaven benötigt ein Signal für die Fortsetzung seiner Arbeit, in Dessau ist die Existenz eines wichtigen Theaters bedroht, das alljährlich Ausrichter des Internationalen Kurt Weill Festivals ist. Die Reihe ließe sich fortsetzen.

Sehr geehrte Frau Roth, das Theater in Deutschland hat eine wesentliche Bindefunktion für die Gesellschaft, es ist Garant für soziale und politische Kommunikation, für kulturelle und musische Bildung und nicht zuletzt für künstlerische Innovation und dies sowohl im Musiktheater wie im Schauspiel als auch im Tanztheater. Das Zusammenspiel von Repertoire, Ensemble, Abonnement und die Öffnung für neues Publikum haben sich als Elemente des deutschen Theatersystems bewährt. Das deutsche Theater verfügt über ein dichtes Netz und hat nicht nur in den Metropolen, sondern in den kleinsten Kommunen seinen festen Platz.

Sie stehen einer Stadt vor, die sich besonders auch durch ihre Theater profiliert hat. Wer Senftenberg oder Neustrelitz zur Disposition stellt, stellt das kulturelle Leben ganzer Städte zur Disposition und gefährdet damit letztlich auch die Theaterarbeit in Berlin und Frankfurt.

Die Akademien der Künste fordern den Deutschen Städtetag auf, sich gegen die Steuerpolitik des Bundes zu stellen, die die Städte und Kommunen in ihrer kulturellen Existenz bedroht und die gegen das Konnexitätsprinzip verstößt. Demokratie wird für die einzelne Bürgerin, den einzelnen Bürger vor allem vor Ort, in der Kommune erfahrbar. Die Theater haben großen Anteil daran, dass die Erfahrung der Selbstverwaltung und damit der Selbstverantwortung als demokratische Prinzipien auch an junge Menschen weitergereicht werden. Wer Theater schließt oder ihre finanzielle Auszehrung billigend in Kauf nimmt, gefährdet einen zentralen Ort der demokratischen Auseinandersetzung.

Sehr geehrte Frau Roth, bitte betrachten Sie diese Zeilen als eine Aufforderung, die von einer tiefen Sorge um den Erhalt unserer kulturellen Institutionen getragen ist. Wir bitten Sie als Präsidentin des Deutschen Städtetags, das in Ihrer Verantwortung Stehende zu tun, die Einzigartigkeit der deutschen Theaterlandschaft zu erhalten.

12. Mai 2010

Prof. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste
Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Borchmeyer, Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Prof. Armin Sandig, Präsident der Freien Akademie der Künste in Hamburg
Prof. Udo Zimmermann, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste




Akademie für Operetten-Neubau in Dresdens Mitte

Mit Betroffenheit und Sorge hat die Öffentlichkeit in den letzten Tagen zur Kenntnis nehmen müssen, dass die von der Landershauptstadt Dresden und ihrer Oberbürgermeisterin gegebene Zusage, das "Kultur-Neubau-Projekt Staatsoperette und Theater Junge Generation in Dresdens Mitte" anzusiedeln, gefährdet scheint.

Die Klasse Darstellende Kunst und Film der Sächsischen Akademie der Künste fordert den Erhalt der Staatsoperette an einem ihrer Bedeutung angemessenen Wirkungsort im Zentrum der Kulturstadt Dresden. Sie unterstützt den Beschluss der Landeshauptstadt, die Staatsoperette im Verbund mit dem TJG im ehemaligen Kraftwerk Mitte anzusiedeln und weist Überlegungen, die die Eigenständigkeit der Staatsoperette in Frage stellen, mit Nachdruck zurück.

Die Klasse Darstellende Kunst und Film erinnert daran, dass die Mitarbeiter der Staatsoperette im Vertrauen auf das Versprechen der Oberbürgermeisterin für einen Operetten-Neubau in Dresdens Mitte vertrauten und seit 2007 auf acht Prozent ihres Einkommens zugunsten der Finanzierung eines Neubaus verzichten. Die Klasse Darstellende Kunst und Film fordert die Landeshauptstadt und ihre Oberbürgermeisterin auf, die gegebenen Zusagen einzuhalten und Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit bei den kulturellen Entscheidungen für die Zukunft Dresdens nicht aufs Spiel zu setzen.

Der Rang Dresdens als Theaterstadt hängt in großem Maße von der Existenz und Qualität eines Neubaus für die Staatsoperette ab. Darüber hinaus vermag die Staatsoperette im ehemaligen Kraftwerk Mitte, an einem originären wie zentralen Standort, wichtige wie notwendige Impulse für die weitere Entwicklung der Landeshauptstadt zu setzen.

Dresden, 14. April 2010

Michael Heinicke
Sekretär der Klasse Darstellende Kunst und Film
der Sächsischen Akademie der Künste




Presseerklärung zum Austritt von Bernd Jentzsch

Am Vortag seines 70. Geburtstags hat der in Euskirchen lebende Schriftsteller Bernd Jentzsch seinen Austritt aus der Sächsischen Akademie der Künste mit Unterstellungen begründet, die jeder Grundlage entbehren.

Bernd Jentzsch, der zu den 1996 vom Freistaat Sachsen berufenen Gründungsmitgliedern der Sächsischen Akademie der Künste gehörte, hat vierzehn Jahre lang weder an den Mitgliederversammlungen der Akademie noch an Sitzungen der Klasse Literatur und Sprachpflege und damit auch nicht an Wahlen neuer Mitglieder teilgenommen, für die es im Plenum der Akademie jeweils einer Zweidrittelmehrheit bedarf. Bernd Jentzsch war stets über die Zuwahlvorschläge für neue Mitglieder informiert; ein Einspruch gegen die Kandidaten ist seinerseits zu keinem Zeitpunkt erfolgt.

Die Mitgliedschaft in der Akademie untersteht laut dem Akademie- gründungsgesetz von 1994 (§ 3/2) denselben Kriterien wie die Beschäftigung im öffentlichen Dienst, die in Artikel 119 der Sächsischen Verfassung formuliert sind (Unvereinbarkeit mit einer Tätigkeit für das frühere Ministerium für Staatssicherheit der DDR).

Gemäß ihrer Satzung vertritt die Sächsischen Akademie der Künste von ihrer Gründung an „Freiheit und Anspruch der Kunst gegenüber Staat und Gesellschaft"; sie weist Bernd Jentzschs Unterstellungen aufs schärfste zurück.

Prof. Udo Zimmermann, Präsident

Dresden, 26. Januar 2010



Standort "Großer Trauernder Mann" von Wieland Förster
"Weg des Gedenkens"


Der Senat der Sächsischen Akademie der Künste befürwortet mehrheitlich die Wiederaufstellung der Skulptur "Großer Trauernder Mann" von Wieland Förster an seinem ursprünglichen Standort am Georg-Treu-Platz. Der Senat sieht keinen Widerspruch zwischen der Wiederaufstellung und einer Neugestaltung des Platzes.

Mit Blick auf die geplanten Unternehmungen extremistischer Gruppierungen am 65. Jahrestag der Zerstörung der Stadt Dresden am 13. Februar 1945 begrüßt der Senat der Sächsischen Akademie der Künste die für den 13. Februar 2010 geplante Initiative eines "Weges des Gedenkens".

Dresden, 18. Januar 2010




Sächsische Akademie der Künste und Staatliche Kunstsammlungen Dresden rücken enger zusammen

Die Sächsische Akademie der Künste und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wollen künftig enger zusammenarbeiten. Darüber informierten heute der Präsident der Akademie der Künste, Prof. Udo Zimmermann und der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Martin Roth im Anschluss an ein Arbeitstreffen. Die Kunst zu fördern und die Überlieferungen des sächsischen Kulturraumes zu pflegen, sei auch eine der Hauptaufgaben der Sächsischen Akademie der Künste. Damit sei sie den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als dem zweitgrößten Museumsverbund Deutschlands in dessen wichtigster Aufgabe unmittelbar verbunden.

Abstimmungsdefiziten, die es in der Vergangenheit unter anderem auch in der Debatte um die Neugestaltung des Georg-Treu-Platzes in der Dresdner Innenstadt gegeben hat, solle künftig entgegengewirkt werden. In Zukunft werde es darum gehen, vor Entscheidungen - insbesondere mit Blick auf die Stadt Dresden als europäische Kunst- und Kulturstadt - frühzeitig gegenseitig zu informieren. Mit Blick auf die Frage nach einem neuen Standort für die Plastik „Großer Trauernder“ von Wieland Förster erklärten Roth und Zimmermann übereinstimmend, dass „Der Trauernde“ einen würdigen Ort der Kontemplation verdient habe.

Dresden, 5. Januar 2010