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Offener Brief - Standort für die Sächsische Akademie der Künste

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Dr. Stange,

über die Medien erhielt die Sächsische Akademie der Künste am 23.06.2016 davon Kenntnis, dass eine Entscheidung über die Zukunft des Dresdner Blockhauses, bis 2013 Standort der Akademie, getroffen worden ist.

Die Akademie begrüßt ausdrücklich, dass das Blockhaus als öffentlicher kultureller Ort erhalten bleibt, und befürwortet das Konzept eines „Archivs der Avantgarde“ als Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Damit wird ein zwingend benötigter kräftiger Akzent die kulturelle Landschaft der Landeshauptstadt und des Freistaates beleben.

Nachdem das Blockhaus seine Bestimmung gefunden hat, stellt sich mit umso stärkerer Dringlichkeit die seit 2013 vom Freistaat offen gelassene Frage nach dem Standort der Akademie. Klare und verbindliche Aussagen hierzu werden dringend von Ihnen erwartet, zumal Sie, verehrte Frau Ministerin, am 18.06.2016 in Ihrem Grußwort zum 20-jährigen Bestehen der Akademie eine andere Darstellung der Standortfrage vermittelt haben. Auch Ihr Schreiben vom 20.06.2016 enthielt keine Antwort auf meine explizite Anfrage vom 13.06.2016 zur Zukunft des Blockhauses, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung der Staatsregierung gefallen war. Die Akademie hätte es begrüßt, die Nutzungsentscheidung für das Blockhaus mit der Standortfrage der Akademie zu verbinden.

Vor dem Hintergrund des gemeinsamen Bemühens um eine lebendige und vielfältige sächsische Kulturlandschaft erwartet die Akademie ein klares Bekenntnis und einen angemessenen Umgang mit den uns gemeinsam bewegenden Aufgaben.

Dresden, 24. Juni 2016

Prof. Wilfried Krätzschmar, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste



Memorandum

Die Sächsische Akademie der Künste begeht in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Die Mitgliederversammlung vom 18. Juni 2016 hat sich mit der Bilanz ihrer 20-jährigen Arbeit befasst und Fragen nach der Zukunft der Akademie und der Rolle von Kunst und Kultur in der Gesellschaft diskutiert. Sie richtet das folgende Memorandum an die Sächsische Staatsregierung und den Sächsischen Landtag:

Die Sächsische Akademie der Künste verweist im Jahre ihres 20-jährigen Bestehens mit Nachdruck auf ihren Leistungswillen und ihre Potenzen, auf ihren Platz im Kulturleben und die Aufgaben gegenüber der Gesellschaft. Die Sächsische Akademie der Künste wurde 1996 nach dem Vorbild der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Akademie der Künste Berlin als Vollakademie gegründet, aber von der Sächsischen Staatsregierung zu keinem Zeitpunkt personell und finanziell zureichend ausgestattet, um den Absichten des Gesetzgebers und den Aufgaben einer wichtigen Institution des Freistaates Sachsen gerecht werden zu können.

Es fehlen noch immer die sachlichen und personellen Voraussetzungen, um die im Gründungsgesetz von 1994 niedergelegten Aufgaben zureichend umzusetzen:
- Förderung der Kunst und Vorschläge zu ihrer Förderung zu unterbreiten
- Pflege der Überlieferung des traditionellen sächsischen Kulturraums
- Entfaltung öffentlicher Wirksamkeit
- Anlage eines Archivs, in dem die Akademie ihre eigene Arbeit und die ihrer Mitglieder dokumentiert

In der jetzigen Ausstattung mit 2,25 Stellen, die aus einem Jahresetat von 395.000 Euro finanziert werden, ist die Akademie nicht in der Lage, die ihr übertragenen Aufgaben zureichend zu erfüllen. Mit den jährlichen Veranstaltungen in verschiedenen Formaten, Tagungen, Ausstellungen, Workshops und Konzerten im Freistaat Sachsen, aber auch in den Nachbarländern, strebt sie nach der notwendigen Wirksamkeit in der Öffentlichkeit. Hinzu kommen die satzungsgemäßen Mitgliederversammlungen, Zusammenkünfte der Klassen und des Senats.

Erforderlich sind ein deutlicher Finanz- und Stellenaufwuchs um
- 1,0 Referentenstelle für Öffentlichkeitsarbeit/Social Media
- 1,0 Referentenstelle für Archiv und Dokumentation
- 2,5 Referentenstellen für die Arbeit der Klassen (je 0,5 Stellen pro Klasse)

Länderakademien zum Vergleich:
Akademie der Künste (Berlin), (Bundesakademie): 402 Mitglieder, über 40 Mitarbeiter für den Programm- und Mitgliederbereich
Bayerische Akademie der Schönen Künste (München): 287 Mitglieder; 10 Mitarbeiter
Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt): 190 Mitglieder; 7 Mitarbeiter
Sächsische Akademie der Künste Dresden: 168 Mitglieder; 2,25 Mitarbeiter

1. Wir fordern Gespräche über den auch vom SMWK als notwendig erachteten Ausbau, um vom provisorischen Status zur vollen Arbeitsfähigkeit gelangen zu können.

2. Wir fordern Aussagen der Staatsregierung und des Landtages zur Perspektive des Standortes, nachdem die Akademie mit dem Blockhaus nach dem Elbehochwasser 2013 ihren vom Freistaat 1996 zugewiesenen Standort verloren hat.

3. Wir fordern Positionierungen der Staatsregierung und des Landtages zu den von der Akademie vorgelegten Überlegungen zu den aktuellen Aufgaben der Akademie im Freistaat, zur Arbeit mit den mittel- und osteuropäischen Nachbarn und zu den Zukunftskonzepten der Akademie.

Wir ersuchen die Staatsregierung und den Landtag, mit dem Doppelhaushalt 2017/2018 eine rasche Änderung der Lage herbeizuführen. Die Akademie bekundet ihren Anspruch – nicht zuletzt vor dem Hintergrund 20-jähriger engagierter Arbeit – verbindliche Antworten zu erhalten und mit den kulturpolitisch Verantwortlichen in den dafür notwendigen Dialog einzutreten.

Dresden, 18. Juni 2016

Die Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste vertreten durch den Präsidenten Prof. Wilfried Krätzschmar



Bewegte Landschaft
Undine Giseke erhält den Gottfried Semper Architekturpreis 2015


Das Kuratorium des Gottfried Semper Architekturpreises aus Vertretern der Sächsischen Akademie der Künste, der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und des Energieunternehmens Vattenfall hat die Landschaftsarchitektin Undine Giseke zum Preisträger des Gottfried Semper Architekturpreises 2015 bestimmt.

Die Verleihung des Gottfried Semper Architekturpreises 2015 findet am
Donnerstag, den 5. November 2015 auf Schloss Wackerbarth in Radebeul statt.

Für Vattenfall liegt das Engagement in der ökologischen und nachhaltigen Ausrichtung des Preises begründet. "Für eine attraktive, lebenswerte Lausitz, deren Landschaft nachhaltig gestaltet wird, haben wir uns immer schon eingesetzt und werden das auch in Zukunft tun. An dieser Stelle schlagen wir die Brücke zu diesem Preis für nachhaltiges, ökologisches Bauen und Landschaftsarchitektur", so Dr. Hartmuth Zeiß, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG. "Die heute bekanntgegebene Preisträgerin Undine Giseke war an der Entwicklung einer besonderen Transformationsidee für die Bergbaufolgelandschaft des Tagebaues Welzow-Süd beteiligt. Diese Idee einer Wüste/Oase hat der Bergbautourismusverein der Stadt Welzow mit Touren in die Canyons und zu grünen Oasen des Tagebaus aufgegriffen."

Für Dietmar Kammerschen, Stiftungsdirektor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, trifft die Wahl Undine Gisekes das Grundanliegen der Stiftung, denn "die Integration der Landschaftsökologie in die Stadtplanung verfolgt konsequent das Prinzip der Nachhaltigkeit und eröffnet neue Perspektiven auch für den Naturschutz im innerstädtischen Bereich."

"Als Architekturpreis für nachhaltiges ressourcenschonendes Bauen muss der Gottfried Semper Architekturpreis auch der zunehmenden Bedeutung der Landschafts- und Freiraumplanung Rechnung tragen", so Prof. Wilfried Krätzschmar, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, im Zuge der Reflexion über die Auswahlkriterien und Ziele des Preises. "Von Vertretern der Landschafts-architektur und der Freiraumplanung wie Undine Giseke mit ihren innovativen ökologischen Projekten gehen maßgebliche Impulse für den nachhaltigen Städtebau und die benachbarten Disziplinen aus."

Undine Giseke, geboren 1956 in Minden/Westfalen, studierte zunächst Germanistik und Soziologie in Düsseldorf und Berlin, anschließend Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur an der TU Berlin. Sie ist Mitbegründerin des Büros bgmr Landschaftsarchitekten (Becker Giseke Mohren Richard, Berlin und Leipzig). 2003 wurde sie zur Universitätsprofessorin an der TU Berlin, Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, berufen und leitet dort das Fachgebiet Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung. Als Studiendekanin für den Studiengang Urban Design setzt sie für neue Wege in der interdisziplinären Lehre ein. Undine Giseke wirkt in zahlreichen Gremien mit, u.a. als Vorsitzende des Kuratoriums der IBA Heidelberg, im Beirat für den Peter-Joseph-Lenné-Preis des Landes Berlin sowie im wissenschaftlichen Beirat des Laurier Centre for Sustainable Food Systems in Waterloo, Kanada. Sie ist zudem Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau- und Landesplanung (DASL).

Undine Gisekes zentrales Arbeitsgebiet ist die kreative Bearbeitung städtischer Transformationsprozesse von Schrumpfung, Stagnation bis Hyperwachstum von Städten in allen Maßstabsebenen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die Verbindung praktischer Landschaftsplanung und Landschaftsgestaltung mit theoretisch fundierter wissenschaftlicher Arbeit auf dem Feld der Landschaftsökologie und Landschaftsarchitektur aus.

Im Jahr 2001 entwickelte sie im Rahmen des kooperativen Gutachterverfahrens "Visionen für den Leipziger Osten" wegweisende Ideen. Vor dem Hintergrund der Leerstandsproblematik wurden von Undine Giseke für die Stadtfelder unterschiedliche Entwicklungspotenziale identifiziert und konzeptionell eine neue Stadtlandschaft (Grünes Rietzschke-Band) mit einem gegenüber den benachbarten Quartieren deutlich höheren Freiflächenanteil entwickelt. Umgekehrt gelang ihr bei der Industrieansiedlung des Leipziger BMW-Werks der umfassende Wandel eines ländlich geprägten Raumes. Für diese neue Landschaft mit ihren vielen technischen Bauwerken wurde das Leitmotiv der ‚bewegten Landschaft‘ entwickelt, unter dem neue und alte Topografien zusammengeführt wurden.

Mit ihrem Projekt "Urban Agriculture as an Integrative Factor of Climate-Optimised Urban Development" arbeitet Undine Giseke seit 2005 im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten internationalen Projektes "Megastädte von Morgen" in Casablanca. Urbane Landwirtschaft wird hier als Strategie zur klimagerechten Stadtentwicklung in schnell wachsenden Megastädten systematisch erforscht und erfolgreich erprobt.

Die theoretischen und praktischen Beiträge Undine Gisekes haben die jüngere Generation der Landschaftsplaner und Landschaftsarchitekten maßgeblich beeinflusst.

Der Findungskommission des Gottfried Semper Architekturpreises 2015 gehörten an: Prof. Olaf Lauströer (Vorsitzender), Prof. Dipl.-Ing. Angela Mensing-de Jong, Prof. Andreas Wolf (für die Sächsische Akademie der Künste), Prof. Dr. Clemens Deilmann (für die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt).

Dresden, 17. September 2015



Nachruf
Rainer Kirsch (1934-2015


Und schneller drehen sich in der Welt die Dinge
Um die es, ginge es um etwas, ginge.

(Rainer Kirsch)

Sächsische Akademie der Künste trauert um Rainer Kirsch. Am 17. Juli 1934 wurde Rainer Kirsch im sächsischen Döbeln geboren. Er studierte in Halle/Saale und Jena Geschichte und Philosophie. 1957 schloss man ihn wegen widerständischen Denkens vorübergehend aus der SED aus. Kirsch musste sich als Hilfsarbeiter „in der Produktion bewähren“. Seit 1960 war er freischaffend tätig und veröffentlichte erste Gedichte. 1963-1965 studierte er am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig, wo ihm das Abschlussdiplom verweigert wurde. Mit seiner ersten Ehefrau Sarah Kirsch gab er gemeinsame Gedichtbände heraus. Zahlreiche Reisen führten ihn nach Georgien.
Kirschs Arbeiten stießen bei den Kultur-Oberen immer wieder auf Kritik und zogen Reglementierungen nach sich. 1973 wurde er erneut aus der SED ausgeschlossen. Anlass war seine Faust-Komödie „Heinrich Schlaghands Höllenfahrt“. 1990 wurde er Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes, sowie Mitglied der Akademie der Künste Berlin (Ost). 1993 wurde er Mitglied der vereinigten Akademie der Künste. Er schrieb Lyrik, Erzählungen, Essays, Kinderbücher, Hörspiele, Dramen und machte sich einen Namen als Nachdichter u.a. von Anna Achmatowa, Ossip Mandelstam, Francesco Petrarca und John Keats.
Rainer Kirsch gehörte zur „Sächsischen Dichterschule“. Er war ein leiser, zurückhaltender Mensch mit scharfem ironischem Blick. Seine künstlerischen Maßgaben, mit denen er gesellschaftliche Unarten kommentierte, waren so feinsinnig wie streng komponiert. Was sich schrill und grenzsprengend als Neuerung gebärdete, lehnte der Dichter ab. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, ganz in der Nähe seiner Geistesgenossen Brecht und Mickel, hat er einen großen Grabstein renovieren lassen, auf dem die sonderbar fröhlich wirkenden Verse stehen:

lila ein schwein saß still auf einem baum
und wiegte sich auf zweifelhaften ästen.
wir sahens beide, und auf wenigem raum.
so, manchmal, heilt die nacht des tags gebresten.

(Rainer Kirsch)

Rainer Kirsch starb am 4. September 2015 in Berlin.

Kerstin Hensel, Schriftstellerin Berlin, für die Sächsische Akademie der Künste
6. September 2015




Akademiepräsident unterzeichnet Aufruf der Europäischen Filmakademie, Oleg Senzow sofort freizulassen

Der ukrainische Filmemacher Oleg Senzow wurde am 25. August 2015 von einem russischen Gericht wegen angeblicher terroristischer Straftaten zu 20 Jahren Lagerhaft verurteilt.

Mehr als 1000 Mitglieder von Filmakademien, Berufsverbänden von Filmschaffenden und Filmhochschulen fordern von Präsident Putin und von den russischen Behörden die Freilassung des seit 11. Mai 2014 verhafteten und am 25. August 2015 verurteilten ukrainischen Filmemachers Oleg Senzow.
Prof. Wilfried Krätzschmar, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, hat den Protest der Europäischen Filmakademie mit unterzeichnet:

"As president of the Saxon Academy of Arts I wish to support the initiative of the European Film Academy to free the Ukrainian filmmaker Oleg Sentsov. In 2014 members of the The Saxon Academy of Arts signed already a petition to free their colleague Oleg Sentsov (see below). Currently the academy has 170 members, including corresponding members from Austria, Chile, the Czech Republic, Denmark, France, Hungary, Poland, Russia, Slovakia, Switzerland and the Ukraine. The academy defines itself in its Statutes as an association of artists and art theorists, which represents freedom and artistic sophistication to state and society."

Prof. Wilfried Krätzschmar
Dresden, 26. August 2015



Sächsische Akademie der Künste warnt vor TTIP

"Die Geheimverhandlungen, die die Europäische Kommission in Brüssel mit den Vertretern der USA über ein transatlantisches Freihandelsabkommen führt, bedrohen durch die Installierung staatsunabhängiger Schiedsgerichte nicht nur die europäische Demokratie, sondern auch die europäische Kultur, die auf breiter Front auf gesetzgeberische Regularien und staatliche und kommunale Zuwendungen angewiesen ist, die sie davor sicherstellen, marktbeherrschenden Konzernen ausgeliefert zu werden.

Die Sächsische Akademie der Künste stellt sich mit allem Nachdruck hinter die Forderung der Staatsministerin für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt, Frau Monika Grütters, den Bereich der Kultur auf allen Ebenen von den Festlegungen des Abkommens auszunehmen.

Wir teilen die Besorgnis derer, die von den Abkommen die Unterminierung wichtiger europäischer Standards auf dem Gebiet der öffentlichen Güter insgesamt, des Umweltschutzes, der Lebensmittel- und der Pharmaindustrie und anderer Bereiche befürchten. Wir fordern Parlament und Regierung auf, ihre Souveränität gegenüber Tendenzen einer unbegrenzten Kommerzialisierung geltend zu machen."

Dr. h.c. Friedrich Dieckmann für die Sächsische Akademie der Künste anlässlich der Mitgliederversammlung am 13.6.2015 in Erfurt





Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste 2015 in Thüringen

In der Mitgliederversammlung, die die Sächsische Akademie der Künste vom 12. bis 14.6.2015 in Erfurt durchführte, wurden als aktuelle und zukünftige Schwerpunkte, Vorhaben und Projekte thematisiert:

Flüchtlingsproblematik

Die Akademie ist sich bewusst, dass in den nächsten Wochen und Monaten eine wachsende Zahl von Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Eritrea und Somalia auch nach Sachsen kommen und Städte, Kommunen und Landkreise vor große Herausforderungen stellen wird. In Kooperation mit anderen Partnern wie der Hochschule für Bildende Künste Dresden werden unter dem Dach der Akademie Gespräche mit Künstlern unter den nach Sachsen gekommenen Flüchtlingen angeregt. Es sollen Voraussetzungen der künstlerischen Arbeit, Möglichkeiten der Hilfe, und der Austausch über persönliche Erfahrungen und Perspektiven vor dem Hintergrund des sich verändernden politischen und gesellschaftlichen Klimas in Sachsen.

TTIP

Über die Resolution der Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste zu TTIP hinaus sind weiterführende öffentliche Diskussionen mit Fachleuten und Politikern geplant, u.a. im September 2015 mit Gerhard Pfennig und dem Altpräsidenten der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck. Empfohlen wird eine koordinierte Position mit dem Kultursenat und anderen Kulturinstitutionen.

Auslandsaktivitäten zur Stadtentwicklung

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew (2017) und in der Kulturhauptstadt Wroclaw (2016), Partnerstadt Dresdens, plant die Akademie, ihre Auseinandersetzung zu Perspektiven der Stadtentwicklung fortzusetzen. Sie schließt damit an Architekturtagungen zum Masterplan/Stadtentwicklungsplan 2009 in Kiew und an eine Tagung zu den Perspektiven der europäischen Nachkriegsarchitektur 2012 in Wroclaw an, die Architekten und Stadtplaner aus Deutschland, Polen, Slowakei, Tschechien und der Ukraine vereinigte. Die Stadt als Brennpunkt demographischer, ökonomischer und sozialer Veränderungen steht vor grundlegenden Herausforderungen der Stadtbaugestaltung, des sozial verträglichen Wohnungsbaus, der Energiefrage, der sparsamen Nutzung der Ressourcen und der Entwicklung von Urbanität und Dichte im Hinblick mit neuen Ideen der Nutzungsvielfalt auf engstem Raum.

Sprachwandel in Europa

Vorgeschlagen wird eine länderübergreifende Auseinandersetzung zu Veränderungen der Sprache in Mitteleuropa. Ziel ist eine vergleichende Analyse der Sprachentwicklungen unter dem Einfluss von Sprachentwicklungen durch die Medien, der Popkultur, Politik, Ökonomie und Werbung. Thematisiert werden die kreativen Impulse, aber auch negativen Veränderungen der Sprache als Erkenntnissystem, aber auch als kulturelle, kommunikative Basis unserer Gesellschaften. Geplant sind ab 2017 Werkstätten und Lesungen von Autoren, Literatur- und Sprachwissenschaftlern aus Deutschland, Polen und Tschechien.

Dresden, 15. Juni 2015




Perspektiven der kulturellen Zusammenarbeit Mitteldeutschlands

Die Sächsische Akademie der Künste hat anlässlich ihrer Mitgliederversammlung zu den länderübergreifenden Perspektiven der kulturellen Zusammenarbeit Mitteldeutschlands vom 12.-14.6.2015 in Erfurt getagt. Mit der Wahl Erfurts wurde ein mitteldeutscher Ort par excellence gewählt.

In einer öffentlichen Diskussion in der Thüringer Staatskanzlei mit Kulturpolitikern und Künstlern aus Sachsen und Thüringen forderte Prof. Krätzschmar, Präsident der Akademie, eine stärkere Zusammenarbeit und Vernetzung der mitteldeutschen Länder auf dem Gebiet von Kunst und Kultur. Kultur definiere sich nicht durch Landesgrenzen. Dies bedeute, "Konsequenzen auf landes- und bundespolitischer Ebene einzufordern." Er regte die länderübergreifende Bündelung kultureller und künstlerischer Initiativen, die Schaffung gemeinsamer kulturpolitischer Instrumente, eine stärkere Abstimmung der Kulturausschüsse der Landtage und die Bildung länderübergreifender kultureller Fördereinrichtungen an, wie dies z.B. bereits mit der Mitteldeutschen Medienförderung gegeben ist.

Der Thüringische Minister für Kultur Prof. Dr. Hoff begrüßte, dass sich die Sächsische Akademie der Künste der kulturellen Kooperationen im mitteldeutschen Raum annimmt: "Dass wir hier miteinander reden, ist schon erster und wichtiger Schritt. Der mitteldeutsche Raum als kulturelle Wiege Deutschlands lässt sich nur dann in seiner Wirkung entfalten, wenn man nicht in starren Ländergrenzen denkt, sondern an die gemeinsamen Interessen, die wir haben." Wichtig sei es, sich an den kulturellen Stärken der Nachbarn zu orientieren. Vor der Schaffung gemeinsamer Institutionen sollten konkrete gemeinsame Projekte und Initiativen stehen.

Der Staatssekretär des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst Uwe Gaul verwies auf bestehende Kooperationen zwischen den Freistaaten Sachsen und Thüringen, die verstärkt werden könnten, und auf Einrichtungen wie das Sächsische Kulturraumgesetz, das sich bewährt habe. Anregungen der Akademie für die länderübergreifende Vernetzung seien in diesem Zusammenhang so notwendig wie erwünscht.

Die Sächsische Akademie der Künste wird ihren mitteldeutschen Fokus ausbauen, u.a. in Zusammenarbeit mit der IBA Thüringen und mit Initiativen in Sachsen-Anhalt. Die kulturpolitischen Gespräche mit den Nachbarländern werden fortgesetzt.

Dresden, 15. Juni 2015




Für ein weltoffenes Dresden

Die Sächsische Akademie der Künste unterstützt die Initiative der Dresdner Intendantenrunde für ein weltoffenes Dresden. Die Initiative wendet sich gegen den Missbrauch diffuser Ängste und tritt für eine Gesellschaft ein, die sich gründet auf Toleranz, Solidarität und Freiheit.

Die Akademie stimmt mit den im Gespräch in 3sat Kulturzeit (8.12.2014) geäußerten Forderungen ihres Mitgliedes Robert Koall, Chefdramaturg des Staatsschauspiel Dresden, überein. Alle - Politik, Kultureinrichtungen und Gesellschaft - sind in der Pflicht, dieses fremdenfeindliche Klima abzuschaffen. Dazu sind vor allem "sorgfältig geplante, langfristige Initiativen in allen Bereichen zu entwickeln: in Lehrplänen, im Spielplan, in der Haushaltsausstattung."

Wilfried Krätzschmar, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, plädiert für eine sachliche Auseinandersetzung mit den Motiven und Hintergründen, die zu den fremdenfeindlichen Protesten führen.

Die Sächsische Akademie vereinigt namhafte Künstler und Kunsttheoretiker aus dem In- und Ausland, ein Drittel ihrer Mitglieder kommt aus den Nachbarländern. Zum Selbstverständnis und zu den vorrangigen Aufgaben der Akademie gehört der kulturelle Brückenschlag zu den mittel- und osteuropäischen Ländern.

Sächsische Akademie der Künste
Dresden, 9. Dezember 2014



Offener Brief

Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß
Stadt Zwickau
PF 20 09 33
08009 Zwickau

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer
Stadt Plauen
Unterer Graben 1
08523 Plauen

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Findeiß,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Oberdorfer,

mit Erschrecken, Unverständnis und großer Besorgnis nehmen die Kunst- und Kulturschaffenden sowie ein großes Publikum in ganz Sachsen und Deutschland wahr, was noch im Dezember den Stadtrat von Zwickau beschäftigen wird: Die Abschaffung des kompletten Musiktheaters in zwei Städten, die wohl zum musikalischsten und kulturvollsten Teil des Landes zählen können: Nicht nur der nahe Instrumentenbau im gesamten Vogtland sollte dafür Zeugnis ablegen, sondern auch die vielseitige Geschichte beider Häuser. Mit der "Jubel-Ouvertüre" von Carl Maria von Weber wurde das Plauener Haus einstmals eröffnet, ein Jahr später erklang "Der Freischütz". In der Geburtsstadt Robert Schumanns, in Zwickau, Orchester, Chor und Musiktheater mit einem Federstreich zu entlassen, ist eine Entscheidung, die deshalb gerade einem Musikhochschulrektor aus Dresden, wo sowohl Weber als auch Schumann prägend gewirkt haben, einen lauten Zwischenruf gestattet. Die vielfältigen Beziehungen von Musikerinnen und Musikern des Vogtlands, des Erzgebirges und der sächsischen Landeshauptstadt sowie die Bedeutung der Musik dieser Region für Sachsen und Dresden sind Beweis genug, dass dieses Reservoir größte Bedeutung hat.

Das Ensemble des Theaters gehört zu den unverzichtbaren Säulen einer lebendigen Musikszene. Chöre, Kantoreien, Musikschulen, auch allgemeinbildende Schulen und Gymnasien, Fach- und Hochschulen sowie eine weitverzweigte freie Szene leben von der inspirierenden Kraft des Philharmonischen Orchesters, eines leistungsfähigen Chores, der beliebten Solistinnen und Solisten sowie der Tänzerinnen und Tänzer. Großveranstaltungen wie die Tage der Chor- und Orchestermusik 2014, das 18. Deutsche Chorfestival des VDKC 2013 und der regelmäßig stattfindende Robert-Schumann-Wettbewerb haben eindrucksvoll erwiesen, welch große Chancen damit einhergehen. Bei unseren Begegnungen habe ich Sie, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, als Streiterin für die Kultur kennengelernt, ich kann mir kaum vorstellen, dass sich an dieser Haltung etwas geändert hat.

Als Rektor der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden darf ich auf wundervolle Kooperationen verweisen, die wir mit dem Theater eingegangen sind, vor allem aber auch auf die vielen Alumni, die von Plauen und Zwickau aus ihre Karrieren angetreten haben oder bei Ihnen engagiert sind. Als Präsident des Verbandes Deutscher KonzertChöre VDKC erinnere ich insbesondere an die fulminanten Aufführungen des War-Requiems von Benjamin Britten 2013 im Dom, an Konzerte mit Werken von Schubert, Mendelssohn und Schumann in München und Dresden – stets war das Philharmonische Orchester ein Partner auf höchstem Niveau, agierte mit Leidenschaft und Hingabe und bewies gerade dadurch seine Unverzichtbarkeit für das Musikleben einer ganzen Region. Sie kulturell attraktiv zu halten, sollte das Interesse beider Städte sein, einerseits, um kreative Potenziale, poetische Konzepte und elementare gesellschaftliche Auseinandersetzungen durch Kunst und Musik weiter zu befördern. Andererseits kann dadurch auch die wirtschaftliche Basis Westsachsens dauerhaft erhalten und verbessert werden, denn mehr und mehr erweist sich, dass jeder in Kultur investierte Euro verdoppelt oder sogar verdreifacht wieder zurückkommt, wie das verschiedene Studien längst erwiesen haben. Ein Verzicht auf die Kraftquelle eines kompletten Musiktheaterensembles hätte die großflächige Verarmung einer ganzen Region zur Folge: Zunächst eine des Geistes und der Kunst, anschließend aber auch eine ganz reale: Denn wer sieht und plant seine Zukunft gern in einer Stadt ohne attraktive Kulturangebote? Der Ruf nach mehr Musiklehrerinnen und –lehrern ist allgemein – wo jedoch sollen diese herkommen, wenn wir die Wurzeln ihres Wirkens abschlagen?

Bitte erlauben Sie noch einen letzten Gedanken: Unter großen persönlichen und finanziellen Opfern haben die Ensembles aus Plauen und Zwickau die Theaterfusion vollzogen und umgesetzt. Bis heute sind die Nachwirkungen von Überhängen und nicht möglichen Neubesetzungen von Stellen zu spüren. Nun, da die Konsolidierung möglich wäre und zum ersten Mal die Chance einer Profilierung mit neu hinzukommenden jungen Musikerinnen und Musikern besteht, erhält das Ensemble die Komplettabsage. Dass zum Zweck der Durchsetzung der Strukturveränderungen zunächst die Haustarifverträge beendet und die Künstler auf 100% Lohn gesetzt werden, um sie danach ganz zu entlassen und dafür 25 Mill. ¤ Abfindungen einzuplanen ist ein Konzept, das allem Verzicht der Künstler bis heute, das allen großartigen künstlerischen Leistungen Hohn spricht und nur als bizarr bezeichnet werden kann.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister – ich vertraue auf Ihren integrierenden und vermittelnden Einfluss, eine Entscheidung dieser Tragweite, die für ganz Sachsen das Signal einer kulturellen Bankrotterklärung wäre, zu verhindern. Ich bin sicher, dass es den politischen Willen der Bevölkerung gibt, einen solchen Beschluss der künstlerischen und musikalischen Verarmung zu verhindern. Bitte erlauben Sie, wenn ich Ihnen auf diesem Weg den Protest des Rektorats, der Professorinnen und Professoren der HfM Dresden sowie des Geschäftsführenden Vorstandes und des Künstlerischen Beirats des VDKC übermittle. Auch als Mitglied des Sächsischen Kultursenats und der Sächsischen Akademie der Künste bitte ich Sie inständig und dringend, Musik und Kunst als Chance und Bereicherung der gesamten Gesellschaft und nicht unter dem Aspekt finanzieller Herausforderungen als Belastung zu begreifen. Wir wissen darum, dass dieser Weg nicht einfach ist. Das sollte aber nicht zu Kurzschlussreaktionen wie den angedachten Stadtratsbeschlüssen führen. Die große kulturelle Tradition beider Städte, die Musikgeschichte des gesamten Vogtlandes und seines Instrumentenbaus, die Geburtsstadt Robert Schumanns haben eine solche Entscheidung nicht verdient.

Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen und bin mit hoffnungsvollen Grüßen

Ihr

Prof.Ekkehard Klemm
Rektor HfM Dresden
Präsident des VDKC
Dresden, 10. Dezember 2014



Dialog | Toleranz | Integration

Unter diesem Motto unterstützt das Rektorat der HfM Dresden die verschiedenen Stellungnahmen gegen das Aktionsbündnis PEGIDA. Auch wenn die Initiatoren selbst jede Nähe zu rechtem Gedankengut ablehnen und vehement bestreiten, erinnern die 'Spaziergänge' durch die abendliche Stadt und vor der Semperoper in fataler Weise an eine Zeit, in der Dresden ein wichtiges Zentrum der Fackelzüge und Vertreibungen war und Menschen wie Fritz Busch verjagt wurden.
In einer Welt von Krieg, Hunger, Verfolgung und Flucht gibt es ausgerechnet in der sächsischen Landeshauptstadt die Bewegung "Dresden zeigt wie's geht", die geprägt ist von Aus- und Abgrenzungen, Hysterie und Paranoia. Die am rechten Rand agierenden Organe und Gruppierungen sind da nicht weit: Auf den Webseiten der "Blauen Narzisse" finden sich Anzeigen der "Jungen Freiheit", die Kommentare vieler Leserinnen und Leser sind mehr als eindeutig, Homophobie, ausländerfeindliche und antisemitische Kommentare sind keine Seltenheit. Trauriger Höhepunkt bisher der anonyme Brief, gerichtet an eine syrische Familie in Dresden-Gorbitz: "Siegheil! Wir wollen Euch hier nicht haben. Macht Euch weg, sonst machen wir es!" Merken die 'Spaziergänger' nicht, dass sie der Humus sind, auf dem solche vergifteten Pflanzen wachsen? Gleichzeitig verweigern sie, mit Journalisten zu sprechen, gefallen sich in dumpfen Andeutungen über die Gründe ihres Protests. Das Anknüpfen an die Montagsdemonstrationen von 1989 und das Zitieren der Parole "Wir sind das Volk" kann in diesem Zusammenhang nur als zynisch bezeichnet werden. Den damals Protestierenden standen tatsächlich Panzer und Gewehre gegenüber – ihr Mut war authentisch und einzigartig.
Einer der patriotischsten Europäer kommt in dieser Situation ausgerechnet aus Argentinien: Papst Franziskus ruft zum Dialog der Religionen auf, zu einer gemeinsamen und solidarischen Flüchtlingspolitik. Deutschland ist längst geprägt von Nationalitäten und Religionen aus aller Welt und profitiert davon, wie Studien in dieser Woche eindrucksvoll erwiesen haben. Wenn es eine schützenswerte Kultur des Abendlandes gibt, dann ist es ihre säkulare Ausrichtung, die fernab und ungeachtet religiöser Einstellungen, Rasse und Hautfarbe jeglichem Fanatismus, Nationalismus, jedem Beharren auf Ideologien den Kampf angesagt hat und sich seit 1945 beständig um Frieden und Versöhnung müht. Sie ist geprägt von Offenheit, Toleranz, vom gemeinsamen Ethos aller Weltreligionen und vor allem von der Hilfe für die Armen und Verfolgten unserer Welt, gleichviel, ob sie Krieg, Verfolgung oder existentielle Not hierher getrieben haben. Diese Einstellung lassen alle Einlassungen von "Pegida", "Hogesa" und anderer Gruppierungen schmerzlich vermissen. Es kann gegen die damit verbundenen Demonstrationen und 'Spaziergänge' nicht energisch genug protestiert werden.
Das Rektorat der HfM Dresden unterstützt den heute stattfindenden Sternmarsch und die Aufrufe des Rektors der TU Dresden, der Dresdner Intendantenrunde und der Landesrektorenkonferenz gegen PEGIDA und für ein weltoffenes Dresden. Wir haben als Motto Dialog | Toleranz | Integration gewählt und werden dies durch ein Banner am Balkon vor dem Konzertsaal sichtbar machen.

Prof. Ekkehard Klemm, Rektor HfM Dresden
Dresden, 7. Dezember 2014



Mehr zur Initiative der Dresdner Intendantenrunde finden Sie hier.



"Kölner Erklärung" versus "100% Stadt"

Stellungnahme von Mitgliedern der Klasse Baukunst zur aktuellen Stadtentwicklungsdebatte

In der deutschen Planer-Fachwelt geht es wieder einmal um Grundsätzliches. Neun namhafte Architekten, Stadtbaudirektoren und andere kritische Geister um die Dortmunder Professoren Christoph Mäckler und Wolfgang Sonne haben mit einer „Kölner Erklärung“ Stellung bezogen: „Deutschland war noch nie so wohlhabend, seine Stadträume aber noch nie so armselig.“ Und wer hat Schuld? „Stadtplaner planen die Organisation von Prozessen, statt Stadträume zu entwerfen. Die Stadt kommt zuletzt.“ Mit solch markanten Sätzen wird der städtebaulichen Praxis hierzulande ein vernichtendes Urteil gesprochen. In erster Linie zielt die Erklärung auf eine vermeintlich mangelhafte städtebauliche Ausbildung an den Universitäten. Es sollte wieder mehr „Kernkompetenz“ stadträumlicher Gestaltung vermittelt werden. Dafür müsse vor allem die Idee der „europäischen Stadt“ klarer definiert und bei der Planung als Orientierungs- und Wertekonzept betrachtet werden.

Die Erklärung stieß auf Widerspruch. Von der RWTH Aachen, eine der wichtigsten Studienadressen für Stadtplaner in Deutschland, meldete sich gleich eine komplette Lehrstuhlmannschaft zu Wort. Ihre „Aachener Polemik“ stört sich vor allem an der retroseligen Perspektive: „Früher war alles besser, heute ist es gar am schlimmsten. Es ist kaum nachvollziehbar, warum sich die Verfasser in solch haltlose Pauschalisierungen verstricken. Was waren denn die ‚guten alten Zeiten‘, als ‚städtebaulich‘ scheinbar noch alles im Lot war? Die Gründerzeit? Oder doch das noch gar nicht so weit zurück liegende 20. Jahrhundert?“ Besonders suspekt erscheint ihnen der allseitige Kompetenzanspruch des baukünstlerischen Universalisten: „Wir hielten das ‚Gott-Vater-Modell‘ der Planung für ein mittlerweile ebenso abgedroschenes wie billiges Klischee – hier jedoch feiert es fröhliche Urständ.“

Unter dem programmatischen Titel „100% Stadt!“ unterschrieben dann bundesweit 26 Hochschullehrer, Bauräte und Planungspraktiker eine Art Gegenmanifest, das der „Kölner Erklärung“ vor allem in ihrer Fixierung auf ein städtisches Vorzugsmodell widerspricht: „Die Europäische Stadt ist ‚sowohl als auch‘, nie ‚entweder oder‘. Sie umfasst historische Ortskerne, Parkanlagen, Gründerzeitviertel, Marktplätze [ebenso wie] die vielfältigen Stadtquartiere, die in der Nachkriegsphase gebaut wurden oder an den Rändern unserer Städte entstanden sind. Diese Brüche hat es immer gegeben. Wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen und sie gestalten.“ Dazu gehöre, nicht nur auf die Annehmlichkeiten schöner Stadtbilder zu pochen, sondern mit dem Bürgerwillen zu rechnen und sich auch mit unbehaglichen Fragen, etwa von Grundbesitz, Machtverteilung oder städtischer Armut, auseinanderzusetzen. Zentrale Forderung dieses Positionspapiers: „Komplexität zulassen!“

„Die Kölner Erklärung hat einzig und allein die Städtebau-AUSBILDUNG zum Thema – nicht den Städtebau allgemein“, wehrte sich schließlich Wolfgang Sonne in der Bauwelt gegen die harschen Erwiderungen. „Die Verfasser sind sich mehr als bewusst, dass zur Lösung unserer aktuellen Städtebauprobleme es vor allem politischer, ökonomischer, sozialer, rechtlicher, organisatorischer und anderer Veränderungen und Strategien bedarf – aber die Ausbildung ist auch eine kleine Schraube, an der gedreht werden muss. Wir schrieben nur über Äpfel, ihr aber über den ganzen Obstkorb!“

Es darf nun vermutet werden, dass dieser thematische Übersprung in den „ganzen Obstkorb“ urbanistischer Grundsatzdebatten den Kontrahenten nicht versehentlich unterlief. Ein solcher Lauf der Dinge konnte nicht wirklich überraschen. Die „Kölner Erklärung“ hat ihre Wurzeln eigentlich an der TU Dortmund, wo rührige Netzwerker ihr „Institut für Stadtbaukunst“ zu einem Treffpunkt konservativer Stadt- und Planungstheoretiker aus halb Europa gemacht haben. Deren einschlägige Vortragsreihen und Ausstellungen mussten früher oder später auf Konfrontation hinauslaufen. Nachdem ihre jährlichen Düsseldorfer „Konferenzen über Schönheit und Lebensfähigkeit der Städte“ die Profession bereits gespalten hatten – entweder: „Da muss man dabei sein!“ oder: „Da gehe ich doch nicht hin!“ – war mit der Kölner Verlautbarung der offene Eklat nun da.

Der Riss ist nicht neu. Wie man es mit der Tradition hält und mit den Herausforderungen einer immer komplexer werdenden Gegenwart – diese Fragen haben Architekten und Stadtplaner von jeher polarisiert. Mit dem jüngsten publizistischen Schlagabtausch sind die Frontlinien nur wieder etwas sichtbarer geworden. Die Kontroverse rührt an die beruflichen Grundüberzeugungen jedes Einzelnen, und letztere sind, wenn überhaupt, kaum verhandelbar. Einzelne Mitglieder unserer Bauklasse haben mit ihrer Unterschrift hier bereits Flagge gezeigt, auf der einen oder auf der anderen Seite. Somit seien auch alle übrigen Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich ermuntert, eigene Positionen in die Debatte zu tragen. Wenn solche Zuspitzung Leidenschaften weckt und Meinungsstreit befeuert, kann man die Provokationen und Polemiken der Dortmunder, Aachener und aller anderen eigentlich nur begrüßen.

Wolfgang Kil, Architekturkritiker Berlin
Dr. inz. arch. Romuald Loegler, Architekt, Kraków
Prof. Dipl.-Ing Angela Mensing-de Jong, Architektin, Dresden
Ulf Zimmermann, Architekt BDA Dresden

27. November 2014




Petition der Sächsischen Akademie der Künste
Freiheit für Oleg Senzow


Die Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste am 28. Juni 2014 in Dresden hat beschlossen, eine namentlich unterzeichnete Petition zur Freilassung des von der Krim stammenden, zur Zeit in Moskau inhaftierten Filmregisseurs Oleg Senzow an den Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland zu richten.

Sehr geehrter Herr Botschafter,

die Sächsische Akademie der Künste, eine Einrichtung des Freistaates Sachsen, vereinigt namhafte Künstler und Kunsttheoretiker aus dem In- und Ausland. Lt. ihrer Satzung vertritt sie Freiheit und Anspruch der Kunst gegenüber Staat und Gesellschaft und macht die Öffentlichkeit mit wichtigen künstlerischen Leistungen bekannt (§ 1,1).

Über unsere osteuropäischen korrespondierenden Mitglieder erfuhren wir von dem Schicksal des Regisseurs Oleg Senzow, der in Moskau festgehalten wird. Die Sächsische Akademie der Künste bittet Sie im Namen der unterzeichnenden Mitglieder, sich für die Freiheit unseres Kollegen Oleg Senzow einzusetzen.

Mitglieder der Sächsischen Akademie der Künste:

Wilhelm Bartsch, Schriftsteller, Halle/Saale
Dr. Jörg Bernig, Schriftsteller, Radebeul bei Dresden
Dr. Ondřej Černý, Intendant und Regisseur, Prag
György Dalos, Schriftsteller, Berlin
Dr. h.c. Friedrich Dieckmann, Schriftsteller und Kritiker, Berlin
Ró¸a Doma¨cyna, Schriftstellerin und Übersetzerin, Bautzen
Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Werner Durth, Architekturhistoriker, Darmstadt
Jakub Ekier, Schriftsteller und Übersetzer, Warschau
Elke Erb, Schriftstellerin, Berlin
Matthias Flügge, Kunsthistoriker, Dresden
Prof. Bernd Franke, Komponist, Leipzig
Prof. Dr. h.c. Wieland Förster, Bildhauer und Maler, Oranienburg
Prof. Dr. Dieter Görne, Theaterwissenschaftler, Dresden
Eberhard Göschel, Maler und Grafiker, Dresden
Prof. Durs Grünbein, Schriftsteller, Berlin
Dr. Uwe Grüning, Schriftsteller, Neumark/Sachsen
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Gülke, Dirigent und Musikwissenschaftler, Weimar
Prof. Ludwig Güttler, Musiker und Dirigent, Dresden
Prof. Dr. h.c. Hartmut Haenchen, Dirigent, Dresden
Christoph Hein, Schriftsteller, Berlin
Michael Heinicke, Opernregisseur, Chemnitz
Prof. Kerstin Hensel, Schriftstellerin, Berlin
Prof. Jörg Herchet, Komponist, Weinböhla bei Dresden
Prof. Mag. Arch. Hubert Hermann, Architekt, Wien
Peter Herrmann, Maler, Berlin
Prof. Dr. Jörn Peter Hiekel, Musikwissenschaftler, Dresden
Annette Jahns, Regisseurin, Dresden
Friedrich-Wilhelm Junge, Schauspieler, Dresden
Sigrid Kehl, Kammersängerin, Dresden
Klaus Dieter Kirst, Theaterregisseur, Dresden
Prof. Ekkehard Klemm, Dirigent und Komponist, Dresden
Robert Koall, Dramaturg, Dresden
Prof. Wilfried Krätzschmar, Komponist, Dresden
Ralf Kukula, Filmemacher und Regisseur, Dresden
Dr. h.c. Reiner Kunze, Schriftsteller, Obernzell/Erlau
Alain Lance, Schriftsteller und Übersetzer, Paris
Prof. Olaf Lauströer, Architekt und Architekturhistoriker, Dresden
Konstanze Lauterbach, Theaterregisseurin, Berlin
Christian Lehnert, Schriftsteller, Leipzig
Walter Libuda, Maler, Schildow bei Berlin
Ulrich Lindner, Fotografiker, Dresden
Dr. inz. arch. Romuald Loegler, Architekt, Kraków
Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, Stadtplaner, Berlin
Prof. Dr. Dóra Maurer, Malerin, Konzeptkünstlerin, Kuratorin, Budapest
Maix Mayer, Fotograf und Filmemacher, Leipzig
Prof. Dipl.-Ing Angela Mensing-de Jong, Architektin, Dresden
Prof. Dr.-Ing. Annette Menting, Architekturtheoretikerin, Leipzig
Michael Morgner, Maler und Grafiker, Chemnitz
Günter Neubert, Komponist, Leipzig
Helmut Oehring, Komponist, Waldsieversdorf
Prof. Franz Martin Olbrisch, Komponist, Berlin und Dresden
Prof. Dr. Jürgen Paul, Architekturhistoriker, Dresden
Petr Pelčák, Architekt, Brno
Jutta Penndorf, Kunsthistorikerin, Altenburg
Jurko Prochasko, Schriftsteller und Übersetzer, Lemberg
Prof. Stefan Rettich, Architekt, Leipzig
Nikolaus Richter de Vroe, Komponist, München
Thea Richter, Bildende Künstlerin, Ottendorf Okrilla b. Dresden
Prof. Peter Rösel, Pianist, Dresden
Thomas Rosenlöcher, Schriftsteller, Dresden
Sophia Schama, Malerin, Berlin
Steffen Schleiermacher, Pianist und Komponist, Leipzig
Jürgen Schön, Künstler, Dresden
Wolfgang H Scholz, Regisseur und Filmemacher, München
Wilfried Schulz, Intendant und Dramaturg, Dresden
Jan Schindler, Architekt, Praha
Christfried Schmidt, Komponist, Berlin
Lutz Seiler, Schriftsteller, Michendorf/Wilhelmshorst
Arila Siegert, Choreographin und Tänzerin, Berlin
Prof. Ing. arch. ¦tefan ¦lachta, Architekt, Bratislava
Prof. Vladimir Tarnopolski, Komponist, Moskau
Prof. Dr. Thomas Topfstedt, Kunsthistoriker, Leipzig
Prof. Dr. Bohdan Tscherkes, Architekt, L'viv
Prof. Max Uhlig, Maler, Dresden
Jan Vogler, Cellist und Intendant, Dresden, New York
Dr. Nike Wagner, Festivalleiterin, Bonn
Prof. Andreas Wolf, Architekt, Leipzig
Prof. Jörn Walter, Stadtplaner, Hamburg
Prof. Dr. Ingo Zimmermann, Schriftsteller und Kulturhistoriker, Dresden
Prof. Dr. Marek Zybura, Historiker und Germanist, Wrocław

Dresden, 21.07.2014



Neuer Präsident der Sächsischen Akademie der Künste

Die Sächsische Akademie der Künste hat auf ihrer Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 28. Juni 2014 in Dresden den Komponisten Prof. Wilfried Krätzschmar zum neuen Präsidenten gewählt. Wilfried Krätzschmar, seit 2011 Vizepräsident der Akademie, folgt Peter Gülke. Neuer Vizepräsident ist der Architekt Prof. Andreas Wolf.

Wilfried Krätzschmar, kulturpolitisch erfahren, widmet sich neben der eigenen künstlerischen Produktion mit ebensolcher Hingabe der Entwicklung von Konzepten in verschiedenen Gremien. Es sieht die vordringlichste Aufgabe seiner Präsidentschaft in einer Stärkung des Akademieanspruchs durch eine Erneuerung der Akademie nach innen und außen: "Ziel muss sein, übergreifende gesamtakademische Vorhaben zu setzen und ihnen eine strategische Priorität zu geben."

Andreas Wolf erklärte bei der Annahme seiner Wahl zum Vizepräsidenten, die Akademie "als Raum außerhalb der Macht" weiter zu schärfen. Es gehe um "Bau-Instandhaltung am Elfenbeinturm", insbesondere aber auch um Projekte, in denen eine Auseinandersetzung mit großmaßstäblichen Fragen stattfindet. Im Zentrum steht dabei die Zusammenarbeit mit den benachbarten Bundesländern und den europäischen Nachbarländern.

Zum neuen Senat wurden gewählt:

Klasse Baukunst
Prof. Olaf Lauströer, Professor für Architektur und Raumgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (Sekretär)
Wolfgang Kil, Architekturkritiker Berlin (Stellvertreter)

Klasse Bildende Kunst
Jutta Penndorf, Kunsthistorikerin, Kuratorin (Sekretär)
Walter Libuda, Maler Berlin(Stellvertreter)

Klasse Darstellende Kunst und Film
Michael Heinicke, Operndirektor Chemnitz (Sekretär, kommissarisch)
Annette Jahns, Sängerin, Regisseurin Dresden (Stellvertreter, kommissarisch)

Klasse Literatur und Sprachpflege
György Dalos, Schriftsteller und Historiker Berlin (Sekretär)
Prof. Kerstin Hensel, Schriftstellerin Berlin (Stellvertreterin)

Klasse Musik
Prof. Dr. Jörn Peter Hiekel, Leiter des Instituts für Neue Musik an der Hochschule für Musik Dresden (Sekretär, kommissarisch)
Prof. Manos Tsangaris, Komponist (Stellvertreter, kommissarisch)

Prof. Wilfried Krätzschmar, 1944 in Dresden geboren, studierte Komposition bei Johannes Paul Thilman und Klavier bei Wolfgang Plehn. Der Tätigkeit als Leiter der Schauspielmusik am Meininger Theater (1968-69) folgte ein Aufbaustudium bei dem Komponisten Fritz Geißler. Ab 1971 lehrte Wilfried Krätzschmar an der Hochschule für Musik Dresden zunächst im Fach Klavier, später in den Fächern Tonsatz und Komposition. 1988 folgte die Ernennung zum Titularprofessor, 1992 die Berufung zum Professor für Komposition. 1990 gründete er zusammen mit Armin Köhler, Roland Kluttig und Christian Münch das Studio Neue Musik. Von 1991 bis 2003 bewirkte er als Rektor die Modernisierung und einen Neubau für die Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden, darüber hinaus amtierte er als Vorsitzender der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen und Mitglied des Präsidiums des Deutschen Musikrats. Seit 2003 ist er Präsident des Sächsischen Musikrats und Mitglied des Bundesfachausschusses Neue Musik des Deutschen Musikrats.

Der Architekt Prof. Andreas Wolf, geboren 1956, studierte Stadt- und Regionalplanung in Köln und Aachen und Architektur an der Hochschule der Künste Berlin. Seit 1992 lehrt er als Professor für Entwerfen und Städtebau an der HTWK Leipzig und als Gastprofessor in Mailand, Genua, Harvard und Rhode Island. Wolf war für die Internationale Bauausstellung IBA Sachsen-Anhalt und für die IBA Thüringen tätig, außerdem arbeitet er im Vorstand des Deutschen Werkbunds Sachsen, im Gestaltungsbeirat der Landeshauptstadt Erfurt und im Konvent der Technischen Universität Wrocław. Der Akademie gehört Andreas Wolf seit 2010 als Mitglied und seit 2011 in der Funktion des Stellvertretenden Sekretärs der Klasse Baukunst an. Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist neben seiner Arbeit als Architekt die theoretische Auseinandersetzung mit aktuellen länderübergreifenden Themen wie zuletzt zur Nachkriegsmoderne im Rahmen des internationalen Symposiums der Akademie 2012 in Wrocław. Andreas Wolf lebt in Leipzig.



Architekt Carlo Weber verstorben
Nachruf der Sächsischen Akademie der Künste


Die Sächsische Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied Professor Carlo Weber, der am 15. Mai 2014 nach schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren in seinem Wohnort Stuttgart starb. Carlo Weber war einer der angesehensten Architekten in Deutschland. Von 1992 bis 1999 lehrte er als Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der Technischen Universität Dresden. 1996 wurde er in die neu gegründete Sächsische Akademie der Künste als Mitglied der Klasse Baukunst gewählt. Mit seiner Amtszeit als Sekretär (Leiter) der Klasse 2000 bis 2010 und als Mitglied des Senats der Akademie verbinden sich Städtebautagungen in den Nachbarländern Tschechien (Brünn), Slowakei (Bratislava), Polen (Krakau) und der Ukraine (Lemberg), die von der Klasse Baukunst gemeinsam mit dort ansässigen Korrespondierenden Mitgliedern veranstaltet wurden, dazu die Beratung beim Stadtumbau Ost am Beispiel Hoyerswerda sowie die Beteiligung an den Auseinandersetzungen um die Gestaltung des Dresdner Neumarktes und den Fragen des Umgangs mit der Nachkriegsarchitektur in Dresden am Beispiel der Prager Straße. Zu Carlo Webers Leistungen gehören auch die intensive Zusammenarbeit und die regelmäßigen Treffen mit den Architekturabteilungen der Akademien der Künste in Berlin, München und Hamburg.

Carlo (eigentlich Karlheinz) Weber wurde am 6. April 1934 in Saarbrücken geboren. 1953 begann er das Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart, wo er – nach einem zweijährigen Studienaufenthalt an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris – 1961 das Diplom erwarb. Schon während des Studiums arbeitete er im Büro von Günter Behnisch in Stuttgart, und zusammen mit seinem Studienfreund Fritz Auer trat er 1966 in die Architektengemeinschaft Behnisch & Partner ein. Beide waren hier maßgeblich beteiligt an der Planung und dem Bau der spektakulären Olympiabauten 1972 in München, die mit dem ingenieurtechnisch kühnen, frei schwingenden, transparenten Zeltdächern über den Stadien jegliche monumentale Repräsentation vermied und so zum Sinnbild für eine leichte, heitere Architektur der demokratischen Gesellschaft geworden ist.

1980 gründeten Carlo Weber und Fritz Auer ein eigenes Büro mit Standorten in Stuttgart und München. Wie das Büro Behnisch & Partner ist auch dieses Büro kollegial organisiert. Mehrere Architekten arbeiten darin gleichberechtigt neben- und miteinander. Seit geraumer Zeit heißt es daher Auer+Weber+Assoziierte. Nach ihren Entwürfen ist im Laufe der Jahre eine große Zahl bedeutender, eindrucksvoller und überzeugender Bauten entstanden. Es sind vor allem öffentliche Bauten, hervorgegangen aus gewonnenen Wettbewerben - in Deutschland und im Ausland von Luxemburg bis China und Chile, auch in Ostdeutschland, wie die Universitätsbibliothek in Magdeburg, das Kurmittelhaus in Bad Brambach, die Landeszentralbank in Halberstadt und das gerade fertig gestellte Staatliche Landesmuseum für Archäologie im Gebäude des berühmten ehemaligen Kaufhauses Schocken von Erich Mendelsohn in Chemnitz. In Dresden sind es der Neubau der Mensa der Heeresoffiziersschule sowie der Umbau des 1945 beschädigten Ausstellungsgebäudes an der Brühlschen Terrasse, dem „Lipsiusbau“. Beide gehören zu den Bauten, die unter persönlicher Leitung von Carlo Weber entstanden.

Trotz seiner pluralen Personalstruktur ist der architektonische Stil der Bauten von Auer+Weber+ Assoziierte konsistent, geprägt von der Leichtigkeit filigraner Stahlkonstruktionen und transparentem, oft mehrschichtigem Glas, im Wechsel zu farbigen opaken Flächen hat die Architektur einen metaphorisch fast schwebenden Charakter. Vorbild sind nicht die schweren Stahlkonstruktionen à la Mies van der Rohe, sondern eher die Feingliedrigkeit eines Egon Eiermann. Carlo Weber war immer von den Möglichkeiten der architektonischen Ingenieurskunst fasziniert und bewunderte beispielsweise die Brückenkonstruktionen von Fritz Leonhardt. Den manierierten technischen Spielereien der Dekonstruktivisten, wie sie Coop-Himmelblau und zeitweise auch das Büro Behnisch praktizierten, stand er jedoch kritisch gegenüber. Im Unterschied zu vielen seiner Generationsgenossen äußerte Carlo Weber immer wieder seinen Respekt vor den Bauten der Nachkriegsmoderne, so zum Beispiel auch vor dem Architekturensemble der Prager Straße in Dresden. Als das Büro Auer+Weber 1996 den Auftrag erhielt, das Festspielhaus in Recklinghausen zu erweitern, ließen sie den 1961 bis 1965 errichteten kubisch Betonbau unangetastet, setzten aber vor die monumentale Front eine zierlich-feingliedrige – wieder muss man es sagen: fast schwebende Konstruktion aus Stahl und Glas. Dafür erhielten sie 2001 den Deutschen Architekturpreis.

Überhaupt: Carlo Weber und das Büro Auer+Weber wurden für ihre Arbeit mit vielen prestigiösen Preisen belohnt. Hier sei nur der Große Architekturpreis des Bundes Deutscher Architekten, der Internationale Architekturpreis der Union International d’Architectes, der Auguste-Perret-Preis und der Fritz-Schumacher-Preis genannt. Carlo Weber hat seine Erfahrungen auch in der Lehre an Jüngere weitergegeben, 1980-1992 als Lehrbeauftragter an der Universität Stuttgart und 1992-1999 als Professor an der TU Dresden. Es war ein Kennzeichen von Carlo Webers Persönlichkeit, dass er sich in seiner ebenso nachdenklichen wie kommunikativen und aufgeschlossenen Weise sehr für die Anliegen und die Arbeiten von jüngeren Kollegen interessierte und einsetzte.

Die Sächsische Akademie der Künste verliert mit ihm nicht nur ein hoch angesehenes, engagiertes und kooperatives Mitglied, sondern auch einen besonders liebenswerten Menschen, der vielen zum Freund geworden war.


Prof. Dr. Jürgen Paul
für die Sächsische Akademie der Künste

Die Trauerfeier findet am 26. Mai 2014 um 11.00 Uhr im Haus der Architekten Stuttgart, Danneckerstr. 52, 70182 Stuttgart, statt.






Appell zu Autoren in der Ukraine

Der Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, Prof. Dr. Peter Gülke, schließt sich am 31.3.2014 dem Appell der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zur Ukraine an. In dem Schreiben vom gleichen Tag heißt es:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
sehr geehrter Herr Außenminister Steinmeier,
sehr geehrte Frau Staatsministerin Grütters,

die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung unterhält seit mehreren Jahren intensive Beziehungen zu Schriftstellerinnen und Schriftstellern in der Ukraine. Nach Begegnungen in Czernowitz und Lviv 2008, an denen Juri Andruchowytsch und andere ukrainische Freunde maßgeblich beteiligt waren, hat die Akademie die besorgniserregende politische und kulturelle Entwicklung in der Ukraine bereits 2012 zum Thema einer weithin beachteten öffentlichen Tagung gemacht. Schon damals haben Autorinnen wie Oksana Sabuschko uns eindringlich vor Augen geführt, welche bedrohlichen Dimensionen die Konflikte annehmen könnten. So hat die Akademie denn auch in diesem Jahr Juri Andruchowytsch zu einer Veranstaltung nach Deutschland eingeladen, gemeinsam mit unseren Kollegen in der Berliner Akademie der Künste.
Angesichts dieser engen Verbundenheit ist die Akademie zutiefst beunruhigt und entsetzt über die gewaltsamen Repressionen, denen sich unsere Kollegen und Freunde in der Ukraine in diesen Tagen ausgesetzt sehen. Wir appellieren darum mit größtem Nachdruck an die Bundesregierung, alles in ihren Kräften Stehende zu unternehmen, um den Schutz der ukrainischen Schriftsteller und Intellektuellen vor physischer Unterdrückung und Behinderung ihrer Äußerungsfreiheit zu gewährleisten und damit zum überfälligen demokratischen Dialog und zum Wandel einer politischen, sozialen und kulturellen Situation beizutragen, die längst unerträglich geworden ist.
Die Akademie schließt sich der Solidaritätsbekundung an, die von österreichischen Autoren um Elfriede Jelinek und Robert Menasse initiiert worden ist. Es geht uns um die Unversehrtheit und Meinungsfreiheit unserer Freunde, und es geht uns damit auch um die Glaubwürdigkeit der europäischen und der deutschen Politik.
Ich bitte Sie herzlich um Verständnis dafür, dass wir dieses Schreiben auch der Presse zugänglich machen.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Heinrich Detering



Trotz Übergang und Interim:
Sächsische Akademie der Künste startet mit Neuem ins Neue Jahr


Neue Adresse
Nachdem die Akademie ihren Sitz, das Blockhaus an der Augustusbrücke, kurz vor Weihnachten verlassen musste und mit Minimalausstattung ein Übergangsquartier in der Nähe des Blockhauses bezogen hat, stehen nun der vollständige Umzug und die Umbauarbeiten des Interimsquartiers am Palaisplatz 3 bevor, die den Ausweichstandort auch für Veranstaltungen ertüchtigen sollen. Die Fortsetzung der Veranstaltungsarbeit der Akademie soll damit, wenn auch längst nicht im erforderlichen Umfang, so doch in konzentrierter Form möglich werden. Wann die ersten Veranstaltungen durchgeführt werden können, hängt von der Bewilligung der Umbaukosten durch das Finanzministerium ab. Sobald die Kostenfrage geregelt ist, kann der geplante Ausbau zum Veranstaltungsort starten. Die neue Adresse an der Ecke Königstraße/Palaisplatz mit Blick auf das Japanische Palais, wird übergangsweise der Ort der Begegnung und des Austausches für Künstler und Mitglieder sein und einem Publikum bis zu 60 Personen offenstehen.

Neue Mitglieder
Mit der Zuwahl von neuen Mitgliedern auf der Mitgliederversammlung der Akademie im letzten Herbst ist die Mitgliedschaft auf 173 gewachsen und um 27 neue und auch jüngere Gesichter reicher. In die Akademie aufgenommen wurden nicht nur aktive Künstlerpersönlichkeiten wie die Komponistin Rebecca Saunders, der Installationskünstler, Fotograf und Filmemacher Maix Mayer, der Architekt Muck Petzet und der Komponist und Professor für Elektronische Musik an der Hochschule für Musik Dresden Franz Martin Olbrisch, sondern auch Vermittler, die sich mit ihrer engagierten Arbeit in der Kulturszene verdient machen und hinter den Künstlern, selbst aber weniger im Rampenlicht stehen: Dazu zählen unter anderen der amtierende Rektor an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Matthias Flügge, der seit 2009 als Chefdramaturg am Staatsschauspiel Dresden wirkende Theaterwissenschaftler Robert Koall oder der Intendant der Dresdner Musikfestspiele Jan Vogler.

Neue Formate
Mit welchen Intentionen und Ideen die neuen Mitglieder die Wahl in die Akademie angenommen haben, welchem Antrieb sie in ihrer Arbeit folgen, welches Anliegen sie in der Kunst antreibt, sind Fragen, die ihnen Mitglieder und Publikum im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe stellen werden: Unter dem (Arbeits-)Titel "KünstlerFragen - Was macht die Kunst?" wird der Gedanke des Akademiesalons aufgenommen, der es im spartenübergreifenden Dialog dem Publikum erlaubt - die Intimität des Interimsstandortes ausnutzend - mit dem vorgestellten Künstler auf Tuchfühlung zu gehen.

Programmschwerpunkte im ersten Halbjahr

Unter dem Titel "Farbe in der Stadtlandschaft" (Arbeitstitel) wird am 1.4.2014 die Werkausstellung der Preisträger des Gottfried Semper Architekturpreises 2013 im Lichthof des Staatsministeriums der Finanzen der Öffentlichkeit eröffnet. Die große Schau zeigt die jüngsten Bauten des Architektenpaares Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton, die international für ihren ganzheitlichen Planungsansatz bekannt sind und zu den profiliertesten Architektenpersönlichkeiten ihrer Generation gehören. Ihre Bauten fügen sich in die Stadtlandschaft, die sie durch ihre markante Farbigkeit, organische Grundrisse und geschwungene Fassaden bereichern. Die Ausstellung, zu der auch ein Katalog escheinen wird, wird im zweiten Halbjahr in der Vertretung des Freistaates Sachsen in Berlin gezeigt.

Generationen- wie spartenübergreifenden Charakter hat die vom 14.5.-16.5.2014 in Liberec/Tschechien geplante Autorenwerkstatt "Movements - Bewegung in Literatur/Literatur in Bewegung". Ziel des Projektes ist es, neue literarische Konzepte im Kontext anderer Kunstbereiche zu betrachten und ihren Übergriff in andere Medien zu untersuchen. Die Akademie übernimmt hier Kuratoren- und Mentorenfunktion und wird junge tschechische Autoren, Performancekünstler und Sounddesigner mit jungen deutschen Künstlern zusammenbringen. Anregung für die künstlerische Auseinandersetzung gibt die Stadt Liberec mit ihren im Stadtbild ablesbaren industriellen und ikonografischen Transformationsprozessen. Die Werkstatt mit Lesungen und Performances wird deshalb an solchen ungewöhnlichen Orten stattfinden, an denen diese Prozesse und Zeitschichten erfahrbar werden.

Vom 27.6.-29.6.2014 wird in Dresden die Jahresmitgliederversammlung stattfinden, die turnusgemäß Anlass zu der mit Spannung zu erwartenden Neubesetzung der Akademieleitung geben wird. Mit dem Ende der dreijährigen Amtszeit werden Präsident und Vizepräsident sowie die Sekretäre der einzelnen Sparten von den Mitgliedern neu gewählt. Diskussionsstoff und einen aussichtsreichen Schub sowohl im Hinblick auf die thematischen Konzeptionen als auch im Selbstverständnis der Akademie lässt der sich vollziehende Generationenwechsel in der Akademie erwarten.



Akademie fordert die Rückkehr ins Blockhaus
Resolution der Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste


Seit ihrer Gründung im Jahr 1996 hat die Sächsische Akademie der Künste ihren Sitz in dem an der Augustusbrücke gelegenen Blockhaus. Mit durchschnittlich fünfzig Veranstaltungen im Jahr konnte sie von hier aus vielfältig öffentlich wirksam werden. Intensiv arbeitet sie zur Zeit auch an der Frage, vor welche Aufgaben die Gesellschaft durch die gegenwärtigen Veränderungen und demographischen Entwicklungen in Zukunft gestellt sein wird.

Anders als die umliegenden Gebäude wurde das Blockhaus nach der Flut des Jahres 2002 nicht gegen ähnliche Überschwemmungen gesichert. Durch das Hochwasser im Jahr 2013 wurde es so schwer geschädigt, dass eine grundlegende Sanierung nötig wird. Ende Juli wurde die Akademie angewiesen, auszuziehen. Bis heute steht der Akademie kein Ausweichquartier zur Verfügung, das die Fortsetzung ihrer Arbeit im erforderlichen Umfang erlaubt.

Als von der Öffentlichkeit angenommener Standort der Akademie, zentral gelegen, und eine der Perlen der Dresdner Barockarchitektur, erscheint das Blockhaus wie kaum ein anderer Ort als „Haus der Kultur“ geeignet, in dem auch in Zukunft, für jedermann frei zugänglich, Konzerte, Veranstaltungen, Begegnungen verschiedener Art und Diskussionen brennender Fragen stattfinden können. Die Mitglieder der Akademie verfolgen die bisher ergebnislosen Auseinandersetzungen um die Zukunft des Blockhauses mit großer Sorge und halten es für ihre Pflicht zu fordern:

• dass der Akademie ein adäquates Interimsquartier zur Verfügung gestellt wird,
• dass die Rückkehr ins Blockhaus gewährleistet wird,
• und dass dieses Gebäude als Haus der Kultur in Dresden etabliert wird.

Beschlossen von der Mitgliederversammlung am 26. Oktober 2013 in Lutherstadt Wittenberg.


Prof. Dr. Peter Gülke
Präsident der Sächsischen Akademie der Künste





Das Blockhaus wird zur Brache!
Sächsische Akademie der Künste in Dresden ohne Sitz


Die Sächsische Akademie der Künste wurde 1996 vom Freistaat gegründet, um öffentliche Wirksamkeit zu entfalten, den Freistaat in künstlerischen Belangen zu vertreten und die Öffentlichkeit über das Wirken der Mitglieder und über neue internationale Entwicklungen in der Kunst und Kultur zu informieren. Zu diesem Zweck wurde der Akademie das Blockhaus als Sitz zugewiesen, das 1732 bis 1737 nach Plänen von Zacharias Longuelune errichtet wurde und heute zu einem der markantesten und beliebtesten barocken Gebäude im Herzen Dresdens zählt.

Das Blockhaus an der Augustusbrücke wird zur Zeit leergeräumt. Nach den Zerstörungen durch das Hochwasser im Sommer 2002 wurden zwar notwendige Reparaturen durchgeführt. Maßnahmen zum Schutz vor einem möglichen erneuten Hochwasser - wie dies erfolgreich beim nahegelegenen Hotel Western Bellevue möglich war - wurden für diese Liegenschaft des Freistaates nicht getroffen. Mit dem Juni-Hochwasser dieses Jahres ist nun erneut ein Schaden eingetreten, der die öffentliche Nutzung des Blockhauses unmöglich macht. Statt der zu erwartenden zügigen Rekonstruktion wurde jetzt beschlossen, das Haus auf unbestimmte Zeit zu schließen.

Der Sächsischen Akademie der Künste droht damit der Verlust ihres Sitzes und ihrer öffentlichen Wirksamkeit. Dem Freistaat und der Landeshauptstadt droht der Verlust eines zentralen Ortes der Kultur und des gesellschaftspolitischen Diskurses. Dresden droht ein weiteres totes Gebäude und eine Brache mit ungewisser Zukunft. Das Gemeinwesen erfährt in wirtschaftlicher Hinsicht einen weiteren problematischen Umgang mit öffentlichem Gut.

Nachdem Lüftung, Heizung und der Fahrstuhl nicht mehr funktionieren und das Gebäude nur provisorisch am Strom angeschlossen ist, werden die im Haus ansässigen Institutionen das Gebäude bis zum Jahresende verlassen müssen. Neben der Akademie sind das die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt und eine Dependance der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, die aus dem Blockhaus bereits ausgezogen ist.

Der Erhalt dieses barocken Kleinods und die Frage der Zukunft der Akademie sind zentrale Themen der Mitgliederversammlung an diesem Wochenende 26.-27.10.2033 in Wittenberg.

Die Akademie fordert den Freistaat und die mit dem Gebäude befassten Ministerien und Einrichtungen auf, das Haus nicht dem Leerstand zu überlassen, sondern mit neuem Leben zu füllen. Die Akademie sieht in diesem Haus einen zentralen Ort der Kultur für Dresden und ein wichtiges Schaufenster für den Freistaat. Als eine Schnittstelle zwischen barockem Lebensgefühl, Kunst, Kultur und Politik hat das Blockhaus das Potenzial, zu einem Ort zu werden, an dem die brennenden kulturellen und kulturpolitischen Fragen der Stadt und des Landes diskutiert werden. Das Haus sollte jedem barrierefrei und ohne Schranken offen stehen. Das Blockhaus - auch ein Sinnbild des wiedererstandenen Dresden - muss als öffentlicher Ort der Kultur erhalten werden!

Antworten sind dringend geboten - vom Kabinett, vom Landtag und von den zuständigen Ministerien!


Prof. Wilfried Krätzschmar
für die Sächsische Akademie der Künste

Dresden, 25. Oktober 2013






Gedenken an Erich Loest


Mit großer Betroffenheit gedenken wir Erich Loest, der heute in seinem Geburtsstadt Mittweida beigesetzt wird. Wie nur Wenige ist Loest Schriftsteller und Wahrheitszeuge zugleich gewesen, er hat für seine Überzeugungen auf schlimme Weise einstehen müssen. Als Person und in seinem Werk verkörpert er das gute Gewissen einer Literatur, die ihrer Zeitgenossenschaft, der Verantwortung für die Menschen und ihre Geschichte bewusst ist. Hier hat er Maßstäbe gesetzt, auch und gerade für die Akademie. Loests letztes Engagement galt einem Gemälde, das in den Räumen der Leipziger Universität das Andenken so großer Lehrer wie Ernst Bloch und Hans Mayer aufrechterhalten sollte. Auch in diesem Anliegen fühlen wir uns ihm nahe verbunden.
In stiller Trauer

Peter Gülke
Präsident

Dresden, 20. September 2013






Nachruf
Wolfgang Hänsch (1929-2013)




Die Sächsische Akademie der Künste trauert um Wolfgang Hänsch (11.1.1929–16.9.2013). Mit dem erfahrenen Architekten und Mitglied der Klasse Baukunst seit ihrer Gründung verliert die Akademie eine jener Persönlichkeiten, die ihren gesamten Lebensweg in besonders enger Weise mit dem Schicksal der Stadt Dresden verknüpft haben.

In Königsbrück geboren, trat Wolfgang Hänsch 1948 ein Studium in der Staatsbauschule Dresden an und hat danach bis ins hohe Alter beinahe ausnahmslos für diese Stadt gewirkt. Als junger Architekt war er an der Überwindung der traditionalistischen Baudoktrin beteiligt. Seine späteren Schlüsselwerke – das Einkaufszentrum Webergasse, das Haus der Presse und vor allem der Kulturpalast – haben den Ruf Dresdens als Hochburg der Nachkriegsmoderne in Deutschland mit begründet. Umso größer die Überraschung, dass der entschiedene Vertreter sachlich-moderner Formen sich danach dem Wiederaufbau des kriegszerstörten Opernhauses widmete, und zwar entgegen damaliger Erwartung getreu aus dem Geiste des alten Meisters Gottfried Semper. Die Auseinandersetzung mit dem Stilgeschmack vergangener Epochen hat Wolfgang Hänsch ein weiteres Mal reifen lassen. Sein Blick auf die Baukunst war weiter geworden, toleranter, fast möchte man sagen: weise.

Mit dieser Lebenserfahrung, die immer auch Streiterfahrung bedeutete, hat er zu den zahlreichen Initiativen und Diskussionen beigetragen, die die Akademie zur Neugestaltung Dresdens seit den 1990er Jahren veranstaltete. Ob es dabei um den Neumarkt ging oder um eine generelle Neubewertung des Wiederaufbaus am Beispiel der Prager Straße, stets konnte er seine doppelte Autorität in die Waagschale werfen – als Experte für gute Architektur wie auch für die empfindsamen Seelen seiner Mit-Dresdner.

Dass er trotzdem den Träumen seiner Generation, den Idealen der Moderne bis zuletzt verbunden blieb, bewies sein Kampf um den Kulturpalast. Er hatte viele Verluste verkraften müssen: Die Webergasse wurde zur Gänze abgerissen, das Haus der Presse gegen seinen Einspruch komplett überformt. Den schmerzhaften Erfahrungen stand die jederzeit hohe Achtung seiner Architektenkollegen entgegen. 2009 erhielt er von der TU Dresden die Ehrenpromotion für sein Lebenswerk, die Klasse Baukunst der Akademie trug zum Ehrenkolloquium anlässlich seines 80. Geburtstages bei.

Wolfgang Kil
für die Sächsische Akademie der Künste






Nachruf
Erich Loest (1926-2013)



© A.H. Kühne

Die Sächsische Akademie der Künste trauert um ihr Gründungsmitglied Erich Loest (24.2.1926-12.9.2013).

Im Januar 1996 vom Sächsischen Ministerpräsidenten in die Akademie berufen, mahnte Erich Loest nicht nur die Streitfähigkeit der Akademie, die Einbeziehung politisch aktiver Künstler und die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen an, er setzte sich von Beginn an auch vehement für die Verjüngung der Akademie und für die Berücksichtigung neuer, ungewohnter Stimmen ein. Die Akademie galt ihm als ein künstlerisches Podium der öffentlichen Auseinandersetzung, des Meinungsstreits und des länderübergreifenden Austauschs, nicht jedoch als Hort der Selbstvergewisserung und Repräsentation. Um jüngeren Kollegen Platz zu machen und um in diesem Sinne ein Zeichen in die Kollegenschaft zu senden, trat er vor einem Jahr aus der Akademie aus, blieb ihr aber auch nach seinem Rückzug verbunden.

Seinem Insistieren ist es u.a. zu verdanken, dass die Akademie während ihrer Autorentagung 2002 in Budapest das “Haus des Terrors” besuchte, einem sinnbildlichen Ort diktatorischer Macht in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, handelte es sich hierbei doch um die Geheimdienstzentrale des faschistischen Horthy-Regimes, der sowjetischen Besatzungsmacht und bis 1989 um den Sitz des ungarischen Geheimdienstes. Erinnerungskultur und die Bewahrung von Erinnerungsorten waren daher auch Themen eines zu Ehren Erich Loests ausgerichteten Symposiums der Akademie im März 2003, das sich aus Anlass des 25. Jahres des Erscheinens seines Romans “Es geht seinen Gang” mit der Vermittlung von Geschichte und historischer Erfahrung an die nachfolgenden Generationen beschäftigte.

1926 im sächsischen Mittweida geboren, siedelte Loest 1981 nach Westdeutschland über und erwarb sich große Verdienste bei der längst überfälligen Erneuerung des Verbandes Deutscher Schriftsteller (VS), dessen Vorstand er seit 1984 angehörte und dessen Geschicke er von 1994 bis 1997 als Vorsitzender leitete. In diese Zeit fällt nicht nur das Zusammenwachsen von Ost und West und die Aufarbeitung der Geschichte beider Schriftstellerverbände, sondern auch der Neuanfang in der Zusammenarbeit mit den Schriftstellerverbänden der östlichen Nachbarländer. In den Tagen der friedlichen Revolution 1989 eng mit Leipzig verbunden, kehrte er im Frühjahr 1990 ganz nach Leipzig zurück.

Die Akademie verliert mit Erich Loest einen wichtigen Streiter, Mahner und Anreger und die deutschsprachige Gegenwartsliteratur einen ihrer bedeutendsten Chronisten.






Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton werden mit
dem Gottfried Semper Architekturpreis 2013 ausgezeichnet


Das Kuratorium des Gottfried Semper Architekturpreises aus Vertretern der Sächsischen Akademie der Künste, der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und des Energieunternehmens Vattenfall hatte am 29.08.2013 den Architekten Matthias Sauerbruch zum Preisträger des Gottfried Semper Architekturpreises 2013 bestimmt. Die Ausrichtung des mit 25.000 Euro dotierten Preises liegt auf besonderen Qualitäten nachhaltigen Bauens und wird alle zwei Jahre von der Sächsischen Akademie der Künste mit der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) und Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG (Stifter) vergeben.

Matthias Sauerbruch erklärte seine Freude über die Auszeichnung, wies aber darauf hin, dass sich die wesentlichen Kriterien des Preises auf das gemeinsame Werk von ihm und der Architektin Louisa Hutton beziehen.

Die Jury hat daraufhin erneut getagt und dem Wunsch des Preisträgers entsprochen, die Auszeichnung an Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton gemeinsam zu vergeben.

Das Kuratorium des Stiftungsrates hat auf Bitten der Jury die Satzung des Preises dahingehend geöffnet, dass auch Architektengemeinschaften mit dem Gottfried Semper Architekturpreis ausgezeichnet werden können. Vom Kuratorium wurde heute beschlossen, den Gottfried Semper Architekturpreis 2013 an Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton gemeinsam zu verleihen.

Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton sind international für ihren ganzheitlichen Planungsansatz in der Behandlung städtebaulicher, hochbaulicher und gartenarchitektonischer Aufgaben bekannt und gehören zu den profiliertesten Architektenpersönlichkeiten ihrer Generation. Ihre Bauten fügen sich in die Stadtlandschaft, die sie durch ihre markante Farbigkeit, organische Grundrisse und geschwungene Fassaden bereichern.

Musterbeispiele nachhaltigen Bauens des Büros Sauerbruch Hutton sind neben dem Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau die Erweiterung des Verwaltungskomplexes der KfW Bankengruppe mit einem Primärenergiebedarf von 100kWh/m², die neue ADAC-Zentrale in München (Geothermie, Bauteilaktivierung, doppelschichtige Fassade zur natürlichen Lüftung der Büros) und die neue energieeffiziente Hauptverwaltung der Stadtsparkasse Oberhausen, die mit ihrer fließenden Kontur den Wandel der Industriestadt zur Stadt in der Landschaft unterstreicht.

Die Verleihung des Gottfried Semper Architekturpreises 2013 findet am 28. Oktober 2013 auf Schloss Wackerbarth in Radebeul statt. Bitte merken Sie diesen Termin bereits jetzt vor.






Farbe in der Stadtlandschaft
Matthias Sauerbruch erhält den Gottfried Semper Architekturpreis 2013


Das Kuratorium des Gottfried Semper Architekturpreises aus Vertretern der Sächsischen Akademie der Künste, der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und des Energieunternehmens Vattenfall hat heute den Architekten Matthias Sauerbruch zum Preisträger des Gottfried Semper Architekturpreises 2013 bestimmt.

Mit dem Gottfried Semper Architekturpreis wird eine bundesweit ausgewiesene Architekten-persönlichkeit gewürdigt, deren Werk sich durch besondere Qualitäten nachhaltigen Bauens auszeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Sächsischen Akademie der Künste mit der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) und Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG (Stifter) vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Für Vattenfall liegt das Engagement in der ökologischen und nachhaltigen Ausrichtung des Preises begründet. „Als modernes Energieunternehmen sehen wir uns in der Verantwortung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz zur Grundvoraussetzung aller unternehmerischer Entscheidungen zu erklären“, so Dr. Hartmuth Zeiß, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG.

Matthias Sauerbruch ist international für seinen ganzheitlichen Planungsansatz in der Behandlung städtebaulicher, hochbaulicher und gartenarchitektonischer Aufgaben bekannt und stellt eine der profiliertesten Architektenpersönlichkeiten seiner Generation dar. Sauerbruchs Bauten fügen sich in die Stadtlandschaft, die sie durch ihre markante Farbigkeit, organische Grundrisse und geschwungene Fassaden bereichern.

Geboren im Jahr 1955 im süddeutschen Konstanz studierte er an der Universität der Künste Berlin und der Architectural Association in London, an der er als junger Absolvent auch erste Lehraufträge übernahm. Gastprofessuren an der Graduate School of Design GSD in Harvard sowie Vollprofessuren an der Kunsthochschule Stuttgart und der TU Berlin folgten.

Musterbeispiele nachhaltigen Bauens sind neben dem Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau die Erweiterung des Verwaltungskomplexes der KfW Bankengruppe mit einem Primärenergiebedarf von 100kWh/m², die neue ADAC-Zentrale in München (Geothermie, Bauteilaktivierung, doppelschichtige Fassade zur natürlichen Lüftung der Büros) und die neue energieeffiziente Hauptverwaltung der Stadtsparkasse Oberhausen, die mit ihrer fließenden Kontur den Wandel der Industriestadt zur Stadt in der Landschaft unterstreicht.

Das differenzierte Selbstverständnis Matthias Sauerbruchs als Architekt, Lehrer und kritischem Zeitgenossen spiegelt sich in dem signifikanten Spiel seiner baulichen Objekte im offenen, urbanen Raum, im Miteinander von Alt und Neu, von Mensch und Ökologie.

Die Verleihung des Gottfried Semper Architekturpreises 2013 findet am 28. Oktober 2013 auf Schloss Wackerbarth in Radebeul statt. Bitte merken Sie diesen Termin bereits jetzt vor.






Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste
25.-27. Oktober 2013 in Lutherstadt Wittenberg


Wegen der Flutkatastrophe musste die Sächsische Akademie der Künste ihre diesjährige Mitgliederversammlung verschieben. Die Akademie tagt vom 25. bis 27. Oktober 2013 in Lutherstadt Wittenberg. Im Mittelpunkt steht die Verjüngung der Akademie, die Zuwahl neuer Mitglieder und - ausgehend von der Bedeutung der Künste in der Reformationszeit - die Auseinandersetzung mit der Rolle der Künste als Medien gesellschaftlicher Veränderungen heute. Gastgeber ist die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt.

Der Mitgliederversammlung vorgeschaltet ist am 25.10.2013 ein Architektur- und Städtebaukolloquium, das in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Stadtentwicklung Lutherstadt Wittenberg durchgeführt wird. Mit der Luther-Dekade (2008–2017) steht Wittenberg im Zentrum des öffentlichen Interesses und im Spannungsfeld zwischen Tradition und Erneuerung. Architektur und Stadtplanung bewegen sich im Spagat zwischen der Verantwortung für eine bedeutende Geschichte, die durch die Namen Luthers, Melanchthons und Cranachs geprägt ist und der Aufgabe, diese Traditionslinien mit heutigen Bedürfnissen, Nutzungswünschen und kommerziellen Interessen zu verbinden. Das Symposium befasst sich mit der Neugestaltung historischer Substanz, mit Neuem Bauen im alten Bestand, mit der Zukunft von Stadtentwicklung für die Kernstadt und mit den Perspektiven Wittenbergs für die Region.

Aus Anlass der Mitgliederversammlung findet am 26.10.2013 in der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt (um 19.00 Uhr Schlossplatz 1d) eine öffentliche Diskussion mit nahmhaften Künstlern und Kunsttheoretikern zum Thema "Die Künste als Medien gesellschaftlicher Veränderungen" statt. Wie greifen die Künste – ausgehend von der Rolle, die Grafik, Streitschriften, der Buchdruck und die Musik in der Reformationszeit spielten – heute in die Zeit und Gesellschaft ein? An welchen Aufbrüchen, gesellschaftlichen Veränderungen und Emanzipationsprozessen sind die Künste heute beteiligt? Was wird von ihnen inspiriert und welche neuen künstlerischen Formen entstehen heute im Zeitalter von Internet, Facebook, Flashmob und Twitter? Wie greifen die Künste ein in den öffentlichen Raum? Wie erhalten Ideen Gestalt?






Nachruf
Gotthard Graubner (1930–2013)


Die Sächsische Akademie der Künste trauert um Gotthard Graubner. Der 1930 im sächsischen Vogtland geborene Maler gehörte 1996 zu den Gründungsmitgliedern unserer Akademie. Er ist einer jener großen Maler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich vom Abbildhaften lösten und allein durch Farben Bilder der Welt schufen. Es sind viele Wörter zur Beschreibung dieser Bilder gefunden worden: Farbschleier, Farbnebel, Farbmodulationen, lichtleuchtend, Farbkörper und – Farbenergie: In der Tat bilden die beiden einander gegenüberhängenden monumentalen Bilder im Großen Saal des Schlosses Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, ein Kraftfeld, in dem zu agieren eine Herausforderung darstellt.

Vom selben Anspruch geleitet und von wunderbarer Subtilität bei der Anordnung der Kunstwerke ist Graubners Präsentation von europäischer, asiatischer, afrikanischer und ozeanischer Kunst in den Ausstellungsräumen der Insel Hombroich. Die eigenen Bilder ließ er korrespondieren mit Plastiken kambodschanischer Khmer. Er war ein Weltbürger, aufgeschlossen, kritisch, der immer danach trachtete, den Dingen auf den Grund zu gehen. Klug setzte er sich in seiner Gestaltung der Hombroicher Räume über die Trennung von Kunst und Kunsthandwerk hinweg. Solche Kategorisierungen waren ihm fremd. Die Meisterschaft im Handwerklichen war für ihn die conditio sine qua non seiner von Bestimmtheit und Noblesse geprägten Arbeit.

Auf Initiative der Sächsischen Akademie der Künste und in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden fand im Jahr 2000 in den damals noch nicht sanierten piranesihaften Räumen im Dresdner Schloss eine umfassende Retrospektive seines Schaffens statt, eine Würdigung am „Ort seiner prägenden Anfänge" (Werner Schmidt). Bereits in den siebziger und achtziger Jahren hatte Graubner dem Kupferstich-Kabinett Zeichnungen und Radierungen geschenkt, in den neunziger Jahren überließ er der Gemäldegalerie ein wichtiges Werk.

Zum letzten Mal arbeitete die Akademie mit Gotthard Graubner 2011 und 2012 zusammen. Für die Ausstellung „Kunst im Werden", eine Präsentation von Arbeitsbüchern, Studienblättern, Projektskizzen der Mitglieder der Klasse Bildende Kunst, in der Sächsischen Landesbibliothek und im Lindenau-Museum Altenburg lieh er sein „Sickerbuch" von 1964, eine Hommage à Ungaretti. Bereits in den achtziger Jahren hatte er die Altenburger Sammlung früher italienischer Malerei besucht. Unvergessen blieb sein Wissen um die Meister des 13. bis 16. Jahrhunderts, seine Bewunderung ihrer Werke: vom Lapislazuliblau Fra Angelicos in der „Feuerprobe des heiligen Franziskus vor dem Sultan" bis zu der ins Poetische gesteigerten geistigen Verdichtung der großen Themen Flucht und Tod des Lorenzo Monaco.

„Jede Farbe breitet sich aus und gibt sich auf in den anderen Farben. Um einsamer zu sein wenn du hinsiehst". Dieses Gedicht Ungarettis ist in der Sammlung „L’Allegria" enthalten, für die Überersetzung des Titels schlug die Dichterin Ingeborg Bachmann „Freude" vor, eine Lebenshaltung, die Trauer und Melancholie nicht ausschließt. Sie schrieb über die „voce vivente" Ungarettis: „Mit dieser lebendigen Stimme beginnt er, meist in normaler Lage, zu sprechen […] Und doch finden wir uns unvermittelt in einer viel höheren Lage oder in einem Drama […] ohne daß wir angeben könnten, wie wir hineingeraten sind." Jene südländische Allegria entspricht in ihrer Vielschichtigkeit dem Erscheinungsbild Graubners als eines Grandseigneurs wie dem Wesen seiner Kunst. Und auch diesem Buch der Farbe, in dem beim Blättern – Luxus des Ausstellungsaufbaus – der Betrachter jene Verbindung sinnlichen und intellektuellen Vergnügens nachzuvollziehen suchte, die der Künstler wohl empfunden hatte beim Einsickernlassen der Farben in den Block aus zarten Papieren.

Die Anzeige vom Tod Gotthard Graubners war überschrieben mit einem Satz Goethes: „Ich habe nichts dagegen, wenn man die Farbe sogar zu fühlen glaubt; ihr eigenes Eigenschaftliche würde nur dadurch noch mehr bethätigt."

Gotthard Graubner verstarb am 24. Mai 2013 in Neuss.

Jutta Penndorf
für die Sächsische Akademie der Künste






Nachruf
Friedrich Schenker (1942-2013)


In seinen tönenden Verlautbarungen, mit denen der Komponist Friedrich Schenker seit fast fünfzig Jahren die Öffentlichkeit reizte, hat er – in dialektischer Reaktion auf das traditionelle Autonomie-Gebot musikalischen Denkens – unnachgiebig an der Idee festgehalten, dass Kunst auch ein politischer Appell sein müsse. Das verlangte auch der Staat, in dem er aufwuchs, gefördert wurde und gegen unendliche Widerstände kompositorisch erfolgreich war. Aber während dieser Staat die Künstler notorisch dazu animierte, seine vorgeblich sozialistischen Errungenschaften oder Perspektiven zu würdigen und zu feiern, thematisierte Schenker von Beginn an ohne respektvollen Sinn und verklärendes Ohr vor allem dessen offenkundig zunehmend widersprüchliche Realitäten. In zahllosen Stücken, in großen und kleinen Gattungen, mit oder ohne Texte, mit symbolischen oder dokumentarischen Mitteln, reagierte er auf den (insbesondere in den siebziger und achtziger Jahren) fortschreitenden Verfall der linken Ideale, auf die moralischen Defizite und ökologischen Verwerfungen, auf die Tabus der großen Revolutionsgeschichte – inbegriffen all ihre letalen Konflikte, gerechten Niederlagen und sinnlosen Opfer. Am Ende dieser Tradition einer kritisch-reflektierenden, politisch und ästhetisch gleich avancierten Kunst, im Bezug vor allem auf solche Musiker wie Charles Ives oder Arnold Schönberg, Hanns Eisler oder Paul Dessau, Hans Werner Henze oder Luigi Nono, sind auch die Werke des letzten Jahrzehnts ihrem Charakter des gesellschaftlichen Einspruchs treu geblieben. Auch wenn nun die Gegenstände, wie immer zeitnah, sich mit den Defiziten des deutschen Einigungsprozesses und nicht zuletzt mit den deprimierenden Erfahrungen heutiger Akzeptanz solchen Kunstanspruchs im Angesicht eines global siegreichen Unterhaltungsdeliriums auseinandersetzen.

Friedrich Schenker verstarb am 8. Februar 2013 in Berlin.

Frank Schneider
für die Sächsische Akademie der Künste