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Gottfried Semper Architekturpreis 2009 an Günter Pfeifer




Der Gottfried Semper Architekturpreis 2009 wurde am 23. Oktober 2009 auf Schloss Wackerbarth in Radebeul bei Dresden an den Freiburger Architekten und Darmstädter Architekturprofessor Günter Pfeifer verliehen. In der Begründung des Kuratoriums zum Gottfried Semper Architekturpreis, bestehend aus Vertretern der Sächsischen Akademie der Künste, der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und Vattenfall Europe Mining & Generation (Stifter), heißt es:

"Günter Pfeifer ist ein Pionier des ökologischen Bauens und ein international geachteter Architekt. 1943 geboren, gehört Günter Pfeifer zu jenen Architekten, die aus der Energie- und Ökologiekrise nicht nur technisch-physikalische Lösungen, sondern eine Architektur eigener Wesensart entwickelt haben, die beispielgebend Ästhetik, praktische Nutzungen, Technik und Ökologie zu verbinden versteht. Pfeifer vermag es, Sonnenenlicht, Erdenergie und die Eigenschaften des Baumaterials auf einzigartige Weise ökologisch wie künstlerisch einzusetzen. Pfeifers Werk umfasst eine Vielzahl von Wohnbauten, öffentlichen Bauten, Kirchengebäuden und gewerblichen Anlagen, die zu Modellen ökologischen Bauens in Deutschland wurden."

Im Sitz der Akademie, dem Dresdner Blockhaus, sowie an den Vattenfall-Firmensitzen in Cottbus, Berlin und Hamburg wird Günter Pfeifer Anfang März 2010 eine Auswahl seines Werks in einer Ausstellung präsentieren.

Pressestimmen





Thomas Sieverts

Laudatio auf Günter Pfeifer

Lieber Günter Pfeifer, das Kuratorium hat Ihnen den Semperpreis, der in diesem Jahr 2009 zum zweiten Mal verliehen wird, einstimmig zuerkannt: Ihr gebautes Werk und die diesem Werk zugrunde liegenden Gedanken entsprechen in fast idealer Weise den Kriterien und Zielsetzungen des Preises, mit dem eine deutsche Architektenpersönlichkeit gewürdigt wird, "deren Werk sich durch besondere Qualitäten nachhaltigen Bauens auszeichnet. Bei der Beurteilung werden daher insbesondere Aspekte der Architekturqualität, der städtebaulichen Einbindung, des Landschaftsbezuges sowie des klima-, ressourcen- und flächenschonenden Bauens berücksichtigt." Gerade die letztgenannten drei Aspekte zeichnen Ihr Werk in besonderem Maße aus. Außerdem gehören Sie als ein seine Arbeit ständig reflektierender Architekt zu den wenigen Kollegen, deren Sprache ebenso präzise ist, wie ihre Bauten. Deswegen können Sie ihr Werk viel besser vorstellen, als ich das könnte.

So will ich mich darauf beschränken, die Persönlichkeit und das Werk Günter Pfeifers ein wenig einzuordnen in unsere Zeit, und dazu muss ich ein wenig weiter ausgreifen. Die Architektur unserer Zeit ist gekennzeichnet durch unzählige geistige Strömungen, die freilich - kaum hervorgetreten - meist schon wieder am vertrocknen sind: Ihre Quellen erweisen sich als nicht nachhaltig! In dem vielfältigen Eklektizismus, in dem auch wieder Elemente eines neuen Historismus stecken, scheint unsere Zeit durchaus ähnlich der geistigen Situation der Zeit von vor 100 Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Freilich ist die Qualität des neuen Eklektizismus und des neuen Historismus im allgemeinen nicht zu vergleichen mit der Intensität und Qualität der Auseinandersetzung zur Zeit Gottfried Sempers, nach dem dieser Preis genannt worden ist. Mit Gottfried Semper verbindet Günter Pfeifer die unablässige Suche nach den Ursprüngen, nach den Quellen, nach den Archetypen der Architektur – ich glaube, die beiden hätten sich manches zu sagen gehabt!

In dieser Situation lassen sich dennoch einige etwas stabilere Strömungen erkennen: Die Historisten mit ihrem Rückgriff auf über längere Zeiträume bewährte Formen und Räume, die Öko-Technizisten mit einer Architektur als gebaute Sonnentechnologie und nicht zuletzt die Erfinder origineller Formen, die sich von aller Tradition abzusetzen versuchen. In meinem Metier, dem Städtebau, kann man gegenwärtig drei Grundformen des Städtischen erkennen: Die Stadt als Architektur, die Stadt als Garten und die Stadt als Maschine. Keine dieser Architekturströmungen und keine dieser Grundformen des Städtischen bemüht sich jedoch um grundlegende Antworten auf die fundamentale Frage: Wie müssen Architektur und Städtebau unter den Bedingungen radikal verminderten materiellen Wohlstands und einer radikal veränderten Energiesituation aussehen? Zur Antwort auf solche Fragen leistet Günter Pfeifer einen wichtigen Beitrag.

Günter Pfeifer wurde 1943 in Schopfheim – einer Kleinstadt im Südschwarzwald – geboren. An der Staatlichen Werkkunstschule in Kassel studierte er Architektur von 1963-1967. Nach verschiedenen Anstellungen in Architekturbüros wurde er 1972 Partner im Büro Wilhelm & Partner in Lörrach. Dort machte er sich 1975 selbständig und gründete sein eigenes Architekturbüro. Die ersten Holzhäuser, die ab 1972 entstanden, wurden bald darauf in der der Fachpresse publiziert. Günter Pfeifers OEuvre umfasst über 80 Bauten für private und öffentliche Auftraggeber, für die er bis heute insgesamt fast 60 Auszeichnungen erhielt – u.a. den Honor Award (American Institute of Architects), zweimal eine Anerkennung zum Deutschen Architekturpreis sowie insgesamt achtmal den Hugo-Häring-Preis. Architekturwettbewerben hat er sich immer gestellt. In über 160 Verfahren war er bislang sechzigmal erfolgreich, davon vierzehnmal mit dem ersten Preis.

Im Jahre 1992 wurde Günter Pfeifer als ordentlicher Professor für Entwerfen und Hochbaukonstruktion an die Technische Universität Darmstadt berufen. Dekan der Fakultät war er von 1996 bis 1998. Im Jahre 2001 wechselte er auf das Fachgebiet Entwerfen und Wohnungsbau. Seine Lehrverpflichtung wurde bis Oktober 2011 verlängert. Zahlreiche Fachbücher – u.a. Der Neue Holzbau, Mauerwerksatlas, Sichtbeton, sowie Wohnungsbau-Typologie-Bände (insgesamt 30 Titel), zusätzlich fremdsprachige Ausgaben – sind seit 1997 in verschiedenen Verlagen erschienen.

Günter Pfeifer hat in seinen jungen Jahren als örtlicher Ausführungsarchitekt in Weil am Rhein, bei der Fa. Vitra, für so unterschiedliche Architektenstars wie Tadeo Ando, Frank Gehry, Zaha Hadid und Alvaro Siza gearbeitet. Unter der Bezeichnung ‚Ausführungsarchitekt’ darf man sich nun nicht etwa einen ‚Erfüllungsgehilfen’ der großen Meister vorstellen: Günter Pfeifer hat z. B. der Architektin Zaha Hadid bei ihrem ersten realisierten Bauwerk erst das Bauen und Konstruieren ‚beigebracht’ – so war er vielleicht eher ‚Geburtshelfer’ als ‚Gehilfe’. Auch Frank Gehry war beeindruckt, dass die Mitwirkung von Günter Pfeifer zu einer konstruktiven und materiellen Qualität seines Gebäudes geführt hat, die er in den USA nicht gewohnt war. Günter Pfeifer: "Er war tief beeindruckt von der Wahrhaftigkeit des Materials und der Sorgfalt der Detailarbeit. In Amerika sind das immer diese zusammengezimmerten Blechbuden und hier hat er dicke Wände und Beton erhalten."

Dem Bauwerk von Tadeo Ando hat er mit einer bauphysikalisch einwandfreien Beton-Doppelschalen-Wand die konstruktive Klarheit gegeben, die der Form Substanz und Tiefe geben. Auf diese Weise lernte er einige dieser zeitgenössisch wichtigen Strömungen von Grund auf kennen. Diese Erfahrungen haben sein skeptisches Verhältnis zu bestimmten Architekturströmungen mitbestimmt: Ich bin überzeugt, dass in der Entwicklung des Werkes von Günter Pfeifer diese seine Erfahrungen als Geburtshelfer und Ausführungsarchitekt der berühmten Architekten von Einfluss waren, wenn auch eher in Form der Distanzierung: Auf ihn selbst und seine Arbeit hat die enge Zusammenarbeit mit den weltberühmten Kollegen überhaupt nicht "abgefärbt".

Günter Pfeifer selbst lässt sich keiner der skizzierten Strömungen zurechnen, er entzieht sich mit seinem Werk einer solchen einfachen Zuordnung. Er gehört als Persönlichkeit – in der Begrifflichkeit von David Riesmann – zu den ‚innengeleiteten Persönlichkeiten’, die, unabhängig von äußeren Einflüssen, ihrem inneren geistigen ‚Kreiselkompass’ folgen. Günter Pfeifer bemüht sich seit Jahrzehnten, seit den Anfängen seiner beruflichen Tätigkeit, um eine Grundlegung des Bauens, die die Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen regional und historisch verankerten Haustypen – die er zum Teil mit seinen Studenten auf Exkursionen an Ort und Stelle untersucht hat – ebenso einbezieht wie die neuesten Erkenntnisse der Materialkunde und neue Methoden der Bauphysik. Die Potentiale dichter städtebaulicher Packungen untersucht er mit seinen Studenten ebenso wie die Wirkung von Pflanzen auf das Raumklima. Immer aber geht es um einfache, sinnlich erfassbare und atmosphärereiche Bauwerke von Eigenart und Schönheit, die in die natürliche und kulturelle Umgebung eingebettet sind.

Dabei entsteht eine Architektursprache, die in sich autonom, poietisch und autark ist und sich gerade dadurch auch als robust im gesellschaftlichen Zusammenhang bewährt: Es geht dieser Architektur nicht um äußerliche Anpassbarkeit, sondern um ein stabiles Zusammenpassen von Raum und Gesellschaft auf Grund des genauen Eingehens auf Elemente stabiler sinnlicher und gesellschaftlicher Urbedürfnisse und aufgrund einer Nutzungsneutralität der Räume, die den Individuen ihre Freiheit lässt. Ich zitiere aus seinem Erläuterungsbericht für ein Altenheim, das Senioren-Dienstleistungszentrum Lich, das unter anderem mit dem Bauherrenpreis 2007 ausgezeichnet wurde:

"Qualität für das Wohnen im ‚dritten Leben’ bedeutet neben allen funktionalen Anforderungen in erster Linie die Wahrnehmbarkeit emotionaler Erinnerungen und neuer Beheimatung. Das setzt voraus, dass imaginative Erinnerungsmuster unmittelbar ins Bewusstsein gelangen können. Das auf das ‚In-der-Welt-sein’ Reduzierte entwickelt ein verändertes Wahrnehmen von Licht und Schatten, von Wärme und Kälte, Weichheit und Festigkeit, Trockenheit und Nässe.
Was kann Architektur dazu noch leisten? – Das kleine Refugium der eigenen vier Wände als kleines eigenes Haus zu empfinden, das die Jahreszeiten in den Raum lockt. Die wenigen Wege in vertrauten Abmessungen, mit Details, die im alltäglichen Wohnen eingelagert sind. Die Nachbarschaften, sichtbar und überschaubar, werden Teil des architektonischen Konzepts, das sich damit nur spröde umreißen lässt. […]
Das Überflüssige wurde abgegeben, die Welt ist kleiner geworden, die Zeit wird größer. Das Erfahrbar-Werden der Zeitlichkeit wird zum architektonischen Konzept. Mit der scheinbaren Verkleinerung dieser Welt ist eine andere Dimension von Raum und Zeit entstanden. Eine spezielle, spürbare Art der Verwurzelung: Das ‚Zu-Hause-Sein’ wird zum wahrnehmbaren ‚In-Der-Welt-Sein’."

Mit der Disziplin seiner geistigen Arbeit trägt Günter Pfeifer zur notwendigen Reinigung der Quellen unseres Metiers entscheidend bei, und deshalb sehe ich ihn in der Tradition der frühen Moderne, freilich ohne deren Ideologie des Funktionalismus verpflichtet zu sein. Das zeigt sich auch in seiner Lehre: Ich gehe soweit zu sagen, dass er dem Ideal des alten Professors im Humboldtschen Sinne entspricht, bei dem Forschung, Lehre und Praxis wirklich untrennbar miteinander verbunden sind. Das systematische Lehrgebäude entspricht seiner eigenen Arbeitsweise: Es geht um das unablässige Bemühen um Archetypen der Architektur, entwickelt aus den Erfahrungen mit autochthonen Gebäudetypen, dem Ort, den klimatischen Bedingungen, dem Baumaterial und den Grundformen des Zusammenlebens. Mit dieser konsequenten Haltung hat er schon viele Jahrgänge angehender Architekten nachhaltig und erfolgreich geprägt und ihr Immunsystem gegen oberflächliche Moden gestärkt.

Lieber Günter Pfeifer, wir gratulieren Ihnen von Herzen, mögen Ihnen noch viele kreative Jahre gewährt werden!





Bernd Dietmar Kammerschen
Stiftungsdirektor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt

Begrüßung zur Verleihung des Gottfried Semper Architekturpreises 2009

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident a.D. Prof. Milbradt,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
lieber Herr Landrat Lange,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
sehr geehrter Herr Präsident Prof. Zimmermann,
sehr geehrter Herr Dr. Zeiß,
verehrter Alexander Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen,
sehr geehrte Magnifizenz Prof. Kokenge,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte,
sehr geehrte Damen und Herren Bürgermeister und Beigeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren Präsidenten, Direktoren, Vorstände und Geschäftsführer,
verehrte Mitglieder der Sächsischen Akademie der Künste,
liebe Mitglieder des Förderkomitees,
liebe rotarische Freunde,
meine sehr geehrten Damen und Herren!


Als Stiftungsdirektor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt begrüße ich Sie herzlich zur heutigen Preisverleihung.

Ich möchte mich zunächst für die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Künste und dem Unternehmen Vattenfall bedanken. Dank auch an das Staatsweingut Schloss Wackerbarth - liebe Frau Schilg, schön dass Sie heute mit dabei sind - Sie sind nicht nur Mitglied unseres Förderkomitees, sondern Sie bieten uns auch für die heutige Preisverleihung wieder einen würdigen Rahmen. Herzlichen Dank dafür!

Meine Damen und Herren, es gibt Architekturpreise - und es gibt Umweltpreise. Aber einen Architekturpreis, der – wie es im Statut zu unserer Preisverleihung festgelegt ist – "herausragende Leistungen der Baukultur und räumlichen Entwicklungen unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Verträglichkeit" würdigt, gibt es bisher noch nicht.

Und so bin ich heute zugleich stolz und dankbar, dass sich drei Partner, die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, die Sächsische Akademie der Künste und Vattenfall Europe Mining & Generation, zusammen gefunden haben, um alle zwei Jahre gemeinsam den Gottfried Semper Architekturpreis zu verleihen. Dieser Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und hat sich - nicht nur deshalb - schnell zu einem begehrten Architektur-Preis im deutschsprachigen Raum entwickelt.

Unser Preis trägt den Namen Gottfried Sempers, eines der bedeutendsten Architekten Europas. Semper bahnte den Weg aus dem Historismus des 19. Jahrhunderts in die Moderne. Als genialer Schöpfer von Theatergebäuden und monumentalen Museen, als ein in allen Baugattungen erfahrener Baumeister und als umfassend gebildeter Theoretiker, hat er die Architekturgeschichte geprägt.

Mit dem Gottfried Semper Architekturpreis wollen wir eine deutsche Architekturpersönlichkeit würdigen, deren Werk sich durch besondere Qualitäten nachhaltigen Bauens auszeichnet. Bei der Beurteilung haben Findungskommission und Kuratorium des Preises insbesondere Aspekte der Architekturqualität, der städtebaulichen Einbindung, des Landschaftsbezuges sowie des klima-, ressourcen- und flächenschonenden Bauens herangezogen.

"Berücksichtigung ökologischer Verträglichkeit", so lautet unsere Maßgabe an die Findungskommission und dies bedeutet nichts anderes als eine Baukultur zu fördern, die dem Nachhaltigkeitsprinzip folgt. Ich darf daher noch einmal daran erinnern, was „nachhaltige Entwicklung„ bedeutet: Es bedeutet, nur so viel an Ressourcen zu verwenden, dass künftige Generationen an unserem heutigen Lebensstil nicht zu leiden haben und zwar in jeglicher Hinsicht, ökologisch, ökonomisch und sozial. Eine wahrhaft große Aufgabe!

Können wir uns das heute, unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen, eigentlich überhaupt leisten? Ich sage ja - und wir sollten dies auch ganz bewusst tun. Denn besonders in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise werden letztendlich nur solche Investitionen wirtschaftlich sein können, die dem Nachhaltigkeitsprinzip folgen. Insofern kann und muss Umweltschutz tatsächlich wegweisend für unsere Gesellschaft sein.

Allein der schrittweise Umbau öffentlicher Gebäude auf Passivhausstandard könnte eine Aufgabe sein, mit der unsere Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen wäre. Das ist sicher nur ein kleiner Aspekt im gesamten Wirtschaftskreislauf, aber er sollte uns in der jetzigen Situation durchaus einen Gedanken wert sein.

Sicher ist aber eines: Umweltorientiertes Bauen ist fortschrittliches Bauen, denn es hat die Zukunft unserer Gesellschaft im Blick und damit eine dauerhafte Mensch-Umwelt-Beziehung vor Augen. Das Wort „fortschrittlich„ können wir da durchaus wörtlich nehmen im Sinne von voranschreiten.

Und genau hier liegt unser gemeinsamer Ansatz für den Gottfried Semper Architekturpreis. Es sollen gerade solche Planerinnen und Planer gewürdigt werden, die wirklich wegweisend sind und uns und anderen damit zum Vorbild werden. Freiwillig mehr tun, als es nach Recht und Gesetz notwendig ist, das braucht Kraft und Durchhaltewillen. Dazu gehören eine entsprechende innere Überzeugung und der feste Wille, unsere Gesellschaft verantwortlich voranzubringen.

Mit diesem Preis wollen wir die Aufmerksamkeit für solche Vorbilder erhöhen. Denn - wie wir alle wissen - freiwilliges Engagement wird immer noch viel zu wenig gewürdigt. So haben wir im Jahre 2007 Herrn Prof. Erich Schneider-Wessling erstmals ausgezeichnet.

Meine sehr geehrten Damen und Herren wir freuen uns, heute zum zweiten Mal den Gottfried Semper Architekturpreis zu vergeben. Diesmal an Herrn Prof. Günter Pfeifer.

Günter Pfeifer gelang es – gleichsam als Pionier – schon frühzeitig herausragende Architektur mit ökologisch sinnvollen Lösungen zu verbinden. Bereits im Jahr 1976 entstanden erste energetisch optimierte Bauten. Günter Pfeifer ist aus unserer Sicht derjenige Architekt, der weltweit am konsequentesten das energetische Bauen umgesetzt hat.

Ich freue mich, Herr Professor Pfeifer, dass wir heute Abend gerade Sie mit dem Gottfried Semper Architekturpreis auszeichnen und damit den Blick einer breiten Öffentlichkeit, aber auch den speziellen Fokus von Bauherren und Architekten, besonders auf Vorbilder wie Sie lenken können.

Deshalb sind wir sehr froh darüber, diesen Preis gemeinsam mit der Sächsischen Akademie der Künste und Vattenfall heute an Sie zu verleihen!

Vattenfall Europe Mining & Generation, die alle zwei Jahre den Preis stiften, möchte ich noch einmal ganz herzlich dafür danken. Mit Vattenfall verbindet uns als Sächsische Landesstiftung eine langjährige konstruktive Zusammenarbeit, die uns gemeinsam bisher stets zu guten praktischen Ergebnissen geführt hat. Herzlichen Dank dafür besonders an Sie, lieber Herr Dr. Zeiß!

Nicht zuletzt lassen Sie mich einen besonderen Dank an die Findungskommission für diesen Preis, an Herrn Prof. Thomas Sieverts, Herrn Clemens Deilmann und Herrn Prof. Carlo Weber aussprechen, die aus unserer Sicht einmütig einen hervorragenden Vorschlag gemacht haben, dem sich das Kuratorium dann einstimmig anschließen konnte.

Vielen herzlichen Dank möchte ich ausdrücklich auch allen Helfern hinter den Kulissen sagen, die diese Preisverleihung wieder mit großer Professionalität und viel Engagement vorbereitet haben!




Prof. Udo Zimmermann
Präsident der Sächsischen Akademie der Künste

Begrüßung zur Verleihung des Gottfried Semper Architekturpreises 2009

Sehr geehrter Herr Dr. Zeiß,
sehr geehrter Herr Kammerschen,
sehr geehrter Prof. Schneider-Wessling,
sehr geehrter Prof. Pfeifer,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

"Das erste Zeichen menschlicher Niederlassung und Ruhe nach Jagd, Kampf und Wanderung in der Wüste ist heute wie damals, als für die ersten Menschen das Paradies verloren ging, die Einrichtung der Feuerstätte und die Erweckung der belebenden und erwärmenden Flamme. Um den Herd versammelten sich die ersten Gruppen, an ihm knüpften sich die ersten Bündnisse, an ihm wurden die ersten rohen Religionsbegriffe zu Culturgebräuchen formuliert. Durch alle Entwicklungsphasen der Gesellschaft bildet er den heiligen Brennpunkt, um den sich das Ganze ordnet und gestaltet." Gottfried Semper, der Namenspate des heute zu vergebenden Preises, schrieb dies vor fast 150 Jahren in seiner berühmten Schrift über "Die vier Elemente der Baukunst".

Was in Urzeiten das Feuer war, das unsere Vorfahren ja überhaupt erst nutzbar machen mussten (auch das übrigens eine gewaltige Leistung, die eines Preises durchaus würdig gewesen wäre), das waren über die Zeiten hin die unterschiedlichsten Quellen der Wärme und des Lichts. Und mehr denn je steht heute, in einer sich zuspitzenden Energie- und Ökologiekrise, die Suche nach neuen, nachhaltig und umweltverträglich nutzbaren Energiequellen im Fokus modernen, zeitgemäßen Bauens.

Der 2007 von der Sächsischen Akademie der Künste, zusammen mit der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, ins Leben gerufene Gottfried-Semper-Architekturpreis würdigt wegweisende Leistungen beim umweltverträglichen Bauen - umweltverträglich im umfassenden Sinn von architektonischer Qualität, Einbindung in den Kontext von Stadt und Landschaft und eben dem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Ich freue mich sehr, dass Professor Schneider-Wessling heute unter uns weilt, der diesen Preis vor zwei Jahren als Erster in Empfang nehmen durfte.
In diesem Jahr hat sich die Findungskommission für den Freiburger Architekten Günter Pfeifer entschieden. Auch er gehört hierzulande zu den Pionieren des umweltbewussten Bauens. Aus der Energie- und Ökologiekrise heraus hat er eine ganz eigene, originäre Architektur entwickelt.

Viele seiner Bauten zählen zu Modellen des ökologischen Bauens in Deutschland. Ich freue mich sehr über diese Wahl und darf Ihnen, Herr Pfeifer, herzlich zu dieser schönen Nobilitierung gratulieren. Es ist ja so, dass die Preisträger einen Preis zu dem machen, was er ist - wie auch der Name des Preises dem Träger zur Ehre gereicht. Mit Gottfried Semper, dem Namenspaten dieses Preises, dürften Sie sich, lieber, verehrter Herr Pfeifer, in mancher Hinsicht geistesverwandt fühlen. Auch er war ein visionärer Vordenker, der baugeschichtlich den Weg in die Moderne gebahnt hat. Und auch er war ein Baumeister (übrigens ein viel schönerer, umfassenderer Begriff als Architekt), der ganzheitlich dachte und die Baukunst als Symbiose der verschiedenen bildenden Künste verstand.

Bevor Semper hier in Dresden den Grundstein zu seinem Lebenswerk legte, bereiste er Italien und Griechenland und studierte dort antike Bauten. Ihre Vollkommenheit sah er auf dem gleichberechtigten Zusammenwirken der verschiedenen Künste gegründet, einer - wenn man so will - Demokratie der Künste. Sempers Demokratieverständnis ließ ihn übrigens 1849 hier in Dresden Barrikaden bauen und zusammen mit Richard Wagner für demokratische bürgerliche Grundrechte streiten. Dass wir solche heute haben, verdanken wir nicht zuletzt der friedlichen Revolution von 1989. Gerade heute vor 20 Jahren zogen zehntausende Menschen durch Dresden und demonstrierten für einen demokratischen Wandel in der DDR.

Die Sächsische Akademie der Künste ist - daran darf ich an dieser Stelle erinnern - ebenso wie die Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt ein Kind dieses demokratischen Wandels von 1989. Beide Institutionen residieren in Dresden unter einem Dach, im Blockhaus an der Augustusbrücke. Und beide eint die Aufgabe, die aktuellen Entwicklungen in der sächsischen Natur- und Kunstwelt zu begleiten und ebenso kritisch wie fördernd auf sie Einfluss zu nehmen. Es gab in den vergangenen Jahren bereits viele schöne Gemeinschaftsprojekte, die aus dieser guten Nachbar- und Partnerschaft hervorgegangen sind. Erinnern will ich nur an die Ausstellungsreihe "Baukunst und Umwelt", bei der
künstlerisch wie ökologisch zukunftsweisende Bauprojekte gezeigt wurden. In dieser Hinsicht Zeichen zu setzen, ist auch die Idee des Gottfried-Semper-Architekturpreises.

Ich freue mich ganz besonders, dass wir bei diesem Preis auch einen dritten Partner mit im Bunde haben, der sich gerade in jüngerer Zeit sehr ehrgeizig für den Klimaschutz engagiert und bereits eine Reihe von innovativen Technologien zum Ausbau erneuerbarer Energien auf den Weg gebracht hat. Ich meine die Vattenfall Europe Mining & Generation AG, die als Stifter des Preisgeldes zu den Mitbegründern dieses Preises gehört. Im Namen der Sächsischen Akademie der Künste und der Sächsischen Stiftung für Natur und Umwelt sage ich Ihnen auf diesem Wege Dank, dass Sie unser Anliegen von Anfang an zu dem Ihren gemacht haben und diesen Preis seither ebenso engagiert wie großzügig unterstützen. Ich bin sicher, dass dieses Engagement auch Ihnen zur Ehre gereicht.

Da ich einmal beim Danksagen bin: Kein Preis ohne Findungskommission, der ich im Namen der Sächsischen Akademie der Künste an dieser Stelle für ihre Arbeit danken möchte: dem Vorsitzenden Prof. Thomas Sieverts, Mitglied der Klasse Baukunst der Akademie, Professor Carlo Weber, Sekretär der Klasse Baukunst, und dem Architekten Dr. Clemens Deilmann von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, zugleich Abteilungsleiter im Leibnitz-Institut für Ökologische Raumentwicklung Dresden.

Ich habe immer wieder darauf verwiesen, dass neben dem Umweltschutz nicht der Innenweltschutz vergessen werden darf. Das gerade ist ja Aufgabe der Künste - für unsere Innenwelten zu sorgen. Und besonders die Baukunst hat eine große Verantwortung für beide, für Innen- wie Außenwelt. Wie keine andere Kunstform berührt sie die Grundfrage nach unserem Sein, dem Verhältnis von Mensch und Raum, von Innen und Außen, und im Idealfall schafft sie umfriedete Territorien, die beide miteinander in Einklang bringen. Ein Baumeister, dem Solches immer wieder auf besondere Weise gelungen ist, soll sich heute von uns ausgezeichnet sehen.

Herr Pfeifer: Herzlichen Glückwunsch!