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Peter Graf




Peter Graf © Klaus Dennhardt


Hans Theo Richter-Preis für Peter Graf 2001

Werner Schmidt

Der Dresdner Maler Peter Graf erhält im Jahr 2001 den mit 40 000 DM dotierten Hans-Theo-Richter-Preis der Sächsischen Akademie der Künste. 1937 in Crimmitschau geboren und seit 1952 in Dresden ansässig, prägte er im Kreis um Strawalde und A. R. Penck sowie in einem gemeinsamen Studienjahr mit Baselitz 1956–1957 eine künstlerische Haltung, deren Eigenständigkeit sich in einem reichen Werk durch fünf Jahrzehnte hindurch bewährte und entfaltete.

Drei Elemente verschmelzen darin zu einem unverwechselbaren Ganzen: die von Picasso inspirierte Freiheit des Gestaltens, das Erlebnis der ihn umgebenden Wirklichkeit und deren phantasievolle Überhöhung. Die fein gesponnene Poesie dieser empfindungsreichen Bilderwelt wird von hingebungsvoller Malerei getragen. Der eigentümliche Klang der Kunst Peter Grafs, der um die Kraft des Naiven weiß, hat als leise Stimme des Nachsinnens in einer von auffälligen Neuerungen dominierten Zeit besondere Bedeutung.

Peter Graf verweigerte die Anpassung an die Regularien der DDR, nahm dafür 1957 die Exmatrikulation von der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee in Kauf und verdiente bis 1985 seinen Lebensunterhalt als Lastwagenfahrer und Transportarbeiter, um die Unab-hängigkeit seiner künstlerischen Arbeit zu bewahren. Seit der legendären Ausstellung junger Künstler in der Akademie der Künste zu Berlin 1961 und der Gruppenausstellung im Dresdner Puschkinhaus 1965 setzten sich in steigendem Maße Künstler, Sammler und Kenner in der DDR für Peter Graf ein und ermöglichten Ausstellungen in Berlin, Dresden, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Stendal, auch in Budapest, Moskau und Basel sowie seit 1985 in mehreren Städten der Bundesrepublik. Bedeutende Museen erwarben seine Werke.





Sächsische Zeitung 27.8.2001

Peter Graf

Er ist Maler. Poesievoll und leise in seiner Kunst; eigenständig und konsequent in seiner Haltung. „Drei Elemente verschmelzen zu einem unverwechselbarem Ganzen: die von Picasso inspirierte Freiheit des Gestaltens, das Erlebnis der ihn umgebenden Wirklichkeit und deren phantasievolle Überhöhung", schreibt Werner Schmidt, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste. Die Akademie überreicht Peter Graf am Mittwoch den Hans -Theo-Richter-Preis 2001. Eine renommierte Auszeichnung, die mit 40 000 Mark dotiert ist.
Graf ist künstlerischer Autodidakt, wenn man von dem einen Jahr an der Kunsthochschule in BerlinWeißensee einmal absieht. Schon in seinem ersten Studienjahr vermaulte sich der junge Mann und musste 1957 wegen „unbotmäßiger Äußerungen" die Lehranstalt veranlassen. In Dresden, wo der gebürtige Crimmitschauer seit 1952 lebt, kam Graf künstlerisch mit Strawalde und A. R. Penck zusammen. Den Lebensunterhalt für sich und seine Familie verdiente er bis 1985 als Lastwagenfahrer und Transportarbeiter. Unabhängig wollte er bleiben, sich als Künstler in der DDR nicht in die Suppe spucken lassen, malen können, was er für richtig hält. Mit den Jahrzehnten wuchs ein reiches, eigenständiges Werk, das Schmidt als „leise Stimme des Nachsinnens in einer von auffälligen Neuerungen dominierten Zeit" schätzt. Weil sich Sammler und Museumsleute für Graf einsetzten, wurden seine Bilder in der DDR und im Ausland ausgestellt und von bedeutenden Museen angekauft. Aus Anlass der Ehrung schenkte Peter Graf dem Dresdner Kupferstich-Kabinett jetzt 15 Zeichnungen und farbige Blätter. (SZ/bg)




Dresdner Neueste Nachrichten 30.8.2001

Peter Graf wurde gestern Abend mit dem Hans-Theo-Richter-Preis der Sächsischen Akademie der Künste geehrt.
Eine malerische Stimme des Nachsinnens


Lisa Werner-Art

„Der eigentümliche Klang der Kunst Peter Grafs, der um die Kraft des Naiven weiß, hat als leise Stimme des Nachsinnens in einer von auffälligen Neuerungen dominierten Zeit besondere Bedeutung", schreibt der Präsident der Sächsischen Akademie der Künste und vormalige Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen, Werner Schmidt, anlässlich der gestrigen Verleihung des Hans-Theo-Richter-Preises. Graf, 1937 in Crimmitschau geboren, erhält die mit 40000 Mark dotierte Auszeichnung nach Max Uhlig (1998), Jiri Kölar (1999) sowie Werner Wittich und Paula Ribariu (2000). „Seine Kunst ist etwas Besonderes - als hingebungsvolle Malerei", so Schmidt, oft voller Poesie und phantasievoller Überhöhung. Und bei all dem verliert sie nie den Realitätsbezug.
Peter Grafs Weg entsprach nicht so recht den Erwartungen der das DDR-System Vertretenden. Künstlerisch kam gewissermaßen Picasso „dazwischen", zuerst bei Professor Michel in Zwickau, später bei den Treffen mit Jürgen Böttcher (Strawalde). Hier redeten Graf, Dierske, Herrmann, Makolies -und der noch ganz junge Winkler (Penck) über Gott und die Welt, die Kunst und natürlich Picasso. Mit Freund Hans-Georg Kern (Baselitz) teilte er neben gemeinsamen Besuchen von Jazz-Konzerten in Westberlin, auch Freud und Leid eines Jahres an der Kunsthochschule Weißensee und den gemeinsamen Rauswurf 1957. Wichtig war für Graf, dass er auf Leute traf, die eigene Wege gingen. Das gilt für die Kunst, aber auch für politische Überzeugungen, wie die spätere freundschaftliche Bindung zu Wolf Biermann und Robert Havemann zeigt.
Wie konnte man als Künstler in der DDR aber eigene Wege gehen, unabhängig sein, wo doch der Künstlerverband über Wirkungsmöglichkeiten entschied? Peter Graf wurde erst 1975, und das nicht in Dresden, sondern in Chemnitz auf Vorschlag von Claus Dietel aufgenommen. Bis 1985 verdiente er sein Geld als Lastwagenfahrer und Transportarbeiter. Zwei wunderbare Bilder könnte man als künstlerische Klammer um diese Wegstrecke legen: „Übers Malen nach der Arbeit" (1968) und die rund 20 Jahre später entstandene Erinnerung an „Die Zeit als Gabelstaplerfahrer" (1986). Während das eine von etwas melancholischer Stimmung ist - im schwächlich beleuchteten Atelier müht sich der Künstler an der Staffelei, während seine müde Frau ihm Gesellschaft leistet und über ihnen ein Rousseauscher Musenengel schwebt - strahlt das andere Selbstbewusstsein und Zuversicht aus.
Diese Bilder sind auch in anderer Hinsicht bezeichnend für Peter Graf, findet er doch die Wunder der Welt im Alltag, entlockt ihm das Besondere mit seiner Malerei, auch indem er manches überhöht (er würde mit Brecht sagen „verfremdet"). So richten sich riesengroße Heupferde, manchmal auch Fliegen - auf die (Bild)Umstände kommt es an - auf der Leinwand ein. Und den immer wieder geflickten R4 hat Graf nicht nur oft, sondern aus lauter Liebe ganz knuddelig gemalt. Dass er eine Vorliebe für das Malen von Technischem hat, sieht man daran auch. Und er tut es in einer Art, die kaum ihresgleichen findet. So wirken die Arbeiten mit den Espressomaschinen, Lötlampen oder zerknüllten Bierdosen nicht weniger poetisch als ein „Frühstück für Madame" (1999) oder die Familien- und Kinderbilder. Letztere sind vor allem aber ein Lied auf Liebe und Verantwortung.
Ob poetisch oder nicht, nie wird Graf seinem Credo untreu: „Was gesagt werden soll, muss erkennbar sein!" Es ist kein Zufall, dass der von Rousseau abgeschaute Musenengel die tschechische Fahne schwenkt. Ja selbst gemalte Realsatire wie: „Alles zum Wohl des Volkes" (1980) oder- wütende Anklagen wie der „Spaziergang im Regen" (1989), der die erlebte Konfrontation mit der Polizei im Herbst 89’ aufgreift, sind im Werk fest verwurzelt. In seiner Kunst ist es wie in seinem Leben: die „große" Politik drängt sich verschiedentlich hinein. Zu DDR-Zeiten auch als „wachsames Auge des Staates", das als Pseudo-Tomate auf dem Bild „Mein Watteau-Traum" (1979) zu Kunst wurde.
Peter Grafs Werk, das in fast 50 Jahren in Dresden gewachsen ist, hat seinen besonderen Charakter wohl nicht zuletzt durch die erlebten Reibungen erreicht. Schon um die erste Ausstellungsbeteiligung 1961 an der Akademie der Künste gab es Ärger. 1965 am Puschkinplatz hingen die Bilder nur einen Tag. Später wurde „Alles zum Wohl des Volkes" zum „roten" Tuch für Funktionäre.
Und trotzdem: Bilder Peter Grafs wurden und werden auf vielen Ausstellungen zwischen Berlin, Basel und Budapest gezeigt, sind in öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden. Und es ist etwas wie späte Gerechtigkeit, dass sein Werk nun solcherart Anerken-nung - jüngst durch den Bautzner Kunstpreis, nun den Hans-Theo-Richter-Preis erfährt. Und wie es in Dresden Tradition ist: Das Kupferstich-Kabinett darf sich in der Folge über 15 Zeichnungen und farbige Blätter des Preisträgers freuen.