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Fällt aus: Der Mythos des Nationalen. Ringvorlesung im WS 2024/25. Abschlussdiskussion mit Prof. Dr. Wolfgang Holler und Prof. Dr. Jürgen Müller
Die Diskussion mit den Kunsthistorikern Prof. Dr. Wolfgang Holler und Prof. Dr. Jürgen Müller zum Abschluss der 12-teiligen Vorlesungsreihe "Der Mythos des Nationalen" entfällt.
Stattgefunden haben folgende Vorlesungen, die auch über einen Livestream zu verfolgen waren:
Mittwoch, 16. Oktober 2024
»Vom reinen und kräftigen Kerne des deutschen Wesens« - Fritz Langs Nibelungen-Filme von 1924
Prof. Dr. Jürgen Müller, Professur für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der TU Dresden
Mittwoch, 23. Oktober 2024
Theater zwischen Weimarer Republik und Drittem Reich
Vortrag von Dr. Jörg Bochow, Theaterwissenschaftler und Dramaturg, seit 2017 Chefdramaturg und Stellvertretender Intendant des Staatsschauspiels Dresden
Mittwoch, 30. Oktober 2024
Zur Frage der Nationalkultur. Erfahrungen in zwei deutschen Staaten
Dr. h.c. Friedrich Dieckmann, Schriftsteller, Berlin
Mittwoch, 6. November 2024
»Der größte Künster aller Deutschen« – Dürers Erben im 19. Jahrhundert
Dr. Lea Hagedorn, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Provenienzforschung an der Stadtbibliothek Leipzig
Mittwoch, 13. November 2024
Kunst des Nationalsozialismus oder die Verneinung des Außerordentlichen
Prof. Dr. Olaf Peters, Kunsthistoriker, Professur für die Kunst der Moderne und Gegenwart Martin Luther-Universität Halle-Wittenberg
Mittwoch, 27. November 2024
»Zum Teufel mit dem Hl. Franz« - Cranachs Unterscheidung von wahrer und falscher Religion
Prof. Dr. phil Marina Münkler, Professur für mittelalterliche und frühneuzeitliche Literatur und Kultur an der TU Dresden
Mittwoch, 4. Dezember 2024
»Wer hat dich, du schöner Wald...?« - Eine deutsche Projektion?
Prof. Dr. Wolfgang Holler, Kunsthistoriker, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, Honorarprofessor für Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden
Mittwoch, 11. Dezember 2024
Mythos Documenta - Werner Haftmann und die »Malerei im 20. Jahrhundert«
Prof. Dr. Julia Voss, Kunsthistorikerin und Journalistin, Honorarprofessorin an der Leuphana Universität in Lüneburg, schreibt für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Mittwoch, 8. Januar 2025
»Globalismus als Feindbild der Nationalisten und neuen Rechten«
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich, Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler
Mittwoch, 15. Januar 2025
Carl Gustav Carus und nationale Mythen der Romantik
Dr. Elisabeth Ansel, Kunsthistorikerin, Vertretungsprofessorin der Professur für Kunstgeschichte an der TU Dresden
Mittwoch, 22. Januar 2025
Warum vermeidet August Stramm in seinen Gedichten das Verb sein? Einige Gedanken zur Unvereinbarkeit dieser Kriegsdichtung mit dem Mythos des Nationalen.
Prof. Dr. Kerstin Preiwuß, Lyrikerin, Romanautorin und Essayistin, Professorin für Literarische Ästhetik und Institutsleiterin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig der Universität Leipzig
Mittwoch, 29. Januar 2025
Wie international war der »International Style«?
Prof. Dr. Wolf Tegethoff, Kunsthistoriker, Honorarprofessor am Zentralinstitut für Kunstgeschichte München
In seiner Streitschrift "Wie deutsch ist die deutsche Kunst?" (1999) wies Werner Hofmann das Nationale als Wesen und ästhetische Kategorie der deutschen Malerei zurück. Tatsächlich steht die Kunst in den deutschsprachigen Ländern von Anfang an in prägendem internationalem Austausch. Umgekehrt gelten deutsche Künstler und Künstlerinnen längst als Teil der internationalen Kunstszene. Ist die Idee einer sinnstiftenden nationalen Identität daher nicht irreführend, ja ein gefährliches Phantasma? Den ersten Vortrag hält der Kunsthistoriker Prof. Dr. Jürgen Müller, Professur für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der TU Dresden. Ringvorlesung des Fachbereichs Kunstgeschichte am Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der Philosophischen Fakultät der TU Dresden und der Sächsischen Akademie der Künste.
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Rückkehr des Nationalen erscheint Werner Hofmanns Buchtitel in neuer Weise aktuell, birgt aber die Gefahr von rechtsnationalen Kräften fehlinterpretiert zu werden. Fraglos steht die Kunst, die in den sich wandelnden Grenzen der deutschsprachigen Länder entstanden ist, seit ihren Anfängen in prägendem internationalem Austausch. Zudem wirkt bis in die frühe Neuzeit die Idee eines multinationalen „Heiligen römischen Reiches“ weiter, das erst 1806 aufhörte, zu existieren. Unter den europäischen Nationen ist das dezentral organisierte Deutschland ein „verspäteter“ Nachläufer. Das nationale Bewusstsein schärft sich durch die Folgen der Französischen Revolution und die Befreiung von der napoleonischen Herrschaft. Nach der Gründung des zweiten deutschen Kaiserreichs 1871 wird die nationale Identität zur radikalisierenden Setzung und bereits existierende Mythen in distinktiver Weise überhöht, die mit dem Dritten Reich in die Katastrophe führen.
Lässt sich vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung danach fragen, wo und wann das Deutsche in den Bildenden Künsten seinen Anfang nimmt und welche Merkmale es aufweist? Mit der Übersetzung der Bibel durch Martin Luther und der Abwendung von Rom tritt die Frage nach der besonderen Eigenart deutscher Sprache und zugleich der Kunst erstmals deutlich ins Bewusstsein. Künstler wie Albrecht Dürer, Hans Holbein oder Lucas Cranach entwickeln eine spezifische Vorstellung ihrer deutschen Identität und machen sich international einen Namen. Zugleich lebt die Kunst in Deutschland über Jahrhunderte von der Befruchtung durch ausländische Künstler und Künstlerinnen, von Jacopo de' Barbari über François de Cuvilliés bis Henry van de Velde und Norman Foster. Die historische Ansicht der Stadt Dresden schreibt sich durch die Veduten des Venezianers Bernardo Bellotto in das kollektive Gedächtnis ein. Im Zwanzigsten Jahrhundert unterliegen deutsche Künstlerinnen und Künstler von der "Brücke" bis zu Georg Baselitz zudem dem Einfluss afrikanischer oder ostasiatischer Kunst. Und gelten nicht umgekehrt deutsche Künstler und Künstlerinnen längst als Hauptvertreter der internationalen Kunstszene, denkt man nur an Anselm Kiefer, Gerhard Richter, Isa Genzken oder Hito Steyerl? Ist die Idee einer sinnstiftenden nationalen Identität also nicht ein irreführendes, ja gefährliches Phantasma? Gibt es sie überhaupt, "die" deutsche Kunst? Sicher ist, dass der Umgang mit dem, was typisch für eine Nation sein mag, ein differenziertes historisches Verständnis und eine kritische Kontextualisierung verlangt.
Der Mythos des Nationalen. Ringvorlesung des Fachbereichs Kunstgeschichte der TU Dresden, Institut für Kunst- und Musikwissenschaft, und der Sächsischen Akademie der Künste im Wintersemester 2024/25.

