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Kino kontrovers 1: Ist das rassistisch?

| Film und Gespräch
Programmkino Ost, Schandauer Str. 73, 01277 Dresden

Zum Auftakt der vierteiligen Filmreihe wurde der Film »Play - nur ein Spiel« (2011) von Ruben Östlund gezeigt. Im Anschluss sprach der Leipziger Wissenschaftsmoderator Tobias Hülswitt mit dem Extremismusforscher und Islamismus-Experten Ahmad Mansour über den Film, über Rassismus und über die Fragen nach einer gelingenden Integration, die aus Sicht von Ahmad Mansour kein Automatismus ist: »Viele Geflüchtete stammen aus autoritären, patriachalisch geprägten Gesellschaften, in denen Antisemitismus, Homophobie und Frauenverachtung tief verankert sind. Integration setzt ein inneres Bekenntnis zu Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, sexueller Selbstbestimmung, historischer Verantwortung und demokratischer Rechtsordnung voraus.«

»Das Kino zielt also darauf ab, den innerlich aufge­wühlten Zeugen in einen bewussten Beob­achter umzu­wan­deln. Nichts könnte legitimer sein, als ein Mangel an Hemmungen bei der Darstel­lung von Vorgängen, die uns außer Fassung bringen. Denn so bewahrt es uns davor, unsere Augen vor dem blinden Treiben der Dinge zu schließen.« Siegfried Kracauer

»Play - nur ein Spiel« (2011) von Ruben Östlund

Der preisgekrönte Regisseur Ruben Östlund (The Square, Triangle of Sadness) führt uns in seinem Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, in ein moralisches Dilemma. Der Film handelt von einer migrantischen Jugendbande, die in Göteborg andere Jugendliche mit subtilen Mitteln unter Druck setzt und beraubt. Der Film wurde in Schweden intensiv diskutiert und teilweise mit Rassismusvorwürfen überzogen. Sind diese Einwände berechtigt? Welche Erwartungen und Vorurteile bedient der Film, der seine Protagonisten wie in einer Versuchsanordnung gegeneinander ausspielt und uns irritierend mit den Herausforderungen von Integration konfrontiert.

Anschließend im Gespräch
Ahmad Mansour und Tobias Hülswitt

Ahmad Mansour, geboren 1976 in Tira/Israel, Sohn arabischer Israelis, Diplom-Psychologe und Autor, 1996–1999 Studium der Psychologie am Academic College of Tel Aviv-Yaffo in Tel-Aviv, lebt seit 2004 in Deutschland, 2005–2009 Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, 2009 Diplom, Mansour engagiert sich in zahlreichen Projekten und Initiativen und Expertenkommissionen gegen Extremismus, Salafismus, Antisemitismus und tritt für das friedliche Zusammenleben zwischen Arabern und Juden ein, 2012–2014 Teilnehmer an der Deutschen Islamkonferenz, 2017 zusammen mit seiner Ehefrau Beatrice Gründung der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND prevention), 2021–2023 zusammen mit Beatrice MansourPodcast »Ein Herz und ein Habibi«, lebt und arbeitet in Berlin.

Publikationen
Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2015
Klartext zur Integration. Gegen falsche Toleranz und Panikmache. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018
Solidarisch sein! Gegen Rassismus, Antisemitismus und Hass. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2020
Operation Allah. Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2022

Für seine Arbeit erhielt Ahmad Mansour zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz, den Carl-von-Ossietzky-Preis, den Theodor-Lessing-Preis, den Menschenrechtspreis 2019 der Gerhart und Renate Baum-Stiftung sowie 2022 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Kino kontrovers - über die Idee zur Filmreihe

»Provokative Kunst gibt es immer seltener«, »wer sich außerhalb des woken Diskurses stellt, wird gecancelt« - solche Aussagen begegnen uns häufig. Künstlerisches Schaffen und kuratorische Entscheidungen scheinen heute zunehmend unter Druck, sich politisch zu positionieren.
Manche sehen einen kulturellen Biedermeier am Horizont aufziehen, andere haben Furcht, durch eine falsche Positionierung Teile des Publikums oder die eigene Klientel zu vergraulen. Heißt das neue Leitmotiv also »bloß keine Fehler machen«? Sind Freiheit und Ambivalenz der Kunst gefährdet? Diese Fragen und die daraus resultierenden Irritationen gaben den Anstoß für die Filmreihe, die von Harriet Maria und Peter Meining konzipiert wurde: »Wir wollen beispielhaft Filme zeigen, deren thematische Assoziationen unmittelbar in die oben benannte Leerstelle zielen. Filme, die uns provozieren, wachhalten, produktiv herausfordern«. Nach jeder Aufführung bietet ein Gespräch mit Experten und Publikum Raum für Reflektion und Einordnung.
»Es ist unsere Hoffnung, dass die an die Filmaufführungen anknüpfenden Gespräche einen anregenden und kontroversen Diskussionsraum eröffnen. Einen Raum, der nicht nur Lust auf Kunst und Filme machen soll, sondern uns auch hilft, den vielfältigen Herausforderungen einer komplexen und widersprüchlichen Gegenwart mit produktiver Neugier und auch gedanklichem Spaß zu begegnen«

Harriet Maria und Peter Meining, 2025

VORSCHAU
Sonntag, 14. September 2025, 19 Uhr, Programmkino Ost

KINO KONTROVERS 2 »Die Sonne die uns täuscht« von Nikita Michalkow
Tobias Hülswitt im Gespräch mit Prof. Jörg Baberowski über das komplizierte Verhältnis zu Russland

Filmreihe kuratiert von Harriet Maria und Peter Meining/MauserFilmProduktion, in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Künste und dem Programmkino Ost, gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.