Programm
»wer keinen grund sieht muss im nirgends ankern« Dokumente und Dichtung aus der Lausitz anlässlich des bundesweiten Tags der Archive zum Thema »Alte Heimat – neue Heimat«
Zum 13. bundesweiten Tag der Archive unter dem Titel »Alte Heimat – neue Heimat« widmet sich das Archiv der Sächsischen Akademie der Künste der Lausitz als einem Raum tiefgreifender physischer, sprachlicher und kultureller Umbrüche. Die Archivarin Dr. Johanna Aberle spricht mit der deutsch-sorbischen Dichterin Róža Domašcyna über verschwundene Dörfer, Überlieferungsspuren und Literatur als Erinnerungsort. Präsentiert werden Fotos und Erinnerungen an das 1976 abgebaggerte Dorf Tzschelln und seine Bewohner. Teilnahme nach Anmeldung.
Alle zwei Jahre ruft der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. (VdA) zu einem bundesweiten Tag der Archive auf, um die Öffentlichkeit mit den vielfältigen Funktionen von Archiven bekannt zu machen. 2026 richtet sich der Fokus auf Archivbestände über Migration, Flucht, Ankommen, Verwurzelung und Entwurzelung und den Wandel von Gemeinschaften. Was bewegt Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten? Lassen sich Traditionen an neuen Orten bewahren?
Das Archiv der Sächsischen Akademie der Künste widmet sich aus diesem Anlass der Lausitz, die als Heimat in mehrfacher Hinsicht, physisch, sprachlich und kulturell, von Veränderung, Zerstörung und Verlust, etwa durch die Umsiedlung ganzer Dörfer durch den Braunkohletagebau, geprägt ist. Die Archivarin Dr. Johanna Aberle geht der Frage nach, was von den verschwundenen Orten überliefert ist. Welche Archive sind in der Lausitz um das Bewahren des unwiederbringlich Verlorenen bemüht? Mit dem Fokus auf Archivmaterial ehemaliger Bewohner des Dorfes Tzschelln, das 1976 dem Tagebau Nochten weichen musste, werden Initiativen vorgestellt, den Ort und die mit ihm verbundenen Erinnerungen zu bewahren.
Die Sächsische Akademie der Künste zählt bedeutende Stimmen aus der Lausitz zu ihren Mitgliedern, wie Kito Lorenc (1938‒2017) und die in Bautzen lebende Dichterin Róža Domašcyna, die zu den wichtigsten Vertretern der deutsch-sorbischen Dichtung gehören und in ihren Gedichten, Filmen, Hörfunkfeatures und Erzählungen gegen den Verlust von Landschaften, Kultur und Sprache aus unserem Gedächtnis anschreiben - »in denkbar weitester Entfernung zur sorbischen Heimatfolklore und zu allen naiven Versuchen, in den jenseitigen Dörfern der Lausitz ein idyllisches Paradiesgärtlein zu verorten« (Michael Braun).
Wortschöpferisch und grenzgängerisch zwischen der deutschen und sorbischen Sprache fängt Róža Domašcyna die durch den Braunkohletagebau im Verschwinden begriffenen identitätsstiftenden Sprach-, Kultur- und Naturräume ein und macht sie in ihren Texten wieder gegenwärtig. »Wer keinen grund sieht muss im nirgends ankern«, heißt es im Eröffnungsgedicht von Róža Domašcynas Gedichtband »die dörfer unter wasser sind in deinem kopf beredt« (Reihe Neue Lyrik – Band 12, Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Poetenladen 2016). 2026 erschien eine Werkauswahl von Róža Domašcyna mit dem Titel »Unterm weißleinenen tuch« in der Sorbischen Bibliothek des Domowina-Verlags.
Einführung und Vorstellung der Archivalien:
Dr. Johanna Aberle, Archivarin der Sächsischen Akademie der Künste
Gespräch und Lesung mit Róža Domašcyna, Lyrikerin und Übersetzerin, Mitglied der Klasse Literatur und Sprachpflege der Sächsischen Akademie der Künste
Mitmachangebot: Wer anschließend Lust hat, seine Gedanken und Bilder mit Stift oder Pinsel zum Thema Heimat und Heimatverlust festzuhalten, ist herzlich zu einem Mitmachangebot für Klein und Groß eingeladen!
Wir bitten um Anmeldung bis 6.3.2026 an Dr. Johanna Aberle, Archivarin der Sächsischen Akademie der Künste
E-Mail: aberle@sadk.de

