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Programm

Wie wenig ist genug - Zur Zukunft der Künste im 21. Jahrhundert. Festveranstaltung zum 30. Geburtstag der Sächsischen Akademie der Künste

| ausgebucht
Festspielhaus Hellerau, Karl-Liebknecht-Straße 56, 01109 Dresden

Die öffentliche Festveranstaltung aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Sächsischen Akademie der Künste im Festspielhaus Hellerau zielte unter der Frage »Wie wenig ist genug?« auf die gegenwärtige Situation der Kultur und umfasste zugleich Ausblicke auf die zukunftsorientierten Möglichkeiten künstlerischer Praxis. Zukunftsweisende Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler aus Baukunst, Bildender Kunst, Darstellender Kunst, Film, Literatur und Musik wurden an diesem Abend beispielhaft auf die große Bühne gebracht und im Tandem mit Mitgliedern der Sächsischen Akademie der Künste vorgestellt. Installationen, Filme, Bücher und Musik konnten im Festspielhaus entdeckt werden und boten Anlass für den weiteren Austausch mit dem zahlreich erschienenen Publikum.

Festveranstaltung in Kooperation mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste

Mit freundlicher Unterstützung durch die

Ostdeutsche Sparkassenstiftung

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus.

Mit freundlicher Unterstützung durch

Weingut Proschwitz

MDR MEDIA

Mit Unterstützung der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

 

Programm

BEGRÜSSUNGEN

Carena Schlewitt, Intendantin HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste

Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus

Prof. Dr. Wolfgang Holler, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste

Moderation: Alexandra Gerlach, freie Journalistin


DARSTELLENDE KUNST

Miller de Nobili

Gemeinsam mit drei Tänzerinnen und Tänzern aus Breaking, Hip-Hop und zeitgenössischem Tanz übersetzen Maria Chiara de Nobili und Alexander Miller in »Main Character: Lost« inneres Chaos in Bewegung. In der Produktion über das Erwachsenwerden in der heutigen Zeit machen sie die widerstreitenden Empfindungen zwischen Rastlosigkeit und Stillstand, Wut und Hoffnung und das Gefühl, allein und missverstanden zu sein, sichtbar. Wie findet man den eigenen Weg in einer Welt, die sich permanent verändert? Das Stück verbindet Tanz, Text und Sound in einer emotional vielschichtigen Sprache miteinander und fragt danach, wie Orientierung möglich wird, wenn alles gleichzeitig passiert.

Choreografie: Maria Chiara de Nobili & Alexander Miller in Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern
Tanz: Nam Tran Xuan, Giulia Russo, Ali Adic
Musik: Gábor Halász
Kostüme: Kim Schölch, Till Lukas Fiedler
 

LITERATUR

Juliane Liebert

Die Autorin, Lyrikerin und Journalistin Juliane Liebert zählt zu den wichtigsten jungen Stimmen des deutschsprachigen Kulturjournalismus. »Juliane, das ahnte ich wohl schon damals, ist eine, die man machen lassen muss, bis sie es kann und vor allem, weil sie es schon kann. Welches schlaue Meer, welche literarische Surfschule sollte ich Juliane Liebert schon empfehlen? In einer Surfschule übt man mit Brettern. Manchmal aber hat es den Anschein, Juliane mache es ganz ohne Bretter. Ihr Werksgeheimnis? Wahrscheinlich pure Aufrichtigkeit, besser noch: Aufgerichtetheit«, schreibt Wilhelm Bartsch (Schriftsteller, Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste) über Juliane Liebert.
Lesung und Gespräch

BAUKUNST

Anne Femmer und Florian Summa

Mitten in einer Landschaft aus Modellen, Materialien und Werkstatteinblicken sprachen Florian Summa vom Leipziger Architektenduo summacumfemmer zusammen mit Anika Gründer (Architektin, Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste) und Florian Kirfel darüber, wie sie Architektur und ihre Lehre angesichts fundamentaler ökologischer, sozialer, politischer und technologischer Umbrüche neu erfinden. Auf der Bühne mit dabei: das wirkliche Leben.

FILM

Animationsfilmstudio Blaue Pampelmuse

»Mit Arbeiten wie den »Lutken« oder »Pumphut« erzählen wir Geschichten, die mit wenigen Mitteln auskommen und dabei Raum für Humor, Magie und eigene Gedanken lassen. Vielleicht liegt im »Genug« nicht der Verzicht, sondern die Möglichkeit, wieder genauer hinzusehen.« schreibt Eliza Plocieniak-Alvarez, Creative Producerin und Regisseurin. Sie sprach über ihre Arbeit im Leipziger Animationsfilmstudio Blaue Pampelmuse und zeigte Filmausschnitte.
 

BILDENDE KUNST

Mathilda Augart

Die bildende Künstlerin Mathilda Augart arbeitet medienübergreifend mit Installation, Video, Malerei und Skulptur. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Erinnerung, Projektion, familiären Narrativen sowie inneren und äußeren Räumen. Im Gespräch stellte sie eine Arbeit vor, die als räumliche Installation innerhalb eines geerbten Puppenhauses untersucht, wie familiäres Erbe symbolisch und emotional weitergegeben, verändert und in neuen Formen wieder sichtbar wird. Das Puppenhaus, das der Großmutter der Künstlerin Mathilda Augart gehörte und innerhalb der Familie weitergegeben wurde, wurde an diesem Abend im Festspielhaus Hellerau gezeigt, dazu die 23-minütige Filminstallation »Blaupause dreier Generationen« von Mathilda Augart.
 

MUSIK

Nicolas Kuhn

Der Dirigent und Komponist Nicolas Kuhn steht für außergewöhnliche Konzertformate zwischen symphonischer Tradition und experimenteller Gegenwart. Als Dirigent verbindet er selten gespieltes Repertoire mit Neuer Musik, gründete dafür 2024 das ANTIPHON ORCHESTRA und arbeitet mit renommierten Orchestern und Festivals in Europa zusammen. Als Komponist und als Leiter des Ensembles für Neue Musik der Hochschule für Musik Dresden gehört er zu den wichtigen Stimmen der neuen Musikszene.
Er leitete an diesem Abend das Ensemblestück für 15 Musikerinnen und Musiker »Scar« von Rebecca Saunders. Das Stück entstand aus Saunders’ tiefer Faszination für die »Erforschung der physischen und sinnlichen Qualität von Klang« sowie für »die physische und sinnliche Wirkung, die Musik auf den Zuhörer haben kann«. Ausführende waren Studierende des Masterstudiengangs Neue Musik der Hochschule für Musik Dresden.

Besetzung:
Oboe: Anna Makarenko
Bassklarinette: Georg Wettin
Horn: Ekaterina Marinova
Trompete: Nick Pscheidt
Posaune: José Daniel Lopes
Schlagzeug; Staš Planinšek, Samuel Dietze
Klavier: Seulhwa Jang, Annika Größlein
E-Gitarre: Heathcliffe Auchinachie
Akkordeon: Vlamidir Stupnikov
Violine: Geqi Cui
Viola: Ignacio Canto
Violoncello: Anja Radjenović
Kontrabass: Konrad Fichtner
Dirigent: Nicolas Kuhn

FEST

Jazz mit Samuel Dietze, Kevin Knödler und Victor Möhmel,
und die Möglichkeit, die installativen Arbeiten aus Baukunst, Bildender Kunst und Film sowie einen Büchertisch zu entdecken.
 

HINTERGRUND

Die Sächsische Akademie der Künste wurde 1996 als Einrichtung des Freistaates Sachsen gegründet. »Die Kunst zu fördern, Vorschläge zu ihrer Förderung zu machen und die Überlieferungen des traditionellen sächsischen Kulturraums zu pflegen« ist ihre Kernaufgabe. Sie »vertritt Freiheit und Anspruch der Kunst gegenüber Staat und Gesellschaft und macht die Öffentlichkeit mit wichtigen künstlerischen Leistungen, Positionen und Prozessen der Zeit bekannt.« Die Fünf-Sparten-Akademie vereinigt heute 185 namhafte Kunstschaffende aus dem In- und Ausland.

Aus diesem Anspruch heraus entstand die Idee, mit einem partnerschaftlichen Mentoringprojekt neue Entwicklungen in den Künsten in den Mittelpunkt des 30-jährigen Jubiläums zu stellen. Mitglieder der Akademie aus den Sparten Baukunst, Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Film, Literatur und Musik stellen exemplarisch zukunftsweisende Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler vor, die auf der Festveranstaltung in verschiedenen Formaten und in einem Parcours präsentiert werden.

Die Sächsische Verfassung, die in Kraft trat, als die Gründung der Sächsischen Akademie der Künste vorbereitet wurde, verankert die Kultur als Staatsziel. Und dennoch wird derzeit massiv gespart, gekürzt, werden Wirkmöglichkeiten der für die Öffentlichkeit künstlerisch arbeitenden Einrichtungen – wie auch der Sächsischen Akademie der Künste – beschnitten. Dies geschieht in einer Zeit der Erosion freiheitlich-demokratischer Strukturen und des Wiederaufstiegs autoritärer Systeme, begleitet von den Konsequenzen eines existenzverändernden Klimawandels.

So widmet die Sächsische Akademie der Künste diese Festveranstaltung den zukunftsorientierten Möglichkeiten künstlerischer Praxis mit der Frage »Wie wenig ist genug?«