Programm
IBA Thüringen. Exkursion der Klasse Baukunst
Seit 2013 hat sich die Internationale Bauausstellung Thüringen den Beziehungen zwischen Stadt und Land gewidmet. Anlässlich des diesjährigen Finales besuchte die Klasse Baukunst der Akademie am 2. Juni 2023 die Abschlussausstellung in Apolda, die im Egon-Eiermannbau als hochinformative Collage aus Texten, Grafiken und Modellen präsentiert wird (bis Ende Oktober 2023). Im Gespräch mit IBA-Direktorin Marta Doehler-Behzadi, Mitglied der Bauklasse, und Fachjournalistin Ira Mazzoni wurden Fragen zum Profil, der Ausstrahlung und der Nachhaltigkeit der erzielten Ergebnisse erörtert. Tags darauf standen einige der gebauten Exponate, die weiträumig im Land verteilt sind, auf dem Programm, wozu jeweils Begegnungen mit lokalen Akteuren gehörten. Im folgenden sind die Beobachtungen und Reflexionen der Teilnehmer zusammengefasst.
BEOBACHTUNGEN UND REFLEXIONEN
IBA Thüringen. Beiträge der Teilnehmer (PDF)
Die Marke »Internationale Bauausstellung« und die damit verbundenen Vorstellungen wurden von der IBA-Thüringen subversiv und den Herausforderungen der Zeit angemessen hinterfragt. Tritt doch diese IBA eher als Nicht-Bau oder Weniger-Bau-Agentur auf: sie will lokal bereits Vorhandenes stärken und Hilfe zur Selbsthilfe leisten. In der Debatte zu Gestaltfragen zeigt sich ein verändertes und erweitertes Verständnis von Architektur, das nicht nur das bislang aus den Metropolen gespeiste Konzept derartiger Bauausstellungen in Frage stellt, sondern auch das Selbstverständnis des Berufsstandes reflektiert, wie wir es auch in aktuellen Diskursen zur Architektur, etwa auf der Biennale in Venedig, erleben.
Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
In enger Nachbarschaft zu einer bedeutenden archäologischen Fundstätte aus der frühen Bronzezeit, dem Leubinger Fürstenhügel, ist an der Bundesautobahn A71 eine als »Fenster in die Region« gedachte Tank- und Rastanlage entstanden. Ein internationaler Wettbewerb setzte 2015 auf eine interdisziplinäre Planung aus Architektur, Landschaftsarchitektur und Kommunikationsdesign, um die Anlage in den landschaftlichen Zusammenhang des flachwelligen Hügellands sowie in den historischen Kontext einzubetten.
Leubinger Fürstenhügel
Gesundheitskioske und Landzentrum Dorfregion Seltenrain
In der Dorfregion Seltenrain bauten die gemeindeübergreifende Stiftung Landleben und der Verein Landengel e. V. ein Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsnetzwerk für die ländliche Region auf. Dazu gehören an den Bushaltestellen angedockte Gesundheitskioske in Holzbauweise und in Sundhausen ein Landzentrum mit Gesundheitsangeboten und Dienstleistungen unter einem Dach. Das einst als Dorfkonsum genutzte Gebäude wurde dazu im Rahmen eines Bauhüttenprojekts umgestaltet.
Gesundheitskioske und Landzentrum
Klimakulturlandschaft Kannawurf
In einer Kooperation von Landwirtschaftsbetrieben, der IBA Thüringen und dem Künstlerhaus Thüringen e. V. entstand eine Machbarkeitsstudie für 1.500 Hektar bewirtschaftete Agrarflächen nach dem Leitbild »Klimalandschaftstypologien mit überbetrieblichem Fruchtfolgenmanagement«. Seit 2022 werden auf einer acht Hektar großen Versuchsfläche Keyline-Strukturen erprobt. Das Schloss Kannawurf, Sitz des Vereins Künstlerhaus Thüringen, bietet einen räumlichen Überblick auf die umgebende Klimakulturlandschaft.
IBA Projekt Kannawurf
Aus den Beobachtungen und Gesprächen entstanden die folgenden Reflexionen von Sigrid Brandt, Wolfgang Kil, Gunnar Volkmann, Thomas Will und Andreas Wolf. Sie verstehen sich auch als Anstöße im Hinblick auf mögliche IBA-Projekte in Sachsen. Beiträge der Teilnehmer (PDF)




