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Aus dem Film "Die Sonne die uns täuscht" (RU 1994)

Kino kontrovers 2: »Die Sonne, die uns täuscht«

| Film und Gespräch
Programmkino Ost, Schandauer Str. 73, 01277 Dresden

»Die Sonne die uns täuscht« von Nikita Michalkow ist der zweite Film der Reihe Kino kontrovers. Er wirkt auf den ersten Blick gar nicht provokant und doch ist er es gerade heute. Nicht der Film selbst, sondern die aktuellen politischen Umstände, insbesondere der russische Angriffskrieg und die völkerrechtswidrige Landnahme in der Ukraine machen ihn zu einem hochaktuellen Diskussionsstoff. Filmpräsentation (152 Min), im Anschluss Gespräch mit dem Osteuropahistoriker Jörg Baberowski über das komplizierte Verhältnis zu Russland in Moderation von Tobias Hülswitt.

Nikita Michalkow drehte »Die Sonne, die uns täuscht« im Jahr 1994. Das Drama, das zur Zeit der stalinistischen Säuberungen im Jahr 1936 spielt, wurde in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet und gewann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Inspiriert von Werken von Anton Tschechow entwirft Michalkow – der selbst die Hauptrolle spielt – ein märchenhaftes, fast nostalgisches Bild eines ländlichen Russlands, durchzogen von Ironie und leiser Bedrohung. Unter der idyllischen Oberfläche rumort der Totalitarismus, die Gewalt kündigt sich leise an. Am Ende steht der Fall des gefeierten Volkshelden – ein Opfer stalinistischer Willkür. Heute steht Michalkow nicht nur als Regisseur im Fokus, sondern auch als prominenter Unterstützer Putins und Kriegsverherrlicher – er ist Teil der EU-Sanktionsliste. Was macht das mit unserem Blick auf sein Werk? Kann Kunst vom Künstler getrennt werden? Was sagt uns diese Geschichte über die Kontinuitäten russischer Machtstrukturen bis in die Gegenwart?

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutierte der Autor Tobias Hülswitt mit dem Osteuropahistoriker Jörg Baberowski über das heutige Russlandbild und seine historischen Wurzeln. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie sich aktuelle politische Entwicklungen auf tief verwurzelte kulturelle und ideengeschichtliche Traditionen stützen – und wie wir ihnen heute begegnen können. Die Film-Gesprächsreihe »Kino kontrovers« will aufklären und Kontexte schaffen. Sie lud an diesem Abend dazu ein, historische Fährten zu verfolgen und sich der komplexen Beziehung zu Russland differenziert zu nähern.

Jörg Baberowski
Der Historiker und Gewaltforscher Prof. Dr. Jörg Baberowski setzt sich intensiv mit Russland, der Sowjetunion und dem Phänomen des Totalitarismus auseinander. Er lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 2002 ist er dort Professor für Geschichte Osteuropas. In seinen Arbeiten befasst er sich mit der Geschichte des Stalinismus, mit politischer Gewalt im 20. Jahrhundert sowie mit ideengeschichtlichen Grundlagen totalitärer Systeme. Zu seinen veröffentlichungen gehören Standardwerke wie „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“ (2012) oder „Räume der Gewalt“ (2015), die auch außerhalb der Fachwelt große Beachtung fanden. Er ist Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Gremien und internationalen Forschungsnetzwerken, unter anderem zum Thema Gewaltgeschichte und autoritäre Regime.

Rückblick

Kino Kontrovers ist eine thematische Filmreihe - in Kooperation mit der Sächsischen Akademie der Künste und dem Programmkino Ost. Sie greift kontroverse gesellschaftspolitische Themen mit Mitteln der Filmkunst auf. Die Gespräche mit Experten und Publikum im Anschluss geben Raum für Reflektion und Einordnung. Eine Fortsetzung 2026 ist vorgesehen.

Filmreihe kuratiert von Harriet Maria und Peter Meining/MauserFilmProduktion, in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Künste und dem Programmkino Ost, gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.