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Flyer Wer schreibt Kunstgeschichte

Wolfgang Ullrich: Vom Verschwinden der Kunstgeschichte, Vortrag in der Reihe "Wer schreibt Kunstgeschichte"

| Vortrag
Hochschule für Bildende Künste Dresden, Brühlsche Terrasse 1, Aktsaal

Diese mehr als doppelbödige Frage ist nicht nur für die Bildende Kunst von Interesse, wo wir uns fragen, warum mancher Künstler in die Geschichte eingeht, und warum manch anderer nicht. Was halten wir für bewahrenswert und warum? Von welchen Diskursen ist unsere Betrachtung heute bestimmt? Welchen Einfluss hat der Markt, welchen Einfluss haben die Medien auf unsere Betrachtung? Was verändert sich, wenn wir Kunst aus einer globalen Perspektive statt aus der europäischen betrachten?

Vortrags- und Diskussionsreihe der Sächsischen Akademie der Künste und der Hochschule für Bildende Künste Dresden in Kooperation mit dem Fachbereich Kunstgeschichte des Instituts für Kunst- und Musikwissenschaft der Technischen Universität Dresden.

Einführung und Moderation: Matthias Flügge
Vortrag: Prof. Dr. Wolfgang Ullrich

Rund ein Vierteljahrhundert, nachdem Hans Belting ein Ende der Kunstgeschichte prognostiziert hatte, sieht es so aus, als habe er Recht behalten. Es mehren sich die Indizien dafür, dass die autonome Kunst des Westens, mit der immer eine starke Idee von Kunstgeschichte verbunden war, einen Sonderfall darstellte. Im Zuge der Globalisierung der Kunstwelt, die sowohl den Kunstmarkt als auch die kuratierte Kunst von Großveranstaltungen erfasst hat, wird ‚Geschichte‘ als Kategorie der Kunst zunehmend irrelevant oder sogar bewusst eliminiert. Doch was bleibt und was kommt, wenn Kunst nicht mehr im Kontext von Geschichte wahrgenommen wird?
(Wolfgang Ullrich)

Ist Damian Hirst so berühmt, weil er wirklich künstlerische Bedeutendes geleistet hat oder weil er sich geschickt zu vermarkten weiß? Schreiben wirklich Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker Kunstgeschichte oder ist es zurzeit nicht eher der Markt, der die Werke der Kunst durchsetzt? Wie groß ist der Einfluss der Sammler, vor allem heute, wo viele private Kunstsammler sich eigene Museen für ihre Sammlungen bauen. Was überhaupt heißt „Kunstgeschichte“? Vielleicht wird die Qualität eines Werkes künftig gar nicht mehr an seinen ästhetischen Qualitäten bemessen, sondern daran, wie präzise es gesellschaftlich relevante Diskurse ermöglicht. Ist in der Kunstgeschichte allein für die Großen Platz, für Picasso und Joseph Beuys oder haben auch Otto Pankok oder Anatoli Kaplan Kunstgeschichte geschrieben. Hilft der Skandal, um in die Kunstgeschichte einzugehen, wie bei Georg Baselitz und seinem Gemälde „Große Nacht im Eimer“, das ihm zum künstlerischen Durchbruch verhalf? Gibt es ein Auf und Ab der Kunstgeschichte? Warum hat van Gogh nie ein Bild verkauft und wurde nach seinem Tod doch weltberühmt? Warum war Hans Makart ein Star der Gründerzeit und ist heute weitgehend vergessen? Gibt es vielleicht ganz viele Kunstgeschichten, eine für den Osten und eine für den Westen? Welche Rolle spielt dabei die Macht der Mächtigen? Geht die Kunst nicht immer mit der Macht? Was verändert sich in der Geschichte der Kunst mit der Globalisierung, welche Rolle spielt heute die Museumsethik? „Wer schreibt Kunstgeschichte“ ist auch immer die Frage „Was ist Kunst“, welcher Kunstbegriff und vor allem welcher Kunstwerksbegriff gilt.
(Wolfgang Holler).

Vortrags- und Diskussionsreihe der Sächsischen Akademie der Künste und der Hochschule für Bildende Künste Dresden in Kooperation mit dem Fachbereich Kunstgeschichte des Instituts für Kunst- und Musikwissenschaft der Technischen Universität Dresden.