Archiv-Schaufenster
Auf der Suche nach dem verlorenen Ort
Was macht eine Akademie der Künste aus? Ist es die sich gegenseitig anregende Gemeinschaft von exzellenten Künstlern? Sind es die zu vergebenden Preise? Sind es die Veranstaltungen, die die Öffentlichkeit mit wichtigen künstlerischen Leistungen, Positionen und Prozessen der Zeit bekannt machen?
Das Gründungsgesetz der Sächsischen Akademie der Künste formulierte 1994: „Die Akademie hat die Aufgabe, die Kunst zu fördern, Vorschläge zu ihrer Förderung zu machen und die Überlieferungen des traditionellen sächsischen Kulturraums zu pflegen. Sie spricht aus eigenständiger Verantwortung und entfaltet öffentliche Wirksamkeit.“
Mit der erneuten Stromabschaltung und Überflutung der Keller des Blockhauses während des Elbehochwassers im Juni 2013 verlor die Akademie ein zweites Mal ihren Ort zum öffentlichen Auftritt. Im Unterschied zu anderen Kultureinrichtungen des Freistaates (Schloss, Semperoper) waren am Sitz der Akademie nach 2002 keinerlei Flutschutzmaßnahmen getroffen worden.
Mitte Juli 2013 forderte das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB), Staatsbetrieb des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen, mit Verweis auf die Flutschäden und anstehende Bauarbeiten zum Auszug aus dem Blockhaus auf. Ab sofort dürften auch keine Veranstaltungen mehr im Blockhaus durchgeführt werden. Auch nach Abschluss der Bauarbeiten sei nicht mit einem Wiedereinzug der Akademie zu rechnen.
Die Akademie protestierte dagegen. Ihre Position machte sie in Gesprächen und Schreiben gemeinsam mit der ebenfalls betroffenen Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt LaNU gegenüber dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK), dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen (SMF) und dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) deutlich. Die Akademie forderte einen räumlichen Ersatz in der Innenstadt, der für Ausstellungen, Lesungen, Tagungen und Konzerte geeignet sei. Der Akademiepräsident berief im September 2013 eine Nutzungskommission Blockhaus ein, um das Blockhaus als Kulturstandort zu erhalten. Eine Pressemitteilung „Das Blockhaus wird zur Brache! Sächsische Akademie der Künste in Dresden ohne Sitz“ wurde veröffentlicht, ein Offener Brief der Mitgliederversammlung am 26. Oktober 2013 an den Landtag und die Staatsregierung gerichtet.
Die Verhandlungen mit SIB, SMF und SMWK führten schließlich zur Genehmigung, die Geschäftsräume am Palaisplatz 3 als Ausweichquartier anzumieten. Am 17. Dezember 2013 zog die Geschäftsstelle um. Nach baulicher Ertüchtigung wurden am 27. Juni 2014 die Erdgeschossräume am Palaisplatz eingeweiht. Die zentrale Lage ist vorteilhaft, doch sind nur noch kleinere Veranstaltungen möglich. Wo früher 150 Personen im Festsaal des Blockhauses Platz fanden, kann die Akademie heute nur noch ein Drittel an Gästen empfangen und muss für viele Veranstaltungen und ihre eigene Mitgliederversammlung Räumlichkeiten anmieten. Auch an ausreichenden Ausstellungs-, Archiv- und Lagerflächen mangelt es der Kultureinrichtung. Da im kommenden Jahr Verhandlungen zur Verlängerung des Mietvertrages anstehen, wird nun inner- und außerhalb der Akademie die Diskussion zum Standort wiederbelebt.
Das akademieeigene Nutzungskonzept für das sanierungsbedürftige Blockhaus formulierte im Dezember 2014 noch die Hoffnung, dass das Blockhaus auch zukünftig als Sitz der Akademie zum „offenen Empfangs- und Aktionsort für Künstler, zum Podium für Diskussionen, zur Schnittstelle der Netzwerkbildung für Akteure von Stadt und Land“ werden könnte. Obwohl das SMF im Dezember 2013 zusicherte, dass das SIB die Blockhaus-Planung unter Einbeziehung der Akademie erstellen würde, ist dies unterblieben. Die Staatsregierung hat schließlich 2016 im Zusammenhang mit der Schenkung der Avantgarde-Sammlung des Kunstsammlers Egidio Marzona anders entschieden. Das Archiv der Avantgarden soll als neuer Nutzer des sanierten und umgebauten Blockhauses ab 2023 „internationale Strahlkraft“ entfalten und zum „neuen touristischen Highlight“ Dresdens werden (Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch).
Eine langfristige und dem gesetzlichen Auftrag der Akademie angemessene Standort-Lösung bleibt so eine seit fast 10 Jahren unerledigte Aufgabe der sächsischen Landespolitik.
Die Chronik der Flut- und Folgeereignisse ist nachzulesen in: Sächsische Akademie der Künste. Zwanzig Jahre 1996‒2016, Band I/3. Herausgegeben von Wilfried Krätzschmar und Klaus Michael für die Sächsische Akademie der Künste. Redaktion: Ingrid Sonntag. Dresden 2017. 196 Seiten, ISBN 978-3-934367-26-5.




