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Stromlos am übergetretenen Strom - Die Akademie während des Elbe-Hochwassers vor 20 Jahren
Am 21. August 2002 erhielten Mitglieder und Kooperationspartner der Akademie eine Rundmitteilung: „Durch die Überschwemmungen ist die Sächsische Akademie der Künste seit Dienstag, 13. August 2002, weder telefonisch noch per Post zu erreichen. Wir bitten Sie, Nachrichten per Email zu senden.“
Die Geschäftsräume der Akademie im zweiten Stock des Blockhauses am Neustädter Markt 19 waren nicht betroffen. Jedoch hatte das Hochwasser die Kelleretagen überflutet, was zum Ausfall der Haustechnik führte (Strom, Telefon, Internet, Heizung, Lüftung und Wasser). Bis zum 29. August blieb die Geschäftsstelle geschlossen, die notwendigste Kommunikation wurde von Zuhause erledigt, die für den Herbst geplanten Veranstaltungen mussten abgesagt werden, auch weil die Akademie – wie andere Landeseinrichtungen auch – von einer Haushaltssperre betroffen war. Ab Ende August wurde die Akademie über ein Notstromaggregat vor dem Haus versorgt.
Besorgte und anteilnehmende Mails hatten die Akademie erreicht: „Seit Tagen gehen meine Gedanken in jene Orte, die so schrecklich vom Hochwasser betroffen worden sind. Ich habe schon mehrere Male versucht, Sie und andere Dresdner Bekannte und Kollegen telefonisch zu erreichen um mich zu erkundigen, wie es den Umständen entsprechend geht. So habe ich jetzt wenigstens von Ihnen ein Lebenszeichen. […] Oder wenn ich an Pirna, Weesenstein oder Grimma denke ... In Anbetracht dieser Katastrophen sitzt man ohne besonders große Freude im sonnigen und trockenen Leipzig ...“, hatte Thomas Topfstedt am 21. August zurückgeschrieben. Die grenzüberschreitende Verbundenheit in der Katastrophe wird in der Mail des Architekturhistorikers Vladimír Šlapeta vom 21. August deutlich: „Täglich denken wir tief betroffen auch an Dresden, Riesa, Wittenberg etc. zurückblickend an die Apokalypse in Krumnau, Budweis, Pisek, Pilsen, Prag, Leitmeritz, Theresienstadt, Aussig, Tetschen und sicher auch Pirna ... Das Architekturarchiv des Technischen Nationalmuseums - 250.000 Pläne und Zeichnungen der tschechischen Architekten, u.a. Josef Zíteks Pläne für das Landesmuseum in Weimar - sowie zahlreiche Modelle sind im Moldau-Wasser geblieben. Dieses Archiv habe ich seit 1973 bis 1991 geleitet, so ist das auch für mich persönlich ein tragischer Schlag.“
Aus Leipzig hatte die Geschäftsführerin der Freie Akademie der Künste Ingrid Sonntag bereits am 18. August ein Unterstützungsangebot gesandt– „Bitte sagen Sie uns, wie wir helfen können“ - und die Idee einer Benefizveranstaltung mit Künstlern und Wissenschaftlern ins Gespräch gebracht.
Die Benefizveranstaltung „Land unter – von Prag bis Wittenberg“ wurde am 6. September 2002 mit der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg in Berlin ausgerichtet. Das Programm (Vorträge, Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen) gestalteten Mitglieder der Berliner und der Dresdner Akademien. Die Einnahmen kamen der Restaurierung des gotischen Kapitelsaals und seiner Skulpturen im überfluteten Pirnaer Stadtmuseum zugute. Die Vorträge und Lesebeiträge sind im Jahrbuch der Sächsischen Akademie der Künste. 2001-2002 (Herausgegeben von Prof. Dr. Ingo Zimmermann. Dresden 2003. ISBN 3-934367-09-7) veröffentlicht worden.


