Programm
»Dies sonderbare und schwierige Leben« Erinnerungen an den Literaturwissenschaftler Hans Mayer (1907‒2001)
Hans Mayer gehörte zu den ersten Ehrenmitgliedern der Sächsischen Akademie der Künste, die 1996 in die Akademie gewählt wurden. Anlässlich seines 25. Todestages erinnert das Archiv der Sächsischen Akademie der Künste zusammen mit den Akademiemitgliedern Stephan Pabst, Volker Braun, Friedrich Dieckmann und Christoph Hein an sein Wirken.
Hans Mayers erste Veröffentlichung, die als Habilitationsschrift diente, setzte sich mit Georg Büchner und seiner Zeit auseinander. Der Literaturwissenschaftler Stephan Pabst wird Hans Mayers Perspektive auf Georg Büchner unter neuen Gesichtspunkten in den Blick nehmen.
Hörer seiner Vorlesungen an der Universität Leipzig waren u.a. auch die Akademiemitglieder Volker Braun, Friedrich Dieckmann und Christoph Hein, die eingeladen sind, über ihre Eindrücke und Anregungen, die von Hans Mayer ausgingen, zu sprechen. Außerdem werden Filmausschnitte gezeigt.
Als hoffungsgebend für das Experiment einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft nannte Hans Mayer die Gründung des Berliner Ensembles, Walter Felsensteins Komische Oper Berlin, Peter Huchels Literaturzeitschrift »Sinn und Form« und den Hörsaal 40 an der Universität Leipzig, wo u.a. der Philosoph Ernst Bloch und Hans Mayer lehrten. Der Hörsaal 40 galt als ein Ort geistiger Freiheit im sich verengenden sozialistischen Kultur- und Bildungswerk. »In der Nachkriegszeit gab es zwei große intellektuelle Alternativzentren: Zum einen Horkheimer und Adorno an der Frankfurter Universität und unseren Hörsaal 40, den Ulbricht in die Luft sprengen ließ«, in: Hans Mayer im Gespräch mit dem Journalisten Frank A. Meyer (SWR, 1997). Für Hans Mayer hielt die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft in der DDR bis zur Niederschlagung des Ungarnaufstandes 1956. An der Universität Leipzig war Mayer zunächst Professor für Kultursoziologie sowie Professor für Soziologie der modernen Geistesgeschichte und von 1951–1963 Professor für Geschichte der neueren deutschen Literatur. 1963 siedelte er in die Bundesrepublik Deutschland über und hatte u.a. an der Technischen Hochschule Hannover eine Professur für Deutsche Sprache und Literatur inne.
Aktuelles Interesse an seiner Arbeit signalisieren die jüngsten Tagungen anlässlich des 50-jährigen Erscheinens seines Buches »Außenseiter«, das die Stellung der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Literatur zur Frau, zu gleichgeschlechtlicher Liebe und zum Judentum behandelt.
Veranstaltung im Rahmen des Themenjahres Tacheles – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V.

