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Programm

Leipziger Buchmesse 2024: Was wir (nicht) sehen. Wahrnehmungslücken zwischen Ost und West

| Lesung und Diskussion
Haus des Buches Leipzig, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

Statements, Diskussion und Lesung mit Marcel Beyer (Dresden), Iryna Herasimovich (Zürich), Steffen Mensching (Rudolstadt), Alexander Kratochvil (München), Kerstin Preiwuß (Leipzig), Jurko Prochasko (L’viv), Olga Shparaga (Minsk/Berlin) und Cécile Wajsbrot (Paris/Berlin), Moderation: Kilian Kirchgeßner (Prag). Kooperation der Sächsischen Akademie der Künste mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Literaturhaus Leipzig e.V.

Die Lesung fand im Rahmen des Projekts "Austausch zwischen der deutschen und ukrainischen Buch- und Literaturbranche" statt, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und vom Goethe-Institut, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Ukrainischen Buchinstitut durchgeführt wurde.

Die Beiträge der Autoren können Sie an dieser Stelle (PDF) nachlesen.

Die Leipziger Buchmesse versteht sich und verstehen wir als Ort der europäischen Verständigung. Doch was meinen wir mit Europa? Autoren aus Belarus, der Ukraine, Deutschland und Frankreich diskutieren über das, was wir (nicht) sehen – in der Wahrnehmung zwischen West und Ost. Vor zehn Jahren stießen die Maidanproteste das Tor der Ukraine nach Westen auf, und seit zehn Jahren herrscht Krieg. Hat man im Westen die Augen verschlossen? Gibt es Schallmauern zwischen West und Ost? Und wie ist es umgekehrt? Wie blicken Autoren aus Belarus und der Ukraine auf den Westen? Mit welchen Erwartungen, Hoffnungen, Enttäuschungen? Welche Erwartungen werden an Autorinnen und Autoren herangetragen; welche Erwartungen haben sie an sich selbst.
Gibt es einen Ort für Utopien, eine gemeinsame Mitte, Mitteleuropa? Für den bulgarischen Autor Georgi Gospodinov steht fest, »dass das Zentrum Europas nichts Statisches ist, fest verankert in Berlin oder Paris. Das Zentrum Europas ist jener bewegliche Ort des Schmerzes. Es ist dort, wo es wehtut und blutet, und heute befindet es sich im Osten, in der stolzen Ukraine«. Diese Fragen stehen wieder im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung der Sächsischen Akademie der Künste und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Programmflyer

Die Lesung fand im Rahmen des Projekts "Austausch zwischen der deutschen und ukrainischen Buch- und Literaturbranche" statt, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und vom Goethe-Institut, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Ukrainischen Buchinstitut durchgeführt wurde.

Zu den Mitwirkenden:

Marcel Beyer, geb. 1965 in Tailfingen, lebt seit 1996 in Dresden und ist einer der vielseitigsten Autoren seiner Generation. Er veröffentlicht seit 1990 Romane, Erzählungen, Essays, Gedichte, hat Libretti geschrieben und mit bildenden Künstlern zusammengearbeitet. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, 2014 etwa den Kleist-Preis, 2016 den Georg-Büchner-Preis, 2021 den Peter-Huchel-Preis und den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Homburg. Marcel Beyer ist seit 2009 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und seit 2018 Mitglieder Der Sächsischen Akademie der Künste.

Iryna Herasimovich, geb. 1978 in Minsk, ist Übersetzerin, Kuratorin und Essayistin und lebt seit 2021 in Zürich, wo sie am Slavischen Seminar der Universität promoviert. Sie hat u.a. Werke von Lukas Bärfuss, Georg Büchner, Monika Rinck, Nora Gomringer und Franz Kafka ins Belarussische übersetzt und leitet regelmäßig Seminare für Übersetzung. Seit 2021 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zusammen mit Sylvia Sasse und Lukas Bärfuss lancierte sie das Projekt »33 Bücher für ein anderes Belarus« zur Veröffentlichung von Texten belarussischer Autorinnen und Autoren, die in ihrer Heimat nicht erscheinen dürfen.

Alexander Kratochvil, geb. 1965 in München, ist Literaturwissenschaftler und Übersetzer, u.a. von Werken Oksana Sabuschkos und Sofia Andruchowytschs. Er war Assistent am neugegründeten Lehrstuhl für Ukrainistik an der Universität Greifswald, wo er die internationale Sommerschule Ukrainicum mitorganisierte und von 2004 bis 2009 leitete. Nach verschiedenen wissenschaftlichen Stationen hatte er ein Langzeit-Fellowship der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag. Seit Oktober 2022 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter für ukrainische und tschechische Literatur am Lehrstuhl für Slawische Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Steffen Mensching, geb. 1958 in Berlin, studierte an der Humboldt-Universität Berlin Kulturwissenschaft und arbeitete viele Jahre als freiberuflicher Autor, Schauspieler und Regisseur. Mit Hans-Eckhardt Wenzel tourte er mit Clownsprogrammen. Seit 2008 ist er Intendant am Theater Rudolstadt. Für seinen Roman Schermanns Augen (2018) erhielt er den Erich-Fried-Preis und den Preis der Uwe Johnson-Gesellschaft. Zuletzt wurde ihm 2022 der Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung verliehen. Steffen Mensching ist seit 2021 Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.

Kerstin Preiwuß, geb. 1980 in Lübz, ist Lyrikerin, Romanautorin und Essayistin sowie Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift Edit. Für ihre Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Hermann-Lenz-Stipendium, dem Lyrikpreis Meran, dem Eichendorff-Literaturpreis und zuletzt 2020 mit dem Anke-Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis der Deutschen Schillerstiftung. Seit dem Wintersemester 2021 hat sie den Lehrstuhl »Literarische Ästhetik« am Deutschen Literaturinstitut Leipzig an der Universität Leipzig inne. Kerstin Preiwuß ist seit 2021 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Jurko Prochasko, geb. 1970 in Iwano-Frankiwsk, ist Schriftsteller, Germanist, Übersetzer und Psychoanalytiker. Er hat u.a. Werke von Sigmund Freud, Franz Kafka und Joseph Roth sowie von Ingo Schulze, Katja Petrowskaja und Catalin Dorian Florescu ins Ukrainische übersetzt. 2008 erhielt er sowohl den Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland als auch den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung. Er lebt in L'viv, wo er an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaft und am Psychoanalytischen Institut der Iwan-Franko-Universität forscht und lehrt. Jurko Prochasko ist seit 2010 Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und seit 2022 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Olga Shparaga, geb. 1974 in Minsk, war vor ihrer Emigration aus Belarus Professorin für Philosophie am European College of Liberal Arts in Minsk. Sie ist Mitglied der feministischen Gruppe des Koordinationsrats, des politischen Organs der Opposition gegen den Diktator Alexander Lukaschenko. Neben zahlreichen Stipendien und Auszeichnungen erzielt sie zuletzt 2024 den Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz der Universität Potsdam. Sie ist derzeit Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien.

Cécile Wajsbrot, geb. 1954, lebt als Romanautorin, Essayistin und Übersetzerin aus dem Englischen und Deutschen in Paris und Berlin. Sie schreibt außerdem Hörspiele, die in Frankreich und in Deutschland gesendet werden. 2007 war sie Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Sie wurde u.a. mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis und dem Prix de l'Académie de Berlin ausgezeichnet. Seit 2017 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, seit 2019 der Akademie der Künste in Berlin, deren Sektion Literatur sie seit 2021 stellvertretend leitet.

Kilian Kirchgeßner, geb. 1980, berichtet aus Tschechien und der Slowakei für zahlreiche ARD-Hörfunkprogramme, darunter Deutschlandfunk, WDR und Deutschlandradio Kultur. Er schreibt für den Tagesspiegel, brand eins, GEO Saison und viele weitere Titel. Er wurde u.a. ausgezeichnet mit dem Axel-Springer-Preis, dem Young Journalist Award der Europäischen Union, dem n-ost-Reportagepreis für Osteuropa-Berichterstattung und zuletzt 2022 dem Deutsch-tschechischen Journalistenpreis.