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Programm

Archivworkshop 27.5.2021 Begrüßung und Einführung

Wohin mit dem künstlerischen Erbe? 27.5.-28.5.2021 Online-Workshop zur Sicherung von Künstlernachlässen in Sachsen

bis | Online-Workshop

Unverzichtbar für eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Transformationsprozess der letzten 30 Jahre sind die Quellen, die in unterschiedlichen Einrichtungen bewahrt werden. Neben Verwaltungsunterlagen spielt dabei auch privates Material eine wichtige Rolle. Künstlernachlässe stellen hierbei für alle Institutionen durch die Verbindung von Aufzeichnungen und Werken eine besondere Herausforderung dar. Zweitägiges Netzwerktreffen in Kooperation mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Der Workshop richtete sich sowohl an Beschäftigte aus Archiven, Bibliotheken und Museen, als auch an ein Publikum, das sich über die Arbeit archivierender und sammelnder Institutionen informieren möchte.

Zum Nachhören finden Sie einzelne Beiträge als Audiofiles hier und auf youtube.

PROGRAMM

Donnerstag, 27. Mai 2021
Begrüßung und Einführung

Dr. Jörg Bochow
Vizepräsident der Sächsischen Akademie der Künste
Dr. Julia Meyer
Stellvertretende Generaldirektorin der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Wohin mit dem künstlerischen Erbe?
Dr. Judith Matzke
Leiterin des Archivs der Sächsischen Akademie der Künste

Sektion I            Stand der Nachlasssicherung bildender Künstler in Sachsen
Moderation: Dr. Judith Matzke (Dresden)

Katja Margarethe Mieth (Chemnitz)
Künstlernachlässe – Lust und Last!
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Thesen des Vortrags:
In der Regel bietet sich z. B. in Museen oder Ausstellungen nur selten die Gelegenheit, eine künstlerische Position über wenige Werke hinaus kennenzulernen.
Lust: Ein künstlerischer Nachlass ermöglicht sowohl in der Breite als auch in der Tiefe Einsichten in die Werkgenese und die Schaffensvielfalt, die andernorts nicht möglich ist. In Ergänzung zur künstlerischen Produktion selbst ist es oft eine Bereicherung, darüber hinaus lebensweltliche Aspekte besser kennenzulernen, sei es über persönliche Dokumente, Zeugnisse oder die Bibliothek oder gar Wohn- und Arbeitsverhältnisse.
Last: Viele Nachlässe bergen so viel Material, sind zuweilen ungeordnet und erfordern zunächst viel Aufwand für die Sichtung. Hinzu kommt die Notwendigkeit einer strikten Auswahl – sowohl im Hinblick auf die langfristige Bewahrung als auch auf die (digitale) Dokumentation, da in der Regel nicht alles erhalten werden kann und womöglich auch gar werden nicht sollte. Die Möglichkeiten der Verwertung sind vielfältig, aber nicht von jeder/m einfach umzusetzen.

Jeannette Brabenetz (Chemnitz)
Die Kunst der Beratung: Fragen, Lösungsansätze und Strategien bei der Sicherung von künstlerischen Vor- und Nachlässen in Sachsen
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Thesen des Vortrags:
Lagerung ist nicht gleich Sicherung!
- CARE-Arbeit liegt nicht in der Verantwortung einer/s einzelnen, sondern kann und sollte geteilt werden.
- Nachlasssicherung bedeutet vielfältige und dezentrale, institutionelle, wie nicht--institutionelle Kompetenzen zu nutzen, wertzuschätzen, auszubilden und abzubilden.
- Künstlernachlasssicherung bedeutet (auf allen Seiten der Beteiligten) nicht Abgabe von Verantwortung, sondern in erster Linie Übernahme von Verantwortung.
- Der Begriff Kernbestand sollte auf seine Sinnfälligkeit im Zusammenhang mit Künstlernachlasssicherung überprüft werden. Die Definition eines Kernbestands fördert Hierarchien, Deutungshoheiten, Ausschlüsse von Werkteilen und kann zum Machtinstrument bei der Bewertung und im Zugriff auf ein Werk werden.

Carolin Ranke (Dresden)
Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Sektion II           Künstlernachlässe in sächsischen Archiven
Moderation: Grit Richter-Laugwitz (Bautzen)

Dr. Nils Brübach (Dresden)
Die Nachlassüberlieferung im Sächsischen Staatsarchiv und neue Werkzeuge für die Nachlasserschließung
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Thesen des Vortrags:
Der Beitrag will erstens einen Überblick über die Überlieferung von Nachlässen im Sächsischen Staatsarchiv und ihre Vielfältigkeit geben – von Fürsten, Militärs und Politiker seit dem 18. Jahrhundert über Gelehrte bis hin zu Künstlern, v. a. aus den Bereichen Theater und Musik. Er wird zweitens die Rolle von Nachlässen als die amtliche Überlieferung ergänzende Bestände betonen und an einigen Beispielen die Bedeutung von Kontexten und ihre Sichtbarmachung herausarbeiten, etwa in den Bereichen Kunstförderung und Mäzenatentum. Um dies mit zeitgemäßen Methoden leisten zu können, bedarf es drittens neuer Werkzeuge: Am Beispiel der RNAB (Regeln zur Normdatenerschließung in Archiven und Bibliotheken) schließt der Beitrag mit einem Plädoyer für eine normbasierte cross-mediale Erschließung.

Birgit Horn-Kolditz (Leipzig)
Künstlernachlässe im Archiv - wo sonst? Ein Plädoyer für die Übergabe an kommunale Archive
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Thesen des Vortrags:
- Kommunale Archive sind Orte des lokalen Gedächtnisses.
- Sie sollten den Fokus nicht nur auf die behördliche Überlieferung legen, sondern das Besondere vor Ort in den Blick nehmen.
- Das Einwerben von Nachlässen oder persönlichen Sammlungen, gerade von Künstlern, erfordert generell Sachkenntnis/Kunstverstand sowie Diplomatie und ist meist zeitaufwändig.
- Für die Bearbeitung der Unterlagen im Archiv ist der Kontakt bzw. die Unterstützung des Bestandsbildners oft äußerst hilfreich.
- Nur (möglichst online) nutzbare Bestände werben bei anderen Interessenten für das Archiv als Aufbewahrungsort.


Dr. Judith Matzke (Dresden)
Ein Archiv im Aufbau – Zum Überlieferungs- und Sammlungsprofil des Archivs der Sächsischen Akademie der Künste
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Thesen des Vortrags:
- Zur Vermittlung eines ganzheitlichen Bildes einer Gesellschaft ist ein multiperspektivischer Blick essentiell, der neben Unterlagen aus Verwaltungshandeln auch privates Quellenmaterial einbezieht.
- Ressourcensparendes Archivieren und Sammeln kann von Gedächtniseinrichtungen umso effizienter betrieben werden je enger die Kooperation und Abstimmung zwischen diesen Institutionen ist.
- Die Bewahrung des künstlerischen Erbes stellt aufgrund der Verbindung zwischen dokumentarischen Aufzeichnungen und oft dreidimensionalen Werken eine besondere Herausforderung darf, die unterschiedliche Kompetenzen erfordert.
- Die Bewahrung des künstlerischen Erbes darf nicht allein in der Verantwortung der Künstlerinnen und Künstler liegen. Sie braucht institutionelle Verankerung, Beratung und Begleitung.

Freitag, 28. Mai 2021

Sektion III          Künstlernachlässe in sächsischen Bibliotheken und Museen
Moderation: Jana Kocourek (Dresden)

Thomas Stern (Dresden)
Künstlernachlässe an der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Bestand und Erschließung im Verbund
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Dr. Gisbert Porstmann (Dresden)
Künstlernachlässe aus der Perspektive musealer Sammlungen
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Dr. Rudolf Fischer/Marcelo Rezende (Dresden)
Archiv der Möglichkeiten! Das Archiv der Avantgarden in Dresden
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Sektion IV         Künstlernachlässe außerhalb Sachsens
Moderation: Jeannette Brabenetz (Chemnitz)

Werner Heegewaldt (Berlin)
Ein Archiv der Künste – Das Berliner Akademiearchiv und sein interdisziplinäres Sammlungsprofil

Daniel Schütz (Bonn)
Das Rheinische Archiv für Künstlernachlässe. Eine selbständige Stiftung bürgerlichen Rechts
Vortrag zum Nachhören (Audiofile)

Abschlussdiskussion
Moderation: Katrin Bicher (Dresden) und Dr. Judith Matzke (Dresden)


30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung beschäftigen sich zahlreiche Forschungsprojekte aus verschiedenen Perspektiven und Disziplinen mit dem Transformationsprozess der vergangenen Jahrzehnte. Grundlage dieser Forschungen sind vielfältige Quellen aus Archiven, Bibliotheken, Museen und anderen Gedächtnisinstitutionen. Für eine ganzheitliche Auseinandersetzung ist dabei ein multiperspektivischer Blick essentiell, der neben Verwaltungsunterlagen auch privates Quellenmaterial einbezieht. Eine wichtige Rolle spielen dabei Vor- und Nachlässe, dokumentieren sie doch in besonderer Weise Themen und Fragen der Zeit aus der Sicht des Einzelnen.

Die Bewahrung von solchen Vor- und Nachlässen ist dabei für sammelnde Einrichtungen ein ressourcenintensives Arbeitsgebiet, das bei institutionenübergreifender Zusammenarbeit umso zielführender wahrgenommen werden kann. Die Überlieferung von Künstlernachlässen stellt durch die Verbindung von dokumentarischen Aufzeichnungen und Werken eine besondere Herausforderung dar.

Für den Erhalt dieses künstlerischen Erbes hat der Freistaat Sachsen in den vergangenen Jahren mit dem Pilotprojekt „Künstlernachlasssicherung“, einem Förderprogramm und der Werkdatenbank Bildende Kunst neue Instrumente geschaffen. Ziel des Workshops ist es, diese Angebote aus Sicht der sammelnden Institutionen zu diskutieren und eine engere Verbindung aller Akteure anzustreben. Was kann eine institutionenübergreifende Zusammenarbeit für die Bewahrung dieses Erbes leisten?

Eingeladen wurden Vertreter von Gedächtnisinstitutionen, die ihr Sammlungsprofil vorstellen werden und darüber hinaus mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops in Austausch treten möchten. Der Workshop versteht sich als Netzwerktreffen und möchte aus verschiedenen Blickwinkeln Perspektiven und Möglichkeiten, aber auch Grenzen einer Überlieferungsbildung im Verbund erörtern.

Referentinnen und Referenten

Jeannette Brabenetz
Kunsthistorikerin Chemnitz

Dr. Nils Brübach
Referatsleiter Neuestes Archivgut Mittelost-Sachsen im Sächsischen Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden

Dr. Rudolf Fischer
Leiter des Archivs der Avantgarden der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Werner Heegewaldt
Direktor des Archivs der Akademie der Künste Berlin

Jana Kocourek
Abteilungsleiterin Handschriften, Alte Drucke und Landeskunde Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Birgit Horn-Kolditz
Leitende Bestandsreferentin im Stadtarchiv Leipzig

Dr. Judith Matzke
Leiterin des Archivs der Sächsischen Akademie der Künste

Katja Margarethe Mieth
Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Dr. Gisbert Porstmann
Direktor der Museen der Stadt Dresden

Carolin Ranke
Landesverband Bildende Kunst Sachsen e. V.

Marcelo Rezende
Leiter des Archivs der Avantgarden der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Grit Richter-Laugwitz
Leiterin des Archivverbunds Bautzen

Daniel Schütz
Leiter des Rheinischen Archivs für Künstlernachlässe Bonn

Thomas Stern
Referatsleiter Handschriften/Seltene Drucke/Kartensammlung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

In Kooperation mit der Sächsischen Landesbibliothek –Staats- und Universitätsbibliothek Dresden