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Kino kontrovers 3: Ulrich Seidl: »Paradies Liebe«

| Film und Gespräch
Programmkino Ost, Schandauer Str. 73, 01277 Dresden

Mit dem Film »Paradies Liebe« von Ulrich Seidl wird die Reihe Kino kontrovers fortgesetzt, kuratiert von Harriet Maria und Peter Meining/MauserFilmProduktion, gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Zugleich wird eine Werkschau des Filmemachers im Programmkino Ost eröffnet. Aus diesem Anlass spricht Ulrich Seidl mit Tobias Hülswitt über sein Werk, die Freiheit der Kunst, die Grenzen des Zumutbaren und den Begriff der Wahrheit.

Seit über 30 Jahren zählt der Österreicher Ulrich Seidl zu den prägenden Filmemachern des Autorenkinos. Filme wie »Hundstage«, »Import Export« und die Paradies-Trilogie feierten internationale Erfolge. Seidl bewegt sich zwischen Spiel- und Dokumentarfilm und zeigt mit Laien extreme Lebensrealitäten. Als umstrittener Regisseur polarisiert er. 2022 geriet sein Film »Sparta« nach Spiegel-Vorwürfen wegen übergriffigen Umgangs mit Darstellern in die Kritik. Eine Untersuchung des Österreichischen Filminstituts entlastete ihn, doch sein Ruf blieb beschädigt. Der Fall wirft Fragen zur Freiheit der Kunst und medialer Verantwortung auf und macht Seidls Werk für Kino Kontrovers relevant.
In seinem Film »Paradies Liebe« geht es um Sextourismus von Frauen. Im Mittelpunkt steht Theresa, die nach Kenia fährt, um sich dort die Liebe zu erkaufen, die sie zu Hause nicht mehr finden kann.

Werkschau Ulrich Seidl
Termine der Werkschau von Ulrich Seidl im Programmkino Ost:

Montag, 4. Mai 2026, 20:00, Tierische Liebe (1994)
Montag, 18. Mai 2026, 20:00, Im Keller (2014)
Montag, 25. Mai 2026, 20:00, Hundstage (2001)
Sonntag, 31. Mai 2026, 18:30, Böse Spiele Rimini Sparta (2023)

Ticketbestellung
Telefonisch unter 0351 310 37 82 und für den 23. April 2026 online hier

Sein österreichischer Landsmann Michael Haneke bringt auf den Punkt, was unbedingt auch auf Ulrich Seidl zutreffen sollte. „Kunst-Ghetto” nennt Haneke den abgesteckten Bereich, in dem seine Filme gesehen, goutiert und geliebt werden. Und ergänzt: „Tja, aber wie lautet die Alternative? Die Entscheidung zwischen Tiefgang und Breitgang kann einem keiner abnehmen. Natürlich könnte ich meine Themen populistischer gestalten. Damit würde ich allerdings das Anliegen der Sache verraten.“
Im Kino moralische Urteile über die Handlungen von Figuren, also Menschen zu fällen, war Ulrich Seidl stets zuwider. Denn bei uns allen, so Seidl, sei das „Scheitern an eigenen Ansprüchen, Erwartungen und Hoffnungen üblicher als das Einhalten, Einlösen und Erreichen derselbigen“. So wurde er in über 40 Jahren seines Schaffens zum Leinwand-Seismograph einer ungeschönten Realität. Immer wieder changierte Seidl, Jahrgang 1952, zwischen Dokumentarischem und Fiktion, arbeitete vor der Kamera konsequent mit Laien und professioneller Besetzung, wobei seine Themen ineinander greifen wie Zahnrädchen des Alltags. Er schaut mit aller ästhetischer Konsequenz und Präzision dorthin, wo sich andere nur noch abwenden können und reizt damit sein Publikum, diesem sehr physischen Ansatz im Genre zu folgen. Oder eben daran zu scheitern. Ein neuer Seidl gleicht einer neuen Zumutung. Seine radikalen Werke sehen sich nicht „weg“, sie greifen an. Wo sich Kafka im Gestühl eines Lichtspieltheaters noch emotio(ba-)nal berühren ließ („Im Kino gewesen. Geweint.“), darf das Urteil beim Betrachten von Seidl-Tableaus durchaus vehementer ausfallen: „Im Kino gewesen. Gewürgt.“
Seidl ist nicht nur Drehbuchautor und Regisseur, auch als Produzent wurde er im europäischen Weltkino eine feste und gern angefragte Größe. LUZIFER, VENI VIDI VICI und DES TEUFELS BAD heißen neuere österreichische Filme, die durch ihn möglich wurden. Sie hatten – kein Wunder – ihre eigene Sprache. Zudem ist Ulrich Seidl treuer Teamplayer, arbeitet zum Teil seit Jahrzehnten mit den gleichen Menschen an seiner Seite, vornweg Autorin Veronika Franz sowie die beiden grandiosen Kameramänner Martin Gschlacht und Wolfgang Thaler.
Die Ulrich-Seidl-Werkschau im Programmkino Ost zeigt seinen ersten Kinospielfilm HUNDSTAGE (2001) und den bislang letzten BÖSE SPIELE - RIMINI SPARTA (2023) sowie mit TIERISCHE LIEBE (1995) und IM KELLER (2014) zwei seiner aufwühlenden Doks. PARADIES LIEBE (2012) wird Teil III der Veranstaltungsreihe KINO KONTROVERS eröffnen und an diesem Abend kommt Ulrich Seidl persönlich ins „Ost“. Das herzliche Willkommen gilt einer echten Koryphäe der Filmkunst!
Andreas Körner


Rückblick Kino kontrovers 2

Rückblick Kino kontrovers 1

Kino Kontrovers ist eine thematische Filmreihe in Kooperation mit der Sächsischen Akademie der Künste und dem Programmkino Ost. Sie greift kontroverse gesellschaftspolitische Themen mit Mitteln der Filmkunst auf. Die Gespräche mit Experten und Publikum im Anschluss geben Raum für Reflektion und Einordnung. Eine Fortsetzung im Herbst 2026 ist vorgesehen.

Filmreihe kuratiert von Harriet Maria und Peter Meining/MauserFilmProduktion, in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Künste und dem Programmkino Ost, gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.