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Ernst Hirsch zum 90. Geburtstag
Am 13. Juli 2026 feiert unser Ordentliches Mitglied Ernst Hirsch seinen 90. Geburtstag. Der in Dresden geborene Filmenthusiast wurde im Jahr 2005 auf Vorschlag der Tänzerin und Choreografin Hanne Wandtke in die Klasse Darstellende Kunst und Film gewählt und hat seitdem zahlreiche Projekte in und mit der Akademie realisiert. Hirsch war bereits in den Jahren 2000‒2002 mit Filmporträts zu Max Ernst, Otto Dix und Curt Querner in der Akademie-Reihe »Der Künstler im Film« aufgetreten.
Nach seiner Zuwahl hat Ernst Hirsch vorgeschlagen, Filmgespräche mit Akademiemitgliedern zu führen. In Zusammenarbeit mit Interviewpartnern hat Hirsch seit 2008 Zeitzeugengespräche mit Werner Schmidt, Wieland Förster, Heinrich Magirius, Gerda Lepke, Friedrich Dieckmann, Dieter Görne, Karl-Heinz Adler, Peter Schreier und Michael Morgner realisiert. Als Dokumentarist hat Hirsch Dutzende von Akademieveranstaltungen festgehalten, öffentliche Gesprächsveranstaltungen und Feste ebenso wie einige interne Mitgliederversammlungen. Diese Videos sind wichtige atmosphärische Zeugnisse der Akademiegeschichte.
Die Stadt und der Filmenthusiast
Ein erstes Geburtstagsgeschenk war am 8. Mai 2026 die Eröffnung der ihm gewidmeten Ausstellung in den Technischen Sammlungen. Das große Publikumsinteresse und die Würdigungen von Seiten der Stadt Dresden, der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) und anderer Beteiligter waren für Ernst Hirsch eine große Freude und Ehre. Unter dem Titel »UNIVERSUM Dresden. Der Filmemacher und Filmsammler Ernst Hirsch« gewährt die mit der SLUB kuratierte Schau einen Einblick in das historische Dresden anhand von Filmmaterial aus mehr als hundert Jahren. Aus der Pressemitteilung der SLUB: »Zum ersten Mal werden die bewegenden Filmaufnahmen von Gesprächen mit aus Dresden stammenden Jüdinnen und Juden gezeigt, die Ernst Hirsch 1997 in Israel führte. In kurzen Videos stellt Ernst Hirsch zudem die besonderen Schätze seiner Kamerasammlung vor. Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) erläutert, was seit der Übernahme der Filmsammlung von Ernst Hirsch vor eineinhalb Jahren geschieht, um die mehr als 400 Rollen zu digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.«
Dresdner mit Leib und Seele
Bis heute lebt Ernst Hirsch in seiner Geburts- und Heimatstadt Dresden, mit der ihn nicht nur die gewachsene Verwurzelung eines Alteingesessenen verbindet, sondern auch eine große Liebe zu Architektur, Kunst und Kultur der Stadt. Eines seiner größten Verdienste war die Film-Dokumentation des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche von 1994‒2005. 500 Stunden Videomaterial hat Hirsch während der Rekonstruktion seiner Taufkirche aufgenommen, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war und als Ruine zum Mahnmal gegen den Krieg wurde. Die Akademie freut sich mit Ernst Hirsch, dass die jahrelangen Verhandlungen über eine Übernahme seiner Film- und Kamerasammlung durch die SLUB bzw. die Technischen Sammlungen der Stadt Dresden 2025 erfolgreich abgeschlossen wurden. Akademiepräsident Wolfgang Holler hatte sich persönlich dafür eingesetzt.
Der Akademie angehören
Zu seinem 80. Geburtstag veranstaltete die Akademie am 13. Juli 2016 im Festsaal des Landhauses Dresden einen Abend mit Filmvorführungen. In einem Gespräch mit Ernst Hirsch, Joachim Günther, Vorsitzender des Filmverbandes Sachsen, und Wolfgang Holler, Mitglied der Klasse Bildende Kunst, wurde auf das filmische Werk geblickt.
Zusammen mit dem Filmproduzenten und -regisseur Ralf Kukula regte Hirsch wiederholt an, eine eigene Klasse für Film und Medienkunst zu gründen. Dies steht noch aus.
Rückschau und Zukunft
In einem Filminterview mit Hans-Peter Lühr 2024 bezeichnet es Ernst Hirsch als hohe Ehre, der Akademie als Mitglied vorgeschlagen und 2005 gewählt worden zu sein »gerade auch wegen der anderen achtbaren Mitglieder wie z. B. Werner Schmidt«. Für Hirsch war mit der Mitgliedschaft auch »ein kreativer Umgang« mit der Akademie und ihren Veranstaltungen verbunden. Hirsch empfand die Atmosphäre als belebend, solange die Akademie in den ersten Jahrzehnten ihr Domizil im zentral gelegenen und geräumigen Blockhaus hatte. Seitdem die Akademie 2013 hochwasserbedingt aus dem Blockhaus aus- und an den Palaisplatz umziehen musste, beobachtete Hirsch einen Rückzug von Mitgliedern und einen Verlust an Ausstrahlung der Akademieveranstaltungen.
Ernst Hirsch zählt zu den aktivsten Mitgliedern der Akademie. Hirschs Wunsch, dass seine Filme über die Akademie und ihre Mitglieder zugänglich gemacht werden, soll nun schrittweise realisiert werden. Seine Filmporträts zu Werner Schmidt (2008) und Heinrich Magirius (2017), für die auch älteres Filmmaterial einbezogen worden ist, sind jetzt auf dem Videokanal der Akademie veröffentlicht.
Wir wünschen Ernst Hirsch alles Gute!
Dr. Johanna Aberle, Archivarin der Sächsischen Akademie der Künste


